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Samstag, 22. Juni 2013

Gar nicht so grimmig: Grimm - Erste Staffel (2011)

Es gibt ja nur wenige wirklich originelle Fernsehshows (gleiches gilt natürlich auch für Kinofilme). Aber wenn ein Konzept gerade im TV einmal erfolgreich ist, wird es solange kopiert und (wenn man Glück hat) variiert, daß man manchmal selbst den Spaß am Original verliert. Bestimmt gibt es Perlen unter den ersten Westernserien der 50er und 60er. Aber nach hunderten Folgen von Bonanza, Rauchenden Colts etc. war die Luft irgendwann raus. Das gleiche droht jetzt mit SF- und Fantasy-Serien, die ja erst durch die digitale Tricktechnik-Revolution ermöglicht wurden. Und so wurde die neue Serie Grimm von vielen Kritikern gleich abgehakt als "noch ein Prozedural-Krimi mit übernatürlichem Twist". Wenn's aber gut gemacht ist, kann das durchaus noch viel Spaß bringen. Mich haben Konzept und Darsteller jedenfalls eher angesprochen als die zeitgleich gestartete und offenbar bisher erfolgreichere Serie Once Upon a Time.

Nick Burkhardt (David Giuntoli) arbeitet als junger Leutnant bei der Mordkommission in Portland (Oregon). Eines Tages bemerkt er, daß sich manche Menschen in seinen Augen für Sekunden in tierähnliche Monstergestalten verwandeln. Er glaubt zunächst an Halluzinationen, bis ihn seine Tante aufklärt, er sein ein "Grimm" und könne mit seinen besonderen, von den deutschen Märchenbrüdern ererbten Fähigkeiten die Mitglieder einer übernatürlichen Parallelgesellschaft erkennen und ggf. bekämpfen. Schnell stellt sich heraus, daß nicht alles schwarz oder weiß ist. So freundet sich Nick mit dem vegetarischen Blutbad Monroe an, einem wolfsähnlichen Wesen (die Amerikaner sprechen das "Vessen" aus). Für uns deutschsprachige Zuschauer bietet die Mythologie viel Grund zum Schmunzeln. Da gibt es Blutbaden, Hexenbiests, Fuchsbau (!), Fuchsteufelwild, ,Geier, Bauerschweine, Hässliche und (Highlight!) einen Seltenvogel, der einmal im Leben ein "Unbezahlbar" ausbrütet.. Manchmal liegen die Autoren sogar richtig, etwa bei der Erklärung des deutschen Wortes "Gift" (engl. Gift = Geschenk). Besonders Monroe spricht mit viel Gusto quasi-deutsche Zungenbrecher wie Zaubertrank, Siegbarste, Gefrierengeber etc.

Die Serie präsentiert wie viele Vorbilder zunächst ein Monster der Woche, bevor Nick langsam in den Konfliktstrudel zwischen Polizist und Grimm gerät und größere Zusammenhänge erkennbar werden. Wie in amerikanischen Serien (siehe CSI) üblich, ist die Kriminalpraxis reichlich idealisiert: DNA-Proben, Mobilfunkortungen und Bilder von Überwachungskameras stehen sofort und perfekt passend zur Lösung des Falls zur Verfügung. Außerdem ist es ein unwahrscheinlicher Zufall, daß die Kriminalfälle, die Nick mit seinem Partner Hank bearbeitet, alle eine Verbindung mit der übernatürlichen Welt haben. Darin liegen aber die Komik und oft auch die Spannung. Nick muß seine besonderen Fähigkeiten nämlich vor Hank und sogar seiner Freundin Juliette verbergen. Und dann gibt es noch den undurchsichtigen Polizeikapität Renard (Sasha Roiz)...

Was ist nun die Besonderheit von Grimm?

Zunächst einmal gelingt eine angenehme, konsistente Stimmung. Trotz Spannung und einigen Brutalitäten nimmt sich die Serie nie zu ernst. Insbesondere Monroe (Silas Weir Mitchell) lockert auch die brenzligsten Situationen mit seinem trockenen Humor auf. Die manchmal an deutsche Waldgebiete erinnernde Umgebung von Portland sorgt für Athmosphäre und wunderschöne Bilder.

Zweitens wird hier ein echtes Ensemble aufgebaut. Beim erfolgreichen (vermeintlichen) Vorbild Supernatural dreht sich alles so sehr um die beiden Hauptdarsteller, daß alle übrigen Figuren in den Hintergrund gedrängt werden. Nach drei Staffeln ging mir das ewige Hin und Her zwischen den Brüdern derart auf die Nerven, daß ich aufgab. Grimms Hauptautor David Greenwalt hingegen hat sich seine Sporen bei Buffy und Angel verdient und sicher einiges von Joss Whedon gelernt. Zu den genannten Charakteren gesellen sich noch der sarkastische Polizeisergeant Wu (Reggie Lee) und seit dem letzten Staffeldrittel "Apothekerin" Rosalee Calvert, dargestellt von der bezaubernden Bree Turner, die ein wenig wie eine erdigere Judy Greer (das Edel-Callgirl Trixi in Californication) wirkt. Fast alle Hauptfiguren sind um die 30 Jahre alt und bilden eine sympathische Serienfamile mit unverbrauchten Gesichtern. Sasha Roiz ist mit seinen 40 Jahren bereits der Veteran (er ist u.a. aus Warehouse 13 bekannt).

Drittens drängen gegen Ende der ersten Staffel die Mythologie und weltumspannende Konflikte (Grimms stammen schließlich aus Europa) in den Vordergrund. Die ersten Reaper werden eingeführt, die offenbar Spezialisten im Köpfen von Grimms sind, und Captain Renard werden die ersten Geheimnisse entlockt. Es gibt offenbar noch viel zu entdecken. Ich glaube, die Serienschöpfer, neben Greenwalt noch Jim Kouf (Angel, Ghost Whisperer) und Stephen Carpenter, haben von Anfang an ihre Welt gut geplant.

Grimm ist vielleicht keine Top-Serie, bietet aber prächtige Unterhaltung. Die erste Staffel ist günstig als UK-Version erhältlich und erscheint im August auch in Deutschland. Sie wird wohl auch gerade bei Vox im deutschen Fernsehen gezeigt (ich bezweifle allerdings, ob eine deutsche Synchron hier erfolgreich sein kann). Die zweite Staffel ist bereits ausgestrahlt und erscheint im UK im Oktober. Die dritte Staffel läuft in den USA ab Herbst.

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