Eine kluge Freundin hat mir einmal erklärt, daß es nur drei Arten von Frauen gibt: diejenigen, die auf Paul Newman stehen, diejenigen, die Robert Redford verehren, und diejenigen, die - beide lieben. Dies mag zum Teil die Publikumswirkung der gemeinsamen Projekte der beiden erklären. Ich selbst will zugeben (und mich nicht nur in diesem Punkt Pauline Kaels Meinung anschließen), daß es Spaß macht, die beiden Stars in Aktion zu sehen. Leider muß ich aber sowohl bei "Butch Cassidy" als auch beim Nachfolgeprojekt "Der Clou" ("The Sting") feststellen, daß da ein gewaltiges Potential verschenkt wurde. Die Western-Komödie, die u.a. dem Autor William Goldman und dem Komponisten Burt Bacharach ("Raindrops Keep Falling on my Head") Oscars einbrachte, hat neben bravourösen, unvergeßlichen Szenen (der Fahrrad-Balztanz Newmans, der mangels Sprachkenntnissen zu scheitern drohende erste Banküberfall in Bolivien) auch gravierende Schwächen. So orientierungslos wie die beiden Helden fühlte ich mich auch als Zuschauer. Über eine halbe Stunde hat es gedauert, bis ich ein grobes Bild der Hauptpersonen und der Zeitumstände vor Augen hatte. Der historische Hintergrund bleibt blaß. Es ist kein Handlungsbogen zu erkennen, keine Entwicklung der Figuren. Als Komödie nicht witzig, als Tragödie nicht packend genug, zeugt es eher von Hilflosigkeit, von einer Charakterstudie zu sprechen. Charme versprühende Stars und ein paar gute Dialoge reichen dazu nicht aus. Wo bitte ist denn herausgearbeitet, wie unterschiedlich Butch und Sundance gewesen sein sollen? Wo kommt die Tragik der Edelganoven zum Ausdruck, die im Zuge der kapitalistisch-industriellen Revolution plötzlich die letzten ihrer Art waren? Ich neige dazu, dies dem Regisseur George Roy Hill vorzuwerfen, der Genie im Detail beweist, aber kein Talent fürs große Werk hat. Der Erfolg scheint aber die Kritiker nachhaltig zum Schweigen gebracht zu haben (Maltin und Halliwell geben Höchstwertungen). Zum Glück hat bei den Oscar-Verleihungen 1970 Schlesingers Meisterwerk "Midnight Cowboy" die Hauptpreise einkassiert (was das AFI nicht hinderte, "Butch Cassidy" auf Platz 50 der Top 100 des 20. Jahrhunderts zu setzen). Nun ja - unterhaltsam war's schon (7/10).
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