Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis jemand Bill Murray zum Heiligen erklären würde. Ob als Geisterjäger, ewiger Wetterfrosch oder Agent Null Null Nix (nicht), stets wirkte seine melancholisch gefärbten Komik neue Wunder. Nun spielt er Vincent, einen mißgelaunten Misanthropen, dessen unfreiwillige Freundschaft mit dem 11jährigen Nachbarsjungen seinem Leben noch einen letzten Dreh gibt. Angeblich hatte Regie-Neuling Theodore Melfi die Rolle für Jack Nicholson maßgeschneidert. Das Ergebnis wäre sicher düsterer und wilder geworden. So ist ihm ein schöner Film für die Weihnachtszeit gelungen, in Deutschland natürlich mit falschem Marketing und zu spät gestartet. Aber auch für einen verregneten Januarabend taugt das Ergebnis als Stimmungsaufheller, wenn man sich einmal auf die unwahrscheinliche Situation und die eigenwillige Besetzung der Nebenrollen eingelassen hat. Nur zu Beginn irritieren Peter Jacksons King-Kong-Blondine Naomi Watts mit russischem und Chris O'Dowd mit (immerhin authentischem) irischen Akzent. Melissa McCarthy zeigt statt Brachialhumor zur Abwechslung mal wieder die Wärme, die ihre Sookie bei den Gilmore Girls auszeichnete, und in der kleinen Rolle ihres Ehemanns ist Scott Adsit zu sehen, der Produzent aus 30 Rock.
Es gibt ein paar verunglückte Augenblicke, die ein erfahrener Regisseur vielleicht hätte vermeiden können, aber insgesamt ist dies ein schönes Debut und gleich für den Golden Globe in der Kategorie Komödie/Musical nominiert. Manche Kritiker sprechen von der besten Rolle Murrays seit Sofia Coppolas Meisterstück Lost in Translation, vergessen aber offenbar seine zwischenzeitlichen Auftritte für Wes Anderson (Die Tiefseetaucher, Moonrise Kingdom), Jim Jarmusch (Broken Flowers) und Roger Mitchell (für Hyde Park am Hudson war er ebenfalls für einen Globe nominiert). Dazwischen gab's dazu noch ein herrliches Cameo in Zombieland (ich erwähne dies nur, um diese hübsche Horror-Komödie mit Jesse Eisenberg, Emma Stone und Woody Harrelson in Erinnerung zu rufen). Wenn's dieses Jahr für die zweite Oscar-Nominierung reicht, dann sicher eher als Anerkennung für eine herausragende Karriere. Natürlich ist auf dem Oscar für die beste männliche Hauptrolle in diesem Jahr bereits "Benedict Cumberbatch" eingraviert...
Unabhängig von den übertriebenden Trophäenspekulationen ist St. Vincent jedenfalls überraschend, komisch und im besten Sinne sentimental. Gut (7/10).
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