Ein Jahr später sang er den Titelsong zu Katzenmenschen, der vor allem durch eine verführerische 19jährige Nastassja Kinski in Erinnerung blieb. Bowies energiegeladener Gesang machte Giorgio Moroders Song ("Putting out the fire (with gasoline)") zu einem Hit, übrigens gefällt mir die Single-Version deutlich besser als die spätere Album-Fassung. Jenes Album Let's Dance war dann der Höhepunkt seiner, wie er sie selbst nennt, "Phil-Collins-Phase", als er mit geschniegelten Videoauftritten etliche Pophits landen konnte. Neben dem Titelsong wurden China Girl, begleitet von einem (harmlosen) Skandalvideo, und Modern Love ("I know when to go out") ausgekoppelt.
Meine erste wesentliche Begegnung mit Bowie auf der Leinwand kam 1986, als ich auf dem Perry-Rhodan-Weltcon in Saarbrücken die Deutschlandpremiere von Die Reise ins Labyrinth erleben durfte. Natürlich war es nicht der Koboldkönig, der mich am meisten beeindruckte, sondern die entzückende 15jährige Hauptdarstellerin. Jennifer Connelly wuchs in den Folgejahren noch in alle möglichen Richtungen und ist seit ihrem Oscar-Gewinn für A Beautiful Mind eine der angesehensten (und immer noch schönsten) Schauspielerinnen Hollywoods. Bowie steuerte zur Jim-Henson-Fantasy ein paar seiner besten Lieder aus den 80ern bei, mein Favorit neben dem spannenden Titelsong ist das romantische As The World Turns Down. Überhaupt gelangen Bowie einige der schönsten Filmmusiken des Jahrzehnts, so etwa das verstörende When The Wind Blows.
Bowie war kein Schauspieler per se, aber durch sein charismatisches Auftreten und sein fremdartiges Aussehen (u.a. durch die nach einem Unfall ungleich großen Pupillen und natürlich diese unglaublichen Wangenknochen) füllte er einige fesselnde Rollen aus. Besten Gebrauch davon machte Nicolas Roeg bereits 1976 im sehenswerten Der Mann, der vom Himmel fiel, als er Bowie typgerecht als Außerirdischen besetzte. Meist beschränkte sich der Thin White Duke ansonsten auf Cameos, so 1988 als Pontius Pilatus in Scorseses Die letzte Versuchung Christi und, in seinem letzten größeren Auftritt, 2006 als Nikola Tesla in Christopher Nolans tollem Magierduell The Prestige.
Den bahnbrechenden Musiker David Bowie begann ich erst ab 1990 zu entdecken, als Ryko unter dem Label "Sound + Vision" begann, die Alben der 70er wiederzuveröffentlichen. Vor den Zeiten von Amazon & Co. mußte ich damals in Münster monatlich zu einem Spezialgeschäft radeln, um diese Import-CDs zu ergattern, und jedesmal stellte sich ein Wundertüten-Gefühl ein. Keine zwei Alben glichen sich. Bowie war in den 70ern nicht nur vom Aussehen her ein Paradiesvogel mit ständig wechselnden Federn, sondern auch vom Sound und vom Musikstil her. Höhepunkt meiner Entdeckungsreise war dann ein Konzertbesuch am 22. April 1990 in der Dortmunder Westfalenhalle, auch wenn das Erlebnis ein wenig geschmälert wurde durch Adrian Belews arg verzerrten Gitarrensound. In dieser Sound+Vision-Tournee spielte Bowie letzmalig sein Repertoire aus den 70ern. Ich muß gestehen, daß für mich keine der nachfolgenden Platten den Melodienreichtum und die Raffinesse dieser Ära auch nur annähernd erreichen konnte.
Meine Lieblingsalben:
The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars (1972)
Immer noch einer meiner absoluten Favoriten, ist Ziggy Stardust das perfekte Rock'n Roll-Album, mit kraftvollen Gitarren, hämmernden Bässen, seufzenden Saxophonen und einem Zuckerguß von Streichern, die genau die richtige Portion Pathos beisteuern. Mit Moonage Daydream (zuletzt bei den Guardians of the Galaxy zu hören), Starman, Lady Stardust enthält es Klassiker für die Ewigkeit; es endet mit dem von der 12saitigen Gitarre eingeleiteten, tiefempfundenen Rock'n Roll Suicide. "To be played at maximum volume" - eine Anweisung, die man bei modernen Anlagen vielleicht nicht ganz wörtlich nehmen sollte.
Hunky Dory (1971)Wo Ziggy geradlinig und laut ist, kommt der Vorgänger versponnen und geheimnisvoll daher. Der Opener Changes ist eines von Bowies Markenzeichen, Oh! You Pretty Things beschreibt schmerzhafte Generationenängste, und Life on Mars ist eine seiner tiefsinnigsten Balladen:
It's a God awful small affair
To the girl with the mousey hair,
But her mummy is yelling, "No!"
And her daddy has told her to go,
But her friend is no where to be seen.
Now she walks through her sunken dream
To the seats with the clearest view
And she's hooked to the silver screen,
But the film is sadd'ning bore
For she's lived it ten times or more.
She could spit in the eyes of fools
As they ask her to focus on
Sailors
Fighting in the dance hall.
Oh man!
Look at those cavemen go.
It's the freakiest show.
Take a look at the lawman
Beating up the wrong guy.
Oh man!
Wonder if he'll ever know
He's in the best selling show.
Is there Life On Mars?
Station To Station (1976)Das Album beginnt mit dem zehnminütige Titelsong, der einen unwahrscheinlichen hypnotischen Sog entwickelt, und endet in einer wunderbaren Version des Klassikers Wild is the Wind. Leider erreichte keine der nachfolgenden drei drogenbeeinflußten experimentellen Zusammenarbeiten mit Brian Eno Dichte und Qualität dieses Meilensteins.
Space Oddity (1969, alternativ: "David Bowie")Das Album zählt nicht zu seinen angesehensten. Berühmt ist aber der Titelsong, die Geschichte vom Major Tom, der mit einer Rakete ins All geschossen wird. Natürlich geht es tatsächlich um einen Drogensüchtigen, der sich schlußendlich eine Überdosis schießt, doch allzu gern wird der Text wörtlich genommen. Das ging so weit, daß Bowie 1980 mit Ashes To Ashes Klarheit schaffen mußte:
Do you remember a guy that's beenDas Album enthält aber noch andere schöne Lieder, darunter die emotionale, leider von vielen als kitschig empfundene Ballade Letter To Hermione und weitere akustisch geprägte Stücke, etwa Janine oder God Knows I'm Good.
In such an early song
I've heard a rumour from Ground Control
Oh no, don't say it's true
They got a message from the Action Man
"I'm happy, hope you're happy too
I've loved all I've needed to love
Sordid details following"
...
Ashes to ashes, funk to funky
We know Major Tom's a junkie
Strung out in heaven's high
Hitting an all-time low
David Bowie war weit mehr als nur sein Werk, er war eine Medienpersönlichkeit, er ging als einer der ersten Popstars an die Börse, und er setzte sich gemeinsam mit seiner Frau Iman für viele wohltätige Zwecke ein. Musikalisch war er seit den 90ern nur noch sporadisch erfolgreich, so wie auch die Bedeutung seines letzten Albums "Blackstar" nach kurzer Trauerfrist wohl kritisch relativiert werden wird. Das soll diesen Ausnahmemusiker aber nicht abwerten, der ohne Zweifel einer der großen Stars des 20. Jahrhunderts war und der allein durch seinen Nachnamen identifiziert werden kann: Bowie forever!
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