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Sonntag, 21. Juni 2015

Die volle Dröhnung: Jurassic World (5/10)

Endlich sind sie zurück: die überheblichen Wissenschaftler, die diabolischen Profiteure, die dämlichen Söldner, die nerdigen Computer-Spezis und die quengeligen Kinder. Und wie das heute so ist bei der Wiederbelebung eines totgelaufenen Franchises, bekommen wir die volle Dröhnung. Subtil war vorgestern. Statt vibrierender Wassergläser gibt's gleich vollen Orchestereinsatz, jede Menge Monster und computergenerierte Menschenmengen.

Geblieben ist die Rekrutierung einiger bekannter Gesichter, vom Cameo bis zu stereotypen Nebenrollen: Vincent D'Onofrio darf grimmig gucken, Omar Sy (Ziemlich beste Freunde) soll wohl das europäische Publikum umwerben, Judy Greer vergießt eine Menge unmotivierter Tränen, und Irrfan Khan (der Erzähler aus Life of Pi) ist als CEO in Pilotenausbildung die lahme Pointe eines in die Länge gezogenen Witzes mit vorhersehbarem Ausgang.

Zum Glück wird das Projekt von einem Star ersten Ranges geerdet. Chris Pratt mag immer noch im Zwist mit seinem neu errungenen stählernen Körper sein, hält den Zuschauer mit seiner patenten Unbekümmertheit aber mühelos im Bann. Das Buch degradiert ohnehin alle übrigen Darsteller zu Redshirts. Ich kann mich gar nicht so recht erinnern, wer am Ende eigentlich überlebt hat. Das war 1993 bei Spielberg noch anders, als jedes Opfer zählte und selbst der Übeltäter Wayne "Newman" Knight noch eine erinnernswerte Todesszene bekam. Über Bryce Dallas Howard (Ron Howards "echte" Tochter, in Abgrenzung zu seinem fiktiven Sprößling in Arrested Development) verliere ich besser so wenig Worte wie möglich. Einem Blockbuster wie diesem Sexismus vorzuwerfen ist so zielführend wie den schlechten Mundgeruch der Dinos zu diskutieren.

Die wahre Heldin dieses Films hat ohnehin weder perfekte Zähne noch eine Trauerweidenfrisur. Stattdessen hat man ihr zwecks schönerer Hautfarbe Frosch-DNA spendiert, und sie macht in den Actionszenen tatsächlich eine gute Figur (sie soll all ihre Stunts selbst durchgeführt haben). Wenn es technisch etwas zu mäkeln gibt, dann scheint mir eher die sich im Schlamm wälzende Bryce unrealistisch gerendert zu sein. Ansonsten ist das von einem Komitee verfaßte Drehbuch so generisch wie die Regie des Hollywood-Neulings Colin Trevorrow uninspiriert.




Was die Phantasie des weltweiten Publikums anregt, bleibt unergründbar, und so stellt Jurassic World gerade die Boxoffice-Rekorde der Avengers ein (immerhin mit dem Trost, Chris Pratt als Marvel-Entdeckung buchen zu können). Offenbar genügt heute die Illusion von altmodischer Unterhaltung, um einen Hype auszulösen. Annehmbar (5/10).

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