Wer hätte gedacht, dass Bill Murray auf seine alten Tage noch unter die Zombies geht - er wird nächsten September 70! Vor zehn Jahren hatte er ja bereits sein Cameo in Zombieland, aber in diesem Jahr folgt gleich ein Doppelschlag. Und der zeigt, wie unterschiedlich die lebenden Toten auf Film gebannt werden können.
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Bei Jim Jarmusch kündigt die Auferstehung der Toten einen Weltuntergang an. Deshalb wäre The Dead Live Again auch ein besserer Titel für seinen 13. Film als The Dead Don't Die. Trotz vieler Zitate bricht Jarmusch denn auch mit den meisten Konventionen. Niemand wächst über sich hinaus und wird zum Helden, und niemand wird gerettet, bis auf Tilda Swinton. Die spielt diesmal aber wirklich sich selbst, wovon nicht mal ihr übertrieben schottischer Akzent ablenken kann, und wird schließlich stilgerecht von einem Raumschiff abgeholt, nachdem sie mit ihrem Katana noch ein paar Zombies fachgerecht geköpft hat. Zwischendurch taucht auch noch ein verzottelter Tom Waits auf - der wird im Dezember bereits 70 (und nein, das ist nicht sein eigenes Haar, er hat seine eigene Perückenmacherin).
Bill Murray, Adam Driver und Chloë Sevigny als depperte Dorfpolizisten schaut man eine Weile lang gern zu, bis sich irgendwann herausstellt, dass das Drehbuch des 65jährigen Independant-Urgesteins diesmal konzeptlos ins Leere eiert, ganz ähnlich wie vor zehn Jahren in Limits of Control. Auch das Durchbrechen der vierten Wand hilft hier nicht mehr, und Mel Brooks hat das in Spaceballs ohnehin schon besser vorgemacht. Die besten Szenen finden sich bereits im Trailer. Schade - Jarmusch' Vampirfilm Only Lovers Left Alive war schließlich ein Heidenspaß! Erträglich (4/10).
In Zombieland: Double Tap ("Doppelt hält besser") dürfte Bill Murray eigentlich nicht mehr vorkommen, schließlich wurde er bereits im Vorgänger entleibt. Aber quasi als Entschuldigung bekommen wir im Abspann noch eine herrliche Rückblende präsentiert, die insbesondere um Murrays Virtuosität mit einem Klappstuhl kreist. Bis dahin dürfen wir uns an weiteren Eskapaden des ursprünglichen Quartetts vergnügen, immer auf der Suche nach dem Zombie Kill of the Year, wiederum mit viel Charme erzählt von Columbus Jesse Eisenberg. Außer der Reihenfolge in den Credits hat sich da nicht viel verändert - statt Woody Harrelson gebührt jetzt natürlich Oscar-Preisträgerin Emma Stone die "und"-Position. Übrigens herzlichen Glückwunsch nachträglich zum 31, Geburtstag, Emma! Und obwohl Little Rocks' Suche nach Gleichaltrigen die Handlung bestimmt, hat Big Miss Sunshine Abigail Breslin doch am wenigsten zu tun (und darf ich die Vermutung äußern, dass sie sich nicht wohl in ihrer Haut fühlt?) Ansonsten habe ich in diesem Jahr noch nie so viel gelacht, und gegen Ende wird's sogar ein bisschen spannend!
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Willkommen sind allemal die Neuzugänge, vor allem die 25jährige Zoey Deutch als blondes, rosaumhülltes Klischee Madison. Ich war bislang immer ein bisschen irritiert von ihren toten Augen (selbst in Vampire Academy), aber als Wichitas strohdoofe Rivalin ist die Tochter von Lea Thompson (Marty McFlys Mutter!) und dem renommierten TV-Regisseur Howard Deutch wirklich fabelhaft. In einem weniger ausgefeilten Part ist Rosario Dawson (Sin City, Death Proof, Clerks II) eher verschwendet, aber immerhin inspiriert sie Woody Harrelson zu einer spaßigen Elvis-Parodie (die Suche nach Little Rock führt die Truppe nämlich nach Graceland). Originell ist das Ganze sicher nicht, aber auch kein Cash-In, sondern ein Werk der Liebe und einer der unterhaltsamsten Filme des Jahres. Ich hätte nichts gegen einen dritten Teil in weiteren zehn Jahren! Deshalb vergebe ich auch die gleiche Wertung wie für den Vorgänger: Sehr gut (8/10).
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