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- "And Now His Watch Is Ended" hat den bisher besten Daenerys-Moment: Dracarys! (Und so sieht Emilia Clarke mit ihren natürlich-dunklen Haaren aus)
- "You know nothing, Jon Snow": Neds Bastard kam in den ersten beiden Staffeln für meinen Geschmack zu kurz, obwohl er in den Büchern eine meiner Lieblingsfiguren ist. Jetzt bekam er endlich einen schönen Handlungsbogen und ein klein bißchen Glück mit Ygritte spendiert. Kenner des Buches spüren wie bei den weiteren Liebespaaren leider bereits ein tragisches Ende.
- Wie in der Vorlage macht Jaime Lannister die größte Wandlung durch. Das Ende der Staffel erlebt der Kingslayer zwar physisch geschwächt, hat in den Augen der Zuschauer aber widerwilligen Respekt gewonnen, vor allem durch seine Freundschaft mit Brienne. Großartige Dialogstelle (sinngemäß): "Wie viele Menschen haben Sie gerettet, Sie Schlächter und Mörder?" - "Eine halbe Million - die Bevölkerung von King's Landing" (das bezieht sich auf seinen ach so ehrenrührigen Akt, dem verrückten König Aerys das Schwert in den Rücken zu rammen, als dieser die Hauptstadt verbrennen will).
- Der Schlagabtausch zwischen Diana Rigg (Queen of Thorns) und Charles Dance (Tywin Lannister): grandiose Schauspielkunst und exquisite Dialoge
- Die Hassliebe zwischen den ungleichen Geschwistern Cersei (Lena Headey) und Tyrion (Peter Dinklage) und Tyrions respektlose Behandlung seines königlich-monströsen Neffen ("You'll be fucking your own bride with a wooden cock") setzen Glanzpunkte.
- Auf die recht expliziten Folterszenen mit Theon hätte ich persönlich verzichten können, aber sie sind der Buchvorlage geschuldet und bringen wichtige Ereignisse in Gang. Und an sich ist es eine Freude, Iwan Rheon aus Misfits wiederzusehen.
- Brans Handlungsstrang kommt endlich in Fahrt und bietet gegen Ende einen echten Höhepunkt und eine (für Martin) seltene zufällige Begegnung mit einer anderen Hauptfigur.
- Conleth Hill als Lord Varys, Eunuch und die Spinne im Spionagenetz von King's Landing, hat einige großartige Szenen; er zeigt sein großes Herz gegenüber Sansa und Shae, aber auch seine unerbittlichen Rachegefühle gegenüber dem Zauberer, der ihn einst entmannte.
- Valar Morghulis: Arya rocks! Eigentlich müßte man weinen um das kleine Mädchen, das so viel Pech hat und einfach nicht zu ihrer Familie zurückfinden kann. Aber es ist erstaunlich, wie sie immer wieder über sich hinauswächst. Brillant gespielt von der zur Drehzeit gerade 15jährigen.
- Tyrions großer Moment in Buch 3 wird wohl den Höhepunkt von Staffel 4 darstellen. Hier wird in eher kleinen Schritten gezeigt, wie seine Loyalität zu seiner Familie, insbesondere seinem Vater, untergraben wird. Ohne Zweifel ist er das Herz der Show. Peter Dinklage ist Erster unter Ebenbürtigen eines unvergleichlichen Ensembles.
Die "rote Hochzeit" hat im Netz für einen ungeheuren Aufschrei (bei Nicht-Lesern) gesorgt. George R.R. Martin hat seine Saga bewußt darauf ausgerichtet, mit bestehenden Fantasy-Konventionen zu brechen. Das ist manchmal hart für den Leser oder Zuschauer. Ich selbst hatte den ersten Band schon nach 100 Seiten wütend in die Ecke geworfen (figurativ - ich wollte ja meinen Kindle nicht beschädigen) - und das nur, weil Sansas Direwolf "Lady" der Politik (und dem Sadismus Joffreys) geopfert wurde. Die Empörung zeugt aber nur davon, daß wir die Standardkonstruktionen der Fantasy (die zumeist auf Tolkien zurückgehen) bereits so verinnerlicht haben, daß wir Abweichungen nicht ertragen können. Bei Martin sterben die "Guten" auch schon mal einen "sinnlosen" Tod, wo bisher höchstens heldenhafte Opfer möglich waren. Gleiches gilt für die Handlung: Glückliche Zufälle gibt es nur selten, auch wenn sie manchmal zwingend erwartet werden. Bestes Beispiel ist Arya, die manchmal die Wiedervereinigung mit ihrer Familie buchstäblich um einige Meter verpaßt, am tragischsten natürlich genau bei jener infamen Hochzeit.
Umgekehrt gilt aber: Wenn uns die Figuren egal wären, könnte uns ihr Tod zwar überraschen, aber nicht emotional treffen. Und ihr Schicksal ist auch nicht willkürlich, sondern konsequent der Situation geschuldet. Das ist der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Serien der letzten Jahre, die Twists und Schock um ihrer selbst willen zelebrieren. Eines der ersten (leider stilgebenden) Beispiele für mich: 24 mit Kiefer Sutherland. Aktuelles Beispiel: True Blood und seine Teenager-Variante The Vampire Diaries. Wenn Figuren Loyalitäten pro Folge mehrmals ändern können, zentrale Figuren kurzfristigen dramatischen Effekten geopfert werden und dann je nach Zuschauergunst auch wieder auferstehen, wird Beliebigkeit zum Motto. Es ist zu vermuten, daß eine komplette Generation von Autoren das Joss-Whedon-Prinzip nicht so recht verstanden hat. Joss hat gern mal eine Figur sterben lassen, aber nie der billigen Dramatik wegen, und niemals ohne gravierende Konsequenzen für alle Beteiligten. Vor Buffy starben Hauptfiguren vor allem, wenn die Zuschauer sie nicht mochten oder die Gehaltsverhandlungen mit den Schauspielern gescheitert waren. Seitdem scheinen sie alle Freiwild für nur kurzfristig wirksame Schockmomente zu sein.
Wie oft liest man inzwischen in Kritiken: "In dieser Folge ist gar nichts passiert." Doch, Ihr jungen Schwachköpfe, ist es! Nur gestorben ist niemand, verstümmelt wurde niemand, gefoltert wurde niemand, es gab keine Schwertkämpfe oder gar Schlachten. Aber wir verstehen diese oder jene Figur jetzt besser, wir sehen manche Ereignisse in neuem Licht, wir erkennen die Richtung einer politischen Intrige."Game of Thrones" ist natürlich auch deshalb so erfolgreich, weil viel passiert, in jeder Hinsicht. Es ist deshalb so gut, weil Sex und Gewalt nicht Selbstzweck, sondern tief mit Handlung und Figurenentwicklung verstrickt sind. Und wer das nicht versteht, der soll halt zu einer der inzwischen immer erfolgreicheren gewaltpornographischen Serien wie Spartacus ausweichen. Good riddance!
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