Terminator: Dark Fate verhält sich zu James Camerons bahnbrechenden Actionknallern von 1984 und 1990 wie Das Erwachen der Macht zur ursprünglichen Star-Wars-Trilogie (ich bin nicht der erste, der diesen Vergleich zieht, aber er passt einfach zu gut). Es ist eine Fortsetzung, die über große Strecken wie ein Remake wirkt, setzt auf die Kombination der vertrauten Altstars mit frischen Gesichtern und kommt inszenatorisch möglichst altmodisch daher, wenngleich allein aus Budget-Gründen mehr Computertechnik zum Einsatz kommen muss. Und ich gebe zu, auch diesmal spricht mich das Ergebnis an. Manchmal ist man ja froh über ein Actionspektakel mit Figuren, mit denen man mitfiebern kann, und klaren Grenzen zwischen Gut und Böse. Grautöne gibt es nur im Bart von Arnold Schwarzenegger, nicht in seiner Figur (welchem Lager diese zuzurechnen ist, will ich hier nicht verraten).
Aber der 72jährige ehemalige Gouvernator ist nicht der Altstar, der die Handlung bestimmt (tatsächlich tritt er erst in der zweiten Hälfte auf), sondern seine neun Jahre jüngere Mitstreiterin Linda Hamilton. Sarah Connor is back! Und allein ihre Stimme bringt Terminator-Herzen zum vibrieren... Leider stellt ihre Präsenz ihr vermeintlich jüngeres Ich Dani Ramos ziemlich in den Schatten. Der junge kolumbianische Seifenopernstar Natalia Reyes ist das schwächste Glied in der Besetzungskette. Das liegt aber zum Teil am Drehbuch, das ihr einfach zu wenig zu tun gibt. Sie arbeitet ja in einer Fabrik - hätte man sie nicht zu einer Art mechanischem Genie machen können? Vielleicht kann sie aus Heftpflaster und Büroklammern Exterminatoren basteln, oder wenigstens Determinatoren? Diese Schwäche wird aber mehr als wettgemacht durch Mackenzie Davis (Der Marsianer, Blade Runner 2049) als die geheimnisvolle Grace. Dies ist die bislang beste Rolle für die 32jährige, der jetzt hoffentlich mal ein paar Hauptrollen angetragen werden! Der Terminator Gabriel Luna hingegen bleibt blass, vor allem wenn man an Vorbild Kristanna Loken in Rebellion der Maschinen (2003) denkt, dem ersten (und immer noch besten) Versuch eines dritten Terminator-Teils.
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Dieser Teil wie auch die beleidigend schlechten Neuversuche Erlösung (2009) und Genisys (2015) werden im Handlungskonstrukt von Dark Fate ignoriert. Dieses kann dafür erstmals wieder eine direkte Beteiligung von James Cameron vorweisen, auch wenn der 65jährige die Regie Tim Miller (Deadpool) überlassen hat, da er selbst ja an seinen Avatar-Fortsetzungen werkelt (die so eine Art filmisches BER-Projekt darstellen: Teil 2 ist für 2021 angekündigt). Erstaunlich ist nur, dass anders als bei Alita: Battle Angel, das Cameron mit mäßigem Erfolg von Robert Rodriguez drehen ließ, diesmal auf 3D verzichtet wurde - vielleicht hat sich in dieser Hinsicht Tim Miller durchgesetzt.
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Nachdem Cameron den 6. Terminator-Teil zunächst als Abschluss des Franchise bezeichnet hatte, ist nun doch die Rede von einer "neuen Trilogie". Schon bei Star Wars hat man gesehen, welch schlechte Idee das sein kann, und zudem fehlt dann - aber ich will ja nicht spoilern. Und nachdem die LKW-Verfolgungsjagden nun bereits mit Flugzeug-Verfolgungsjagden gesteigert wurden, bietet sich dann nur noch ein Terminator 7: Moonraker an. Wie auch immer, wenn eine Zeitreisensaga auf der Stelle tritt, ist dies ein kreatives Paradox. In einem Kinojahr mit vielen enttäuschenden oder erwartet mittelmäßigen Spektakeln (Mortal Engines, Men in Black: International, Gemini Man) bietet Terminator: Dark Fate immerhin spannende Unterhaltung, und deshalb schäme ich mich auch nicht für meine Wertung: Gut (7/10)
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