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Sonntag, 27. Oktober 2013

Alles eine Frage der Zeit (7/10)

Die Filme von Richard Curtis spielten schon immer in einer Märchenwelt parallel zur britischen Wirklichkeit. Daher ist es kein großer Schritt dahin, daß die Hauptfigur seines neuesten Films in der Zeit zu reisen vermag - allerdings nur zu vergangenen Punkten seiner eigenen Biographie. Die Geschichte beginnt, als sein Vater (ein verschrobener Bill Nighy, wie wir ihn kennen und lieben) Tim zum 21. Geburtstag in dieses Geheimnis einweiht. Zunächst versucht Tim mit seiner neuentdeckten Fähigkeit, sein Liebesleben zu verbessern. Nachdem keine Tricks ihm bei der Eroberung der blonden Schönheit Charlotte (Margot Robbie aus der leider kurzlebigen Stewardessenseifenoper Pan Am) helfen können, trifft er schließlich zufällig auf Mary (Rachel McAdams) - es ist offenbar für beide Liebe auf den ersten Blick. Jetzt lernt Tim die Schattenseite seiner Gabe kennen: Er muß diesen Glückstag wiederholen, um einem Freund aus der Klemme zu helfen, und verpaßt das Rendezvous seines Lebens (an das er als Zeitreisender sich erinnern kann, sie jedoch nicht). Wird Tim es schaffen, eine erneute "zufällige" Begegnung zu inszenieren, und werden ein zweites Mal die Funken sprühen?

Ich persönlich hätte es spannender gefunden, wenn Curtis sich auf dieses Dilemma konzentriert hätte, welches in der zweiten Filmhälfte jedoch in eine sentimentalen Familiengeschichte mit klischeehafter Vater-Sohn-Beziehung mündet. Kann man ein spontanes Verlieben wirklich wiederholen? Vielleicht müssen die Beteiligten seelenverwandt und "füreinander bestimmt" sein, damit das klappt (dies ist schließlich ein Märchen). Etwas zynisch fand ich allerdings, wie Tim den "ersten" Sex so lange wiederholt, bis er seinen Part perfektioniert hat. Das wirkt nur oberflächlich komisch, spiegelt aber eine bittere Realität der Erwartungen im Internetzeitalters. Tatsächlich ist doch eine der Freuden des Verliebtseins, sich an neue Erfahrungen gemeinsam heranzutasten!

Nach seinem Oxford-Abschluß in englischer Literatur begann der 1956 in Neuseeland geborene, 2000 zum CBE ernannte Großmeister der britischen Komödie seine Karriere mit Fernsehshows (insbesondere mit Rowan Atkinson: Black Adder, Bean), bevor er zum Kino wechselte - zu Beginn schrieb er nur die Drehbücher:
  • Das lange Elend (1989/Regie Mel Smith: 7/10), die herrlich skurille Liebesgeschichte mit Jeff Goldblum und Emma Thompson
  • Vier Hochzeiten und ein Todesfall (1993/Mike Newell: 10/10), ein Welterfolg, der Durchbruch für Hugh Grant und die schönste romantische Komödie der 90er
  • Bean (1997/Mel Smith: 6/10), ein auf hohem Niveau gescheiterter Versuch, Fernsehkomik auf Spielfilmlänge zu strecken
  • Notting Hill (1999/Roger Michell: 8/10), in dem Rhys Ifans Julia Roberts und Hugh Grant die Show stiehlt.
  • Bridget Jones (2001/Sharon Maguire: 9/10), mit Andrew Davies und Buchautorin Helen Fielding trug er zu einem der witzigsten Filme der 0er Jahre bei.
Danach übernahm er dann auch die Regie, mit gemischtem Erfolg:
  • Tatsächlich... Liebe (2003: 9/10) bleibt neben "Vier Hochzeiten" sein Opus Magnum, ein Ensemblefilm mit Starpower, Herz und Lebensfreude (der perfekte Trost für kalte Winterabende)
  • Radio Rock Revolution - "The Boat That Rocked" (2009: 7/10), ein tolles Konzept, das vielleicht auf dem Weg vom Papier zum Celluloid verwässert wurde, jedenfalls in Episoden unterschiedlicher Qualität zerfällt.

Alles eine Frage der Zeit, der nach eigener Aussage letzte Film von Richard Curtis, ist somit nett, aber nicht überragend, zumindest gemessen an seinen frühen Erfolgen. Die Hauptdarsteller, der relative Neuling Domhnall Gleeson (Bill Weasley aus "Harry Potter") und die romanzenerfahrene Rachel McAdams (Irene Adler aus Sherlock Holmes, Inez aus Midnight in Paris) machen ihre Sache recht gut, ändern allerdings ihr Aussehen während der etwa 20 Jahre dauernden Geschichte kaum (besonders auffällig Marys biedere Frisur). Überhaupt bemerkt man den Ablauf der Zeit höchstens am Heranwachsen der Kinder, was mir ein wenig wie Verrat am Titel (im Original: "About Time") anmutet, denn hier soll es doch "um Zeit" gehen (die zweite Bedeutung wäre besser mit "Es ist an der Zeit" übersetzt). Alles in allem nur Gut (7/10).

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