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Freitag, 28. Dezember 2018

Supercalifragilisticexpialidocious NOT: Mary Poppins' Rückkehr (6/10)

Da habe ich mich gerade noch gewundert, dass Aquaman unter Wasser sprechen kann, dabei kann Mary Poppins dort sogar singen! Dass mir das aufgefallen ist, zeigt leider, dass mich die Disney-Fantasie nicht so recht einfangen konnte. Und das sogar zur Weihnachtszeit, in der man für sentimentalen Quatsch am ehesten zu haben ist (Schmalz-Tip: A Christmas Prince mit Rose McIver bei Netflix - das Original vom letzten Jahr, nicht die alberne Fortsetzung). Disneys Original von 1964 mag ich sehr wohl, auch wenn ich es beileibe nicht für deren bestes Werk halte (vielleicht, wenn ich damals Kind gewesen wäre - aber so alt bin ich auch wieder nicht). Leider hat das Team um Regisseur Rob Marshall (Chicago) und Autor David Magee (Life of Pi) auch dessen Schwächen ins 21. Jahrhundert hinübergerettet, vor allem die selbstverliebten überlangen Tanzszenen.


Aber im Endeffekt sind es die Lieder der Sherman-Brüder (Das Dschungelbuch), die den Klassiker auch heute noch so vergnüglich machen: A Spoonful of Sugar, Chim Chim Cheree, Feed the Birds, Let's Go Fly a Kite etc. Dagegen können Komponist Marc Shaiman und sein Texter Scott Wittman nur leise anpusten. Da werden dann der smogverdeckte Londoner Himmel besungen (Lovely London Sky), Binsenweisheiten heraufbeschworen (A Cover Is Not The Book), oder den Kindern der Bär aufgebunden, dass die verstorbene Mutter ja gar nicht fort, sondern nur irgendwie verschütt gegangen ist (The Place Where Lost Things Go). Bezeichnenderweise hat es nicht mal für den behaupteten Höhepunkt, Trip a Little Light Fantastic, zu einer Golden-Globe-Nominierung gereicht.


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Nichts auszusetzen habe ich an Emily Blunt in der Titelrolle, die Julie Andrews in Würde nachfolgt und sogar eine ganz nette Stimme hat. Für eine Oscar-Nominierung wird das nicht reichen, aber der Preis für Dame Julie war damals auch die Anerkennung für ihre Paraderolle als Eliza Doolittle auf der Bühne, die ihr für den (trotzdem schönen) Film Audrey Hepburn weggeschnappt hatte (mit Gesang von Marni Nixon). Weniger begeistert war ich von Lin-Manuel Miranda als Lampenwart Jack. Er ist offenbar ein Broadway-Star, bleibt im Vergleich zu Dick van Dyke als Schornsteinfeger Berti aber blass (von dessen Eleganz und Beweglichkeit sogar Fred Astaire geschwärmt hatte). Der 93jährige hat übrigens einen schönen Gastauftritt als Banker Dawes Jr., genauso wie die gleichaltrige Angela Lansbury als Ballonverkäuferin (ein Tribut an die vogelfütternde Jane Darwell). Colin Firth darf mal seine fiese Seite zeigen, und Meryl Streep - na ja, sie hat sich als Gag einen besonders schrägen Akzent ausgedacht, aber ihr Gesangstalent wird verschwendet an die Kröte Turning Turtle.

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Mit einer Rückkehr von Mary Poppins hat eigentlich niemand mehr gerechnet, und bis auf Disneys Kassen hat sie auch niemanden so recht bereichert. Sie hat der Geschichte und Botschaft von P.L. Travers nichts hinzuzufügen. Die 1996 verstorbene Autorin hätte die Fortsetzung übrigens genauso gehasst wie das Original, vor allem die auch diesmal wieder vorhandene Zeichentricksequenz. Für die schönen Bilder, netten Darsteller und die harmlose Musik kann ich mit viel Wohlwollen (und Weihnachtsbonus) noch ein Ordentlich vergeben (6/10).

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