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Montag, 11. Januar 2016

Erleuchtend: Die Golden Globes 2016

Und plötzlich wird mir klar, wie sehr ich das Kinojahr 2015 verkannt habe! Aber sicher, Der Marsianer war die beste Komödie des Jahres! Wie konnte ich Matt Damons komischen Auftritt mißachten? Umso erstaunlicher die fortwährende Demütigung Ridley Scotts (Alien, Blade Runner, Gladiator), der auch für diese Meisterleistung wieder keinen Globe als bester Regisseur einheimsen konnte. Und dann meine Fehlsicht bei den Damen: Melissa McCarthy und Amy Schumer sind offenbar lange nicht so komisch wie Kritikerliebling Jennifer Lawrence (ich bin schon gespannt wie ein Wischmop auf Joy). Im ernsten Fach habe ich Kate Winslets Kompetenz mit Brillanz verwechselt, denn wie sonst war sie besser als die Überraschung des Jahres, Alicia Vikander in Ex Machina? Nun gut, selbst Sylvester Stallone darf sich jetzt Schauspieler nennen. Und der Titelsong von Spectre war offenbar doch gut - na ja, wenn Lady Gaga schauspielern kann, dann kann Sam Smith vielleicht auch singen...

Ehrliche Glückwünsche aber an den sympathischen Shooting Star Brie Larson:


und an "Alt"star Leonardo DiCaprio, der mit einem waschechten Bären ringen mußte, bis es für den Globe und hoffentlich auch für den Oscar gereicht hat. Ihm ist zu wünschen, daß das nicht alles nur ein Traum bleibt:



Im TV-Bereich habe ich mich ein wenig mehr wiedergefunden. Damit meine ich nicht die beiden Preise für das unglaublich dröge Hackerdrama Mr. Robot, sondern jene für die beste Comedy-Serie, Amazons Mozart in the Jungle. Wer die Serie nicht kennt, sollte das jetzt schnell nachholen, seit dem 30. Dezember ist die zweite Staffel bei Amazon in UHD-Qualität für Prime-Kunden kostenlos zu streamen. Die Geschichte um das New Yorker Symphonieorchester ist nicht perfekt, hebt sich aber derart erfrischend von all den schalen Superhelden der letzten Jahre ab. Superironisch daher, als Supergirl Melissa Benoist und The Flash Grant Gustin den Mexiko-stämmigen Gael García Bernal als besten Schauspieler in der Kategorie Komödie/Musical auszeichnen (siehe YouTube).


Er spielt perfekt den mit Mitte 30 noch jungen, exzentrischen Dirigenten, der schnell zum Mittelpunkt eines Ensembles wird, das alle Generationen umfaßt: von der 27jährigen Oboistin Hailey (Neuling Lola Kirke) über die 43jährige Saffran Burrows als erste Cellistin Cynthia zur 65jährigen ersten Oboe Betty (Veteranin Debra Monk). Und dann sind da natürlich der jenseits der 70 immer noch bissige Malcolm McDowell als "Alt"dirigent und eine denkwürdige Bernadette Peters als Aufsichtsratsvorsitzende. Gar nicht so heimlicher Star der Serie ist allerdings die (überwiegend klassische) Musik. Nur Puristen werden bei den wunderbaren Passagen aus herrlichen Werken von Klassik bis Moderne nicht dahinschmelzen können. Die Klassikszene mit all ihren Facetten, von den ewigen Gehaltsverhandlungen für die chronisch unterbezahlten Orchestermusiker über gecke Sponsoren, die lieber für einen neuen Konzertsaal als für die Altersversorgung der Künstler aufkommen wollen, bis hin zum spärlichen Privatleben der Stars, als Hailey u.a. Lang Lang, Emanuel Ax und Joshua Bell beim Tischtennis-Spielen kennenlernt. Ein Bravo an den jungen Coppola-Clan um Jason Schwartzman, Roman Coppola und Paul Weitz (American Pie) für den Mumm zur Abweichung von der Norm (zum Photo ist zu sagen, daß Lola Kirke in gelb sich für die Globes schrecklich aufgemotzt hat - in der Serie wirkt sie viel natürlicher).

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