Es gab eine Zeit, als Aliens noch putzig waren und nur nach Hause telefonieren wollten Doch dann kam Independence Day. Es gab eine Zeit, als sich Action-Filme noch ernst nahmen. Doch dann kam Independence Day. Es gab eine Zeit, in der Will Smith nur als Prinz von Bel-Air bekannt war. Doch dann kam Independence Day. Es gab eine Zeit, als Kriegsführung mit Computerviren unerhört war. Doch dann kam Independence Day.
Der erfolgreichste Film von 1996 war beileibe kein Meisterwerk. Er war kitschig, albern und unglaubwürdig. Und doch kann man auch heute noch Spaß daran haben (insbesondere in der gerade veröffentlichten, perfekt aufbereiteten Jubiläumsedition). Beim Wiedersehen stellt sich schnell ein Nostalgie-Gefühl ein, mit Überraschungen: Da finden sich ein strammer junger Adam "Jayne" Baldwin als aufrechter Major, die strahlend-schöne junge Vivica A. "Copperhead" Fox als Ehefrau von Will Smith, und Mary McDonnell als First Lady, lange bevor sie in Battlestar Galactica zur Präsidentin der zwölf Kolonien vereidigt wurde. Vor zwanzig Jahren war die Welt noch in Ordnung ;-)
Es war die Zeit, als Patriotismus noch eine amerikanische Angelegenheit war. Doch dann kam der globale Kinomarkt. Es war die Zeit der Komiker in Heldenrollen. Doch dann kamen die vermarktbaren Models. Es war die Zeit der liebevoll von Hand gemachten Zerstörungsorgien. Doch dann kam der CGI-Overkill. Es war die Zeit, als Brent Spiner auch als schwuler Hippie-Wissenschaftler noch Data war. Doch dann kam J.J. Abrams. Es war die große Zeit des Schwaben Roland Emmerich in Hollywood. Doch dann kamen die Pleiten: God(awful)zilla. The Day After Tomorrow. 10.000 BC (Beyond Compare). Und 2012.
Vielleicht konnte nur ein Deutscher den Patriotismus der Amerikaner zu ihrem Unabhängigkeitstag so unverfroren aufs Korn nehmen. Das ist Emmerich gleich nochmal gelungen, im Jahr 2000 mit dem unerträglichen Der Patriot (mit Mel Gibson und Heath Ledger). Aber heute greift diese Marketingstragie offenbar nicht mehr. Natürlich hätte es geholfen, wenn Die Wiederkehr sich zwischen Nostalgie und neuen Ideen hätte entscheiden können. Stattdessen ist sie ein müder Abklatsch geworden, und ein Franchise wird daraus mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr (wie das heute so üblich ist, wurden im Vorfeld bereits großkotzig mehrere Fortsetzungen in Aussicht gestellt).
Das zurückkehrende Komikerteam hätte vielleicht den Feiertag retten können, wenn man ihm ein paar neue Gags spendiert hätte. Stattdessen bekommen wir nur Aufgewärmtes, wobei Jeff Goldblum noch am besten weg kommt (warum hat man ihn nicht für Jurassic World wiederbelebt?) Brent Spiners Dr. Brakish Okun war eigentlich schon tot, wacht hier aber aus einem Koma auf, um das gleiche Minidrama erneut zu durchleben. Bill Pullman darf noch eine feurige Motivationsrede halten, auch wenn das Drehbuch ziemliche Kapriolen schlagen muss, um das zu ermöglichen. Am schmerzhaftesten ist allerdings der Auftritt des inzwischen 80jährigen Judd Hirsch (in der Rolle von Goldblums meschuggem Vater). Der sympathische Star der bahnbrechenden SitCom Taxi (1978 - 1983) ist leider nie so berühmt geworden wie seine Kollegen von damals: Danny DeVito, Christopher Lloyd und Andy Kaufman. Diesmal muss er eine Busladung voll Schulkinder retten, dabei verhindert er fast die Retttung der Welt (Spoiler: Sie wird trotzdem gerettet!)
