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Dienstag, 12. Januar 2016

Idealisierte Transgender-Ikone: Das Dänische Mädchen (7/10)

Das Dänische Mädchen erzählt die auf Tatsachen beruhende Geschichte des Malers Einar Wegener, der sich ab etwa seinem 30. Lebensjahr mehr und mehr als Frau identifizierte, den Namen Lili Elbe annahm und sich 1930 einer der ersten operativen Geschlechtsumwandlungen unterzog, an deren Nebenwirkungen er/sie ein Jahr später starb. Lili Elbe ist heute eine Ikone der Transgender-Bewegung und wird im Film mit entsprechender Ehrfurcht dargestellt.


Dem für seine Darstellung Stephen Hawkings frischgebackene Oscar-Gewinner Eddie Redmayne gelingt erneut eine technisch eindrucksvolle Leistung, die über 120 Minuten allerdings ein wenig anstrengend wirkt. Der ohnehin schon zarte Brite mit der sanften Stimme schlüpft fast nahtlos in die Rolle der Frau im Männerkörper und ist dadurch weit weniger interessant als etwa Jeffrey Tambor in der Hauptrolle des Amazon-Flaggschiffes Transparent. Gerettet wird der Film über weite Strecken durch die natürliche Darstellung von Alicia Vikander, die Einars Ehefrau und Weggefährtin Gerda Wärme und Komplexität verleiht. Ihre eigene (historisch wohl lesbische) Sexualität wird kaum thematisiert, und der Film läßt sie Lili auch nach der Auflösung der Ehe bis zum Tode als Freundin begleiten. Trotz der Idealisierung füllt Vikander diese zweite Hauptrolle eindrucksvoll mit Leben und rundet damit ein für sie erstaunliches Kinojahr ab, das hoffentlich zu wenigstens einer Oscar-Nominierung führen wird (bei den Globes war sie hierfür und für Ex Machina leider erfolglos im Rennen).


Regisseur Tom Hooper (Die Rede des Königs) setzt diesmal die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ein wenig zu geschmackvoll ins Bild. Dazu passen die Verjüngung der Hauptfiguren, die Besetzung auch der Nebenrollen mit allzu hübschen Gesichtern (Amber Heard, Ben Whishaw), dazu kommen der Belgier Matthias Schoenaerts als verständnisvoller Freund und Sebastian Koch als progressiver Dresdner Arzt. All das wird dann mit dem Zuckerguß von Alexandre Desplats Musik übergossen, und das Ergebnis ist leider allzu gefällig und gefährlich nahe am Kitsch. Durch die hervorragenden Schauspielerleistungen gerade noch Gut (7/10).

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