Ich persönlich hätte es spannender gefunden, wenn Curtis sich auf dieses Dilemma konzentriert hätte, welches in der zweiten Filmhälfte jedoch in eine sentimentalen Familiengeschichte mit klischeehafter Vater-Sohn-Beziehung mündet. Kann man ein spontanes Verlieben wirklich wiederholen? Vielleicht müssen die Beteiligten seelenverwandt und "füreinander bestimmt" sein, damit das klappt (dies ist schließlich ein Märchen). Etwas zynisch fand ich allerdings, wie Tim den "ersten" Sex so lange wiederholt, bis er seinen Part perfektioniert hat. Das wirkt nur oberflächlich komisch, spiegelt aber eine bittere Realität der Erwartungen im Internetzeitalters. Tatsächlich ist doch eine der Freuden des Verliebtseins, sich an neue Erfahrungen gemeinsam heranzutasten!
Nach seinem Oxford-Abschluß in englischer Literatur begann der 1956 in Neuseeland geborene, 2000 zum CBE ernannte Großmeister der britischen Komödie seine Karriere mit Fernsehshows (insbesondere mit Rowan Atkinson: Black Adder, Bean), bevor er zum Kino wechselte - zu Beginn schrieb er nur die Drehbücher:
- Das lange Elend (1989/Regie Mel Smith: 7/10), die herrlich skurille Liebesgeschichte mit Jeff Goldblum und Emma Thompson
- Vier Hochzeiten und ein Todesfall (1993/Mike Newell: 10/10), ein Welterfolg, der Durchbruch für Hugh Grant und die schönste romantische Komödie der 90er
- Bean (1997/Mel Smith: 6/10), ein auf hohem Niveau gescheiterter Versuch, Fernsehkomik auf Spielfilmlänge zu strecken
- Notting Hill (1999/Roger Michell: 8/10), in dem Rhys Ifans Julia Roberts und Hugh Grant die Show stiehlt.
- Bridget Jones (2001/Sharon Maguire: 9/10), mit Andrew Davies und Buchautorin Helen Fielding trug er zu einem der witzigsten Filme der 0er Jahre bei.
- Tatsächlich... Liebe (2003: 9/10) bleibt neben "Vier Hochzeiten" sein Opus Magnum, ein Ensemblefilm mit Starpower, Herz und Lebensfreude (der perfekte Trost für kalte Winterabende)
- Radio Rock Revolution - "The Boat That Rocked" (2009: 7/10), ein tolles Konzept, das vielleicht auf dem Weg vom Papier zum Celluloid verwässert wurde, jedenfalls in Episoden unterschiedlicher Qualität zerfällt.
Alles eine Frage der Zeit, der nach eigener Aussage letzte Film von Richard Curtis, ist somit nett, aber nicht überragend, zumindest gemessen an seinen frühen Erfolgen. Die Hauptdarsteller, der relative Neuling Domhnall Gleeson (Bill Weasley aus "Harry Potter") und die romanzenerfahrene Rachel McAdams (Irene Adler aus Sherlock Holmes, Inez aus Midnight in Paris) machen ihre Sache recht gut, ändern allerdings ihr Aussehen während der etwa 20 Jahre dauernden Geschichte kaum (besonders auffällig Marys biedere Frisur). Überhaupt bemerkt man den Ablauf der Zeit höchstens am Heranwachsen der Kinder, was mir ein wenig wie Verrat am Titel (im Original: "About Time") anmutet, denn hier soll es doch "um Zeit" gehen (die zweite Bedeutung wäre besser mit "Es ist an der Zeit" übersetzt). Alles in allem nur Gut (7/10).
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