Als ich 8 war, fand ich im Kleiderschrank keinen Weg nach Narnia.
Als ich 11 war, kam keine Einladung nach Hogwarts.
Als ich 12 war, hat mich kein Satyr zum Camp Half-Blood abgeholt.
Gandalf, ich zähle darauf, daß Du mich an meinem 50. Geburtstag zu einem Abenteuer mitnimmst!
Ähnlich wie Die Gefährten in der HdR-Trilogie dient Eine unerwartete Reise als Einführung in die Welt und die Charaktere der neuen Hobbit-Filme. Die durch 15 zusätzliche Minuten abgerundete Blu-ray-Fassung bietet ein wunderbares Heimkinoerlebnis, in dem die Actionszenen nicht mehr übertrieben lang wirken und sich immerhin einige der Zwerge langsam als eigene Persönlichkeiten etablieren. In der Fortsetzung geht es nach einem Prolog, in dem die Bedeutung des Arkenstones illustriert wird, sofort richtig zur Sache. Die Reise zum einsamen Berg gerät zur Hetzjagd, und die magische Unverwundbarkeit von Legolas scheint sich nun endgültig auf alle 13 Zwerge zu erstrecken (der Liebling vieler weiblicher Fans bekommt immerhin einmal gewaltig was auf die Nase). Je mehr Computereffekte eingesetzt werden, desto irrealer erscheinen die Kämpfe.
Unerklärlich, warum bei 160 Minuten Laufzeit das Durchqueren des düster-magischen Mirkwoods so schnell vorbei ist (ausgelassen wird z.B., daß Bombur vom Flußwasser trinkt und tagelang schlafend transportiert werden muß). Auch im Königreich der Waldelben hätte man sich länger aufhalten können. Stattdessen gibt es als Höhepunkt ein nicht enden wollendes, wahnwitziges Duell der Zwerge mit dem (zugegeben sehr gelungen animierten) Drachen Smaug, und vorher endlos sich wiederholende Schlachten mit Ork-Statisten. Die HFR-3D-Bilder sind wie im ersten Teil angenehm und gelegentlich atemberaubend. Wenig im Gedächtnis bleibt diesmal die Musik von Howard Shore, auch das von Ed Sheeran gesungene Lied zum Abspann konnte mich nicht begeistern.
Trotzdem vergehen die fast drei Stunden wie im Flug, und es gibt es genug Szenen zum Staunen und Schmunzeln. Die (vom Jackson-Team erfundene) Elbin Tauriel sorgt sogar für ein wenig Romantik. Der dynamischen Darstellung von Lost-Star Evangeline Lilly merkt man nicht an, daß sie gerade Mutter geworden war - trotz ihrer leicht mißglückten Ohrprotesen ist sie Lee Pace (als Legolas' Vater Thranduil) und Orlando Bloom an Ausstrahlung ebenbürtig. Als schleimiger Bürgermeister von Laketown glänzt Stephen Fry, als Beorn überzeugt der Schwede Mikael Persbrand - von ihm hätte man gern mehr gesehen. Auch Luke Evans als Bogenschütze Bard ist sympathisch - ihm hat man sogar eine komplette Familie gespendet. Für etwas epischen Pathos sorgt Gandalfs Konfrontation mit dem Übel von Dol Guldur, die fast als zweiter Handlungsstrang angelegt ist.
Es bleibt zu hoffen, daß die erweiterte Heimkinofassung einige dieser Probleme mindern kann. Bis dahin vergebe ich leicht enttäuschte 8/10 Punkte (Sehr gut).
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