Wo soll ich anfangen? Also die Enterprise ist bereits drei Jahre auf Mission, und die Verbreitung von Friede, Freude und Eierkuchen für die Föderation füllt Captain Kirk nicht mehr aus - der Action-Held hat sich um einen Schreibtischjob beworben. Jung-Spock dagegen möchte nach dem Tod von Alt-Spock kleine spitzohrige Vulkanier zeugen und die Sternenflotte ganz verlassen. Während die "alte" Crew Jahrzehnte brauchte, um einen ähnlichen Status von Altersmüdigkeit zu erreichen, genügen den Jungstars also wenige Jahre. Ein Hoch auf die Generation Y! Darsteller Zachary Quinto hat ja bereits im amerikanischen Fernsehen erklärt, dass man so langweilige Geschichten wie in den 60ern heute nicht mehr erzählen könne. Er unterstreicht damit aber nur, dass man ikonische Rollen nicht mit langweiligen Schauspielern besetzen sollte. Und das Einrahmen der Handlung mit Fotos von Leonard Nimoy bleibt eine plumpe Anbiederung an die Fans.
Also Kirk mag nicht mehr Kapitän sein. Aber nichts kann die Freude am Fliegen so gut wiederherstellen wie ein ordentlicher Crash. Also wird die Enterprise geschrottet, und alles ist wieder gut, nach ein paar Komplikationen und der Ausschaltung des (durch die Gesichtsprothese buchstäblich) undurchschaubaren Krall, der von Idris Elba als Variation seines Warlords aus Beast of No Nations gegeben wird, afrikanischer Akzent inklusive. Ähnliches gilt für die gute Sofia Boutella, die in Kingsman mit ihren tödlichen Beinprothesen zu begeistern wusste. Hier agiert sie in ebenfalls entstellendem Makeup irgendwie neben den Stars, ohne dass irgendeine emotionale Verbindung spürbar wäre. Im Zentrum der Handlung steht dann eine archaische Waffe, die mit ihrer puren McGuffin-Funktion direkt aus Indiana Jones geklaut sein könnte. Irgendwelche Science-Fiction-Ideen konnte ich hingegen nicht entdecken.
Hatte ich erwähnt, dass die Crew angeblich schon drei Jahre gemeinsam unterwegs ist (unendliche Weiten und so)? Nach all dieser Zeit haben Kirk und Spock aber noch immer nicht den Dreh raus, wer als erster den Aufzug verlässt: "Nach Ihnen." "Nein, nach Ihnen. Ich bestehe darauf!". McCoy muss immer noch raten, wo bei Vulkaniern das Herz platziert ist. Chekovs russischer Akzent ist inzwischen so schleppend, dass man besser eine Rauchen geht, wenn er mehr als eine Dialogzeile aufzusagen hat. Scottys Parodie eines Schotten ist ähnlich nervig, aber Simon Pegg hat sich immerhin die besten Gags auf den Leib geschrieben (nur den Charme von Jimmy Doohan kann er leider nicht kopieren und damit seinem Chauvinismus auch nicht entwaffnen). Wie es sich gehört, ist Uhura neben dem Offenhalten der Grußfrequenzen nur Damsel in Distress, das von Spock gerettet werden muss. Frauen und
Oh, und Sulu hat eine Tochter und einen Ehemann. Damit hatte George Takei im Vorfeld ein Problem, das ich auch nachvollziehen kann, denn Takeis Sulu war nicht schwul (da hat wohl jemand Darsteller und Figur verwechselt). Takei hätte lieber eine neue homosexuelle Figur gesehen - ich selbst hätte lieber überhaupt neue Figuren gesehen.. Spätestens seit ihrem zweiten Auftritt haben Kirk, Spock, Pille/Bones, Scotty und die anderen rein gar nichts mehr mit den ursprünglichen Charakteren zu tun. Ich kam mir vor wie im neusten Remake der Invasion of the Body Snatchers. Schlimmste Szene dabei: Kirk wird ob eines nahenden Geburtstages schwermütig. Nun ist der Kerl aber gerade mal 35, was nicht mal zur Midlife Crisis reicht - das ist genauso jung wie Shatner, als dieser 1966 erstmals in unendliche Weiten aufbrach. Vielleicht kamen sich die Autoren besonders klug vor, als sie McCoy toasten ließen auf "einen vollen Haarschopf und perfekte Sehkraft". Damit referenzieren sie sowohl Glatzkopf Picard als auch Kirks Brille in Zorn des Khan (die später noch eine Rolle in Zurück in die Gegenwart spielen sollte). Aber Shatner und Stewart waren halt in ihren Kinofilmen (Khan und Das unentdeckte Land bzw. First Contact und Der Aufstand) genau im richtigen Alter, um sich mit Karriereende und Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Gegenüber diesen Giganten wirkt Chris Pine plötzlich wie ein aufsässiger Teenager (was aber genau dem Zielpublikum dieser Travestie entspricht).
Dunkel ist's übrigens gemäß dem Motto des Vorgängers tatsächlich reichlich, besonders in 3D, das ansonsten nur unvorteilhaft die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die Nasen der Darsteller lenkt. Bei flackernder Beleuchtung, Wackelkamera und Stakkatoschnitten weiss man selten, was in diesen CGI-Sets überhaupt passiert. Immerhin sehen die Landschaften auch mit moderener Computertechnik noch wie gemalt aus. Und dann gibt's da die dröhnende Musik, die Pathos suggeriert, wo keiner zu finden ist. In Star Trek - Der Film gab es diese wunderbar nostalgische Szene, als Kirk im Shuttle die neue Enterprise erkundet. Dazu passte die elegische Untermalung von Jerry Goldsmith, ein Liebesmotiv für Schiff und Kapitän. In Beyond versucht Michael Giacchino einen ähnlichen Effekt, nur leider beim Zeigen einer Raumstation, die wir nicht kennen und auch keinen Bezug zu den Figuren hat, aber bei den anonymen Programmierern der Effekte bestimmt für eine Gänsehaut gut war.
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Die Sternenflotte ist inzwischen übrigens so sagenhaft effizient, dass das Nachfolgemodell des Flagschiffs bereits in Arbeit ist. Dem sympathischen Anton Yelchin hätte ich einen besseren Abschlussfilm gegönnt. Aber in einem zweifachen Zeitreisetulip hat das Studio für den vierten Film bereits die Rückkehr von Chris Hemsworth als Kirks Vater angekündigt. Der war zwar gleich nach der ersten halben Stunde des Reboots draufgegangen, aber da wusste man natürlich noch nicht, welch ein großer Star aus dem Darsteller werden würde. Da stehst du nun, du armer Thor, und bist so klug als wie zuvor...
Ach wären doch aller guten Dinge 13. Jetzt habe ich tatsächlich wieder Lust bekommen, mir doch noch mal Nemesis anzuschauen. Wer hätte damals gedacht, dass dieser unwürdige Abgesang der Next Generation noch zu unterbieten wäre? Und das zum 50. Jubiläum, das ansonsten lediglich mit dem restaurierten Director's Cut von Zorn des Khan aufwarten kann. Schande über Paramount! Ärgerlich (1/10).
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