Nun zu den Neuzugängen. Sela Ward ist als Präsidentin so blass, dass sie kaum als Wahlhilfe für Hillary Clinton durchgeht. Hier ist meine Alternatividee: Warum hat man nicht Vivica A. Fox, die im ersten Film so heldenmütig einen Hund retten durfte, zur Präsidentin gemacht? Das wäre mal progressiv gewesen: eine schwarze Frau mit Stripper-Vergangenheit. Stattdessen muss sie sich diesmal für ein jämmerliches menschliches Baby opfern. Dann gibt es da Charlotte Gainsbourg, der man ja eigentlich gewisse schauspielerische Fähigkeiten nicht absprechen kann. Sie stolpert allerdings so unmotiviert durch die Szenerie, dass ich ihre Rolle bis zum Schluss nicht verstanden habe. Vielleicht hat sich Jeff Goldblum eine Kuss-Szene mit einer einigermaßen alterskompatiblen Französin ins Drehbuch schreiben lassen (nach Hollywood-Logik ist sie dementsprechend kaum 20 Jahre jünger als das lange Elend)...
Die eigentliche Katastrophe sind allerdings die jungen Models im Zentrum der Action. Jessie T. Usher geht in keinem Universum als Sohn von Will Smith durch - er ist farblos und unkomisch, dazu derart unbeholfen, dass man bei einem Catwalk wohl befürchten müsste, dass er vom Laufsteg fällt. Im Vergleich macht selbst Milchgesicht Liam Hemsworth (Die Tribute von Panem) einen besseren Eindruck, auch wenn wenig vom Talent und Charisma seines großen Bruders erkennbar ist (der übrigens ein Highlight des kommenden Ghostbusters-Refemakes sein soll).
Bei den jungen Damen bin ich hormonell bedingt ein wenig nachsichtiger. Maika Monroe ist zwar ganz hübsch, wird ihrem Namen aber naturgemäß nicht gerecht. Ihre Figur ist der eigentliche Superstar des Films: eine 22jährige (die Tochter von Präsident Pullman-Whitman), die Reden für die Präsidentin schreibt und nebenbei ausgebildete Kampfpilotin ist - wow, da halte ich die Godzilla-große Alienqueen für glaubhafter. Und zuletzt ist da Angelababy (ein Künstlername, über den in China offenbar niemand lacht), eine generische asiatische Schönheit mit ganzen vier Dialogzeilen, deren Aussehen angeblich der größte Spezialeffekt des Films ist (siehe dieses Bild).
Dass die gesamte Handlung des Films keinen Sinn ergibt, brauche ich kaum zu erwähnen, oder? Da gibt's auch noch einen Warlord mit einem Herz aus Gold (und tätowierten Strichlisten für die erlegten Aliens), der auch die an ägyptische Hieroglyphen erinnerende Schriftsprache der Invasoren entziffern kann (gab's das nicht schon in Stargate?) Zwar zieht niemand einen Nutzen daraus, aber jetzt wissen wir immerhin, dass das Symbol für Furcht/Feind einem Eurozeichen mit nur einem Strich ähnelt - der Brexit lässt grüßen. Am Ende spielen auch die (russischen?) Schatzsucher eine Rolle, die unter primitivsten Voraussetzungen ein Computerprogramm mit hübscher grafischer Oberfläche zusammengebastelt haben, das den Countdown bis zum Weltuntergang sekundengenau darstellen kann (und die längsten vier Minuten der Filmgeschichte anzählt).
Je mehr ich schreibe, desto klarer wird mir, dass man diesen Film gar nicht spoilern kann (wenn man das Original kennt). Man muss diesen Unfug gesehen haben, um ihn zu glauben. Aber wer würde das wollen? Fünf Drehbuchautoren zeichnen verantwortlich, und dann klauen sie für ihren Hundekampf im Luftraum Dialoge aus der ehrwürdig-originalen Galactica-Fernsehserie ("I can't shake him!" - "I'm almost there!")... Gerade noch erträglich (4/10).
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