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Sonntag, 20. April 2014

Nur das Chaos ist erstaunlich: Amazing Spider Man 2 (4/10)

Hollywoods Marketingabteilungen versorgen inzwischen zuverlässig jede Generation mit den Filmen, die sie verdient. Aber brauchen wir wirklich jedes Jahrzehnt einen neuen Spider Man? Und welche Altersgruppe soll sich jetzt angesprochen fühlen? Ich jedenfalls halte es mal mit Murtaugh: I'm too old for that shit!

Schon der Vorgänger wirkte zerfahren und zusammengestückelt. Gelernt hat man daraus nichts, was im Vorfeld bereits die Diskussion um die mögliche Mary-Jane-Darstellerin Shailene Woodley belegte. Sie taucht jetzt doch nicht auf, obwohl ihre Figur auch nicht mehr Chaos hätte erzeugen können. Es ist ganz offensichtlich, daß Regisseur Marc Webb die Fäden nicht in der Hand hat und als reiner Ausführungsgehilfe bei einem Studioprodukt agiert. So fühlt man sich in den Actionszenen eher wie in einem (teuren) Computerspiel.

Das größte Problem ist für mich, daß kein vernünftiger Ton gefunden wird. Weder kann man in den leichteren Szenen mitlachen noch berühren die Charaktermomente, geschweige denn die finale "Tragödie". Es macht immer noch Spaß, dem jungen Paar Emma Stone und Andrew Garfield beim Flirten zuzuschauen. Das war's aber auch so ziemlich. Man nehme nur mal die alberne Verfolgungsjagd am Anfang mit Hunderten von Polizeiautos (die Blues Brothers könnten neidisch werden). Es gibt Tod und Zerstörung ringsherum, aber Spidey hat immer noch Zeit für ein Witzchen. Gerade weil die Tricks heutzutage so real wirken, stößt das zynische Ignorieren solcher Kollateralschäden übel auf - wir sind halt nicht mehr bei Bugs Bunny!

Die Schurken werden traditionell gern mit Oscarpreisträgern besetzt. Jamie "Django" Foxx kann zwar überzeugend den Nerd geben, aber seine Einführung ist gleich lächerlich übertrieben. Wer läuft denn im Computerzeitalter noch mit (ungelogen) einem Dutzend gerollten Papierblaupausen durch die Gegend? Später wirkt er als Titelheld Electro dann eher wie ein mißlungener Bluescreen-Effekt. Vom Überklischee des Naziarztes mit Namen Kafka (!) ganz zu schweigen. Und dann lese ich im Abspann noch den Namen des von mir hochgeschätzten Paul Giamatti (Sideways): Als Rhino ist sein Auftritt auf wenige Sekunden reduziert - verschenkt!

Die größte Sünde dieses Machwerks ist es vielleicht, Emma Stone auf "niedlich wie ein Knopf" zu reduzieren. Nicht daß ich ihr die Millionengage nicht gönnen würde, aber sie kann so viel mehr! Zum Glück hat sie jetzt wieder Zeit für Besseres, Auftritte für Woody Allen und Cameron Crowe sind bereits abgedreht. Fazit: Man schaue sich lieber den (deutlich schwächsten) dritten Teil der Sam-Raimi-Trilogie mit Tobey Maguire nochmals an als diesen Unfug. Gerade noch erträglich (4/10).

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