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Freitag, 2. Januar 2015

Kino-Jahresrückblick 2014

Eigentlich müßte man das deutsche Filmjahr im April beginnen lassen. Bis dahin dauert es meist, bis die Nachzügler des Vorjahres in den deutschen Kinos gelaufen sind. 2014 begann mit ein paar solcher Oscar-Kandidaten (Wolf of Wall Street, Dallas Buyers Club, Her, 12 Years a Slave). Nach einer Durststrecke gab's dann im Sommer ein paar höchst unterhaltsame Überraschungen (Edge of Tomorrow, Lucy). Die Marvel-Beiträge sind inzwischen die stabilsten Zeltpfosten der Studios, diesmal konnten sie sogar die eifrigsten Fans noch überraschen (bei den Guardians kämpfe ich noch mit mir, ob ich sie auf Herausragend aufwerten soll - die Blu-ray wird's entscheiden). Ansonsten hat Richard Linklaters Kabinettstück Boyhood einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es kommt diesen Monat erneut in die deutschen Kinos und ist momentan Favorit für den Regie-Oscar.

Hier die besten der nur noch 32 Filme, die ich mir 2014 in einem Kino angeschaut habe:

MEISTERWERK (10/10)

1. The Wolf of Wall Street (Martin Scorsese)

HERAUSRAGEND (9/10) 

2. Her (Spike Jonze)
3. Lucy (Luc Besson)
4. Dallas Buyers Club (Jean-Marc Vallée)
5. X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (Bryan Singer) *

SEHR GUT (8/10)

6. Guardians of the Galaxy (James Gunn) *
7. Captain America 2 (Anthony & Joe Russo) *
8. Grand Budapest Hotel (Wes Anderson)
9. Edge of Tomorrow (Doug Liman) *
10. Beziehungsweise New York (Cédric Klapisch)
11. Boyhood (Richard Linklater)
12. 12 Years a Slave (Steve McQueen)

Die dritte Dimension tritt übrigens immer mehr in den Hintergrund. Nach 12 von 42 waren es dieses Jahr noch 9 von 32 Filmen (siehe *), die ich mir in 3D angeschaut habe, und von diesen kommt wohl nur der Hobbit tatsächlich als 3D-Version ins Regal.

Damit sind wir bei den Enttäuschungen des Jahres. Der Hobbit zählt dabei lange nicht zu den schlimmsten, auch nicht die Beiträge von Woody Allen, Mike Leigh, David Cronenberg und David Fincher. Gemessen an den Erwartungen gewinnt die Krone Christopher Nolan, dessen Interstellar die Kulmination seiner Hubris darstellt. Daß ich mit dieser Meinung nicht ganz allein dastehe, zeigt diese Kritik des Hollywood-Reporters.

Von den schlechtesten Filmen des Jahres habe ich die meisten gemieden, nur auf Robert Rodriguez' und Frank Millers üble Sin-City-Parodie bin ich reingefallen. Einige andere habe ich im Heimkino gesichtet, gelegentlich auch nur überflogen:
  • Das Lego-Movie und Disneys Frozen teilen sich dieses Jahr meinen König-der-Löwen-Preis für den geringsten Sinn und Unterhaltungswert bei maximalem Squirm-Effekt.
  • Darren Aronofskys Noah schafft das Kunststück, zwischen alle Genres zu fallen, und das ziemlich tief. Weder Bibel-Epos noch Moraldrama noch Actionfilm, scheint dieses Machwerk mehr zu eine Kampagne zu gehören, die Oscars von Russell Crowe und Jennifer Connelly zurückzufordern.
  • Die Vampire Academy hat meine nicht vorhandenen Erwartungen noch untertroffen. Meist haben solche YA-Adaptionen zumindest einen unfreiwilligen Unterhaltungswert, aber hier stolpern Barbies mit Zombie-Augen durch Pappkulissen und treffen auf abgehalfterte Altstars wie Gabriel Byrne und Olga Kurylenko (moment mal, war die nicht vor kurzem erst Bond-Girl?)
  • Dann gab es die sogenannte intelligente Science Fiction, z.B. The Signal (53/100) mit "Morpheus" Laurence Fishburn (wir sollten ihn wieder Larry nennen) und Transcendence mit Johnny dem Deppen (auch Co-Stars Paul Bettany und Morgan Freeman sollten sich was schämen). Die waren allerdings regelrecht spaßig im Vergleich zum Langweiler Under The Skin (78/100, mit Scarlett Johannson) und schließlich dem erzähltechnisch und moralisch übelsten Werk des Jahres, Snowpiercer (84/100, mit Captain America Chris Evans!). Die Werte in Klammern geben übrigens den IMDB-Metascore an, d.h. die durchschnittliche Meinung professioneller Kritiker. Kein Kommentar.
Damit ist leider das Ende noch nicht erreicht. Die zweifelhafte Ehre der

Ärgerlichsten Filme von 2014

teilen sich:
  • Nächster Halt: Fruitvale Station zeigt, was für ein netter und liebevoller Kerl der schwarze Junge war, den ein brutaler weißer Polizist ohne Grund in der U-Bahn erschoß. Zusätzlich zu dieser Schürung von Rassenhaß ist das auch noch gestelzt und phlegmatisch inszeniert.
  • Monsieur Claude und seine Töchter: Millionen Fliegen können nicht irren. Als die vier Schwiegersöhne von M. Claude agieren buchstäbliche Klischees jeweils eines Juden, Arabers, Chinesen und (katholischen) Schwarzafrikaners. Die Moral: Rassisten sind auch nur Gutmenschen. Das wollten die Franzosen und Deutsche in Scharen sehen. Zu weiteren Erläuterungen sei diese Kritik empfohlen.

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