Ancillary Justice ist der erste Roman der Amerikanerin Ann Leckie, die zuvor nur Kurzgeschichten in verschiedenen SF-Magazinen veröffentlicht hatte. Er ist in diesem Jahr als einziges Werk dieser Kategorie sowohl für den Nebula (den Preis der amerikanischen SF- und Fantasy-Autoren) als auch den Hugo nominiert und geht somit ein wenig als Favorit ins Rennen.
Die Geschichte ist angesiedelt in einer Galaxis, die von mehreren hochtechnologisierten, systemumspannenden Zivilisationen geprägt ist. Ihre Raumschiffe beherrschen FTL und werden von künstlichen Intelligenzen gesteuert. Im Mittelpunkt der Handlung steht Breq, eine geheimnisvolle Person, deren Herkunft in Rückblenden erzählt wird. Dadurch wechseln sich für etwa zwei Drittel des Buches zwei Erzählebenen ab. Schnell stellt sich heraus, daß Breq tatsächlich ein "Ancillary" ist/war, ein Avatar eines Raumschiffes mit künstlicher Intelligenz, dessen Zerstörung Breq allein zurückließ. Vor allem diese originelle Figur kam bei vielen Kritikern gut an.
Übrigens wird auf alle Figuren meist geschlechtsneutral in der weiblichen Form Bezug genommen. Das ist als Konzept ganz interessant, wirkt aber auf Dauer leicht nervig. Zudem ist nicht ganz nachvollziebar, warum Breq bei all ihrer Erfahrung scheinbar das Geschlecht anderer nicht zuverlässig identifizieren kann. Immerhin ist die Hauptfigur damit auch in keine Romanzen eingebunden - menschliche Beziehungen werden meist beiläufig und oberflächlich geschildert, bis auf die zentralen Charaktere (Breq und zwei ihrer menschlichen Leutnants).
Leider sind gerade die Rückblenden recht dröge und anstrengend zu lesen. Die geschilderte Technologie erinnert ein wenig an Ian M. Banks' Culture-Romane, es fehlen aber deren Komplexität und Verspieltheit. Es dauert lange, bis man mit Breq warm wird, und eigentlich ist man erst im letzten Drittel wirklich gefesselt. Dann stellt sich leider heraus, daß dies als erster Teil einer Trilogie konzipiert ist, was bei mir insgesamt einen unbefriedigten Nachgeschmack verursacht hat. Warum üben sich junge Autoren neuerdings nicht mehr in abgeschlossenen, kürzeren Werken? Der Fortsetzungswahn führt oft nur zu überambitonierten, aufgeblähten Werken. So sehe ich bei Ann Leckie zwar Potential, bin von diesem Roman aber doch enttäuscht.
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