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Freitag, 11. Oktober 2013

An mir vorbeigerauscht: Rush (6/10)

Sporthistorisch ist sie sicherlich interessant, diese Geschichte aus der wilden Zeit der Formel Eins, als die Motoren den Sicherheitsvorkehrungen davonrasten und Fahrer (angeblich) eine Todeschance von 20 Prozent akzeptabel fanden. Vertan wurde allerdings die Chance, ein übergreifendes Thema der letzten 50 Jahre anzugehen: der Wandel des Profisports weg von der Freude am Wettbewerb, hin zu Berechnung und Kommerz. Dies kann man in diesem Portrait der Kontrahenten Niki Lauda und James Hunt nur erahnen, und ein ähnlicher Konflikt wurde von Regisseur Ron Howard und Autor Peter Morgan 2008 in der herausragenden Nachstellung der Frost/Nixon-Interviews sehr viel besser auf den Punkt gebracht.

Die beiden Hauptfiguren von Rush erschienen mir nur bedingt sympathisch, und zudem springt der Fokus recht unmotiviert zwischen ihnen hin und her. Dadurch erscheint die Erzählung episodenhaft, und abgesehen vom ereignisreichen Höhepunkt von 1976 rauschen die Grand-Prix-Rennen spurlos am Zuschauer vorbei, so wie auch die Hintergründe der Charaktere im Dunkeln bleiben. Die Hauptdarsteller trifft dabei keine Schuld. Daniel Brühl verwandelt sich mit verblüffender Uneitelkeit in das "Rattengesicht" Lauda und spricht (im mehrsprachigen, unbedingt zu empfehlenden Original) seine englischen Dialoge mit einem scheußlichen, wahrscheinlich authentischen österreichischen Akzent. Chris Hemsworth hat mich vielleicht noch mehr überrascht. Sein todesverachtender Playboy Hunt scheint weit entfernt vom hammerschwingenden gottgleichen Alien Thor oder dem Quarterback in Cabin in the Woods. Ihre Frauen sind zeittypisch eher Staffage. Natalie Dormer (Prinzessin Margaery Tyrell aus Game of Thrones) darf ein wenig nackte Haut zeigen, Alexandra Rehauge Lara ist nicht ganz so nervig wie sonst, und die hinreißende Olivia Wilde als Hunts Mannequin-Ehefrau ist an diesen Film verschwendet (wer sie einmal entfesselt erleben will, dem sei die hübsche, wenngleich etwas zerfahrene Komödie Alles in Butter empfohlen).

Obwohl ich kein Freund des Rennsports bin, hätte ich mich gern auf dieses technisch aufwendige europäische Projekt eingelassen, welches teilweise in Deutschland, überwiegend aber in England gedreht wurde. Am Ende fühlte ich mich ein wenig informiert, ein wenig unterhalten, aber nur wenig begeistert. Ordentlich (6/10).

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