Die Voraussetzungen waren eigentlich nicht schlecht - eine Miniserie (13 Folgen) beruhend auf einem Stephen-King-Roman, mit einer interessanten Ausgangssituation: Eine amerikanische Kleinstadt findet sich plötzlich durch eine transparente, ansonsten undurchdringliche kugelförmige Schutzhülle vom Rest der Welt isoliert - Stoff für die langsame Auflösung des Geheimnisses und die kleinen Seifenopern der Bewohner.
In den USA war Under the Dome ein veritabler Sommerhit, und auch im deutschen Fernsehen scheint das gut gelaufen zu sein. Einige Kritiker haben sich derart mit Lob überschlagen, daß man schon Bestechung unterstellen muß. Manchmal ist man vielleicht von einer Idee so begeistert, daß man eine Zeitlang eine schlechte Umsetzung in Kauf nimmt. Aber hier ist wirklich alles falsch gemacht worden. Die dramatische Struktur des Romans (den ich nicht gelesen habe) wurde aufgelöst, die Charaktere wirken alle inkonsistent bis langweilig, das Mysterium nimmt zu wenig Raum ein, und keine der Figuren verhält sich auch nur annähernd glaubwürdig. Die besten Darsteller werden schnell umgebraucht (Jeff Fahey, Samantha Mathis), der (Action-)Held hat den Spitznamen Barbie und verhält sich oft auch so, und der Hauptschurke (Dean Norris, der Polizistenschwager aus Breaking Bad) geht einem schnell nur noch auf die Nerven. Ganz zu schweigen von seinem soziopathischen Sohn "Junior" (origineller Name), dessen Szenen ich ab der zweiten Folge nur noch vorgespult habe. Aufgrund guter Quoten wurde dann noch schnell das Finale zum Cliffhanger umgeschrieben, damit man die Deppen von Zuschauern mit einer zweiten Staffel melken kann.
"Schöpfer" Brian K. Vaughan hat zuvor ein paar Lost-Episoden geschrieben, und diesem nach wie vor unerklärlichen Erfolg (für mich immer noch die beste TV-Serie des 21. Jahrhunderts) scheinen viele neue Serien hinterherzurennen. Wenn dann noch Steven Spielberg als Produzent die Finger im Spiel hat, kann ich nur abraten - nach dem desaströsen Dinosaurierfamilienabenteuer Terra Nova und dem unverständlicherweise gerade verlängerten, totenöden Möchtegernendzeitactionthriller Revolution wird er auch bei Under the Dome als ausführender Produzent gelistet. Bin ich froh, daß ich für diesen Müll kein Geld gezahlt habe!
Die Genre-Highlights Lost und (mit Abstrichen) Battlestar Galactica haben noch keine auch nur annähernd würdigen Nachfolger gefunden, abgesehen natürlich vom ganz anders gelagerten Game of Thrones. Immerhin gibt es mit Arrow eine Action-Comicverfilmung, die man sich durchaus anschauen kann, bei Grimm (siehe Kritik) läuft gerade die dritte Staffel an, und Marvels Agents of S.H.I.E.L.D begannen soeben vielversprechend (auch wenn man noch nicht absehen kann, ob das Konzept Erfolg haben wird).
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