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Donnerstag, 14. Mai 2015

Seltene Intelligenz: Ex Machina (8/10)

Junge trifft Robotermädchen. Junge verliebt sich in Robotermädchen. Liebt Robotermädchen Jungen?

Der Programmierer Caleb verbringt eine Woche mit dem genialen Firmengründer Nathan (der mit "BlueBook" das nächste Google zum Megaerfolg geführt hat). Er soll in einem erweiterten Turing-Szenario Calebs offenbar eigenhändig zusammengeschraubten Roboter Ava auf eigenständige Intelligenz testen. Es fällt Caleb allerdings schwer, objektiv zu bleiben, denn Ava hat Gesicht und Gestalt einer attraktiven jungen Frau, wenngleich mit mechanisch wirkenden Gliedmaßen und halbtransparentem Rumpf.

Es passiert nicht viel in Ex Machina, und die Handlung ist auch grob vorhersehbar. Schließlich dreht sie sich um lediglich drei Figuren (plus die stumme Bedienstete Kyoko). Im Theater würde das nur deswegen nicht funktionieren, weil die Effekte eine wesentliche Rolle spielen. Die sind allerdings spektakulär. Das gilt sowohl für das in eine atemberaubende Berglandschaft eingebettete unterirdische Labor als auch für die optischen Tricks, die Alicia Vikander zur bislang vielleicht überzeugendsten Androidin der Filmgeschichte machen. Sie erinnert an Summer Glau in den Sarah-Connor-Chroniken, die übrigens ebenfalls gelernte Ballett-Tänzerin ist.

Der 32jährige Rotschopf Domhnall Gleeson (Sohn des irischen Urgesteins Brendan) hat offenbar ein Abonnement auf SF und Fantasy, Er war Bill Weasley im Harry-Potter-Finale, spielte die Hauptfigur in der Zeitreise-Romanze Alles eine Frage der Zeit und wird demnächst in der Episode VII einer bekannten Weltraumsaga zu sehen sein. Als Caleb zeigt er genau die richtige Mischung aus Intelligenz und naivem Außenseiter. Oscar Isaac (Llewyn Davis) als Nathan hätte ich beinahe nicht erkannt (durchaus ein Kompliment). Seine Darstellung leidet ein wenig an den Unwahrscheinlichkeiten, die das Drehbuch seiner Figur zumutet - ein Ingenieur- und Programmiergenie, das man vor allem als Trinker und Fitnessfanatiker kennenlernt. Als Teil der Versuchsanordnung funktioniert das aber. Herz des ganzen ist die 26jährige Schwedin Alicia Vikander, die atemberaubend aussieht und ihre Darstellung mit genau dem richtigen Maß mysteriöser Nicht-Menschlichkeit versieht. In ihren bisherigen Nebenrollen in mittelmäßigen Filmen (u.a. an der Seite von Mads Mikkelsen im dänischen Oscar-Beitrag Die Königin und ihr Leibarzt und neben Keira Knightley in Anna Karenina) ist sie mir nicht besonders aufgefallen, ab diesem Jahr scheint ihre internationale Karriere mit Auftritten in einer ganzen Reihe von hochinteressanten Filmen aber wohl durchzustarten. Neben Schwedisch und Dänisch spricht sie ein schönes, für mich akzentfreies Englisch.

Das Regiedebut des Londoners Alex Garland ist damit trotz gewisser Beschränkungen seines eigenen Stoffes gelungen. Bisher hat er vor allem Drehbücher für seinen Freund Danny Boyle  (28 Tage später, Sunshine) und die (gemessen an Kazuo Ishiguros wuchtiger Prosa) enttäuschende Adaption von Alles, was wir geben mußten (2010, 7/10) mit Keira Knightley und Carey Mulligan abgeliefert. Zu einem Meisterwerk hat auch diesmal es nicht gereicht, dazu hätte ich eine dichtere, vielschichtigere Behandlung des Themas erwartet. Aber ihm gelingt die bislang beste Inszenierung eines seiner Stoffe: spannend, zum Nachdenken anregend, ohne die Prätentionen eines Danny Boyle (der für mich seit Trainspotting keinen rundum überzeugenden Film mehr präsentiert hat). Nur die atonale Hintergrundmusik hat mich gestört, die selten mehr als ein unheilverkündenes Dröhnen zu bieten hat. Ansonsten ist Ex Machina ein ruhiger Gegenpol zum im Juli startenden neuen Terminator-Film, der nach dem Trailer zu urteilen ein fragwürdiger Actionkracher irgendwo zwischen Remake und Reboot zu werden droht. Eine verkürzte, inzwischen fast banale Botschaft von Ex Machina zum Schluß. Paßt auf, was Ihr googelt - der große Konzernbruder beobachtet Euch! Sehr gut (8/10).

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