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Sonntag, 20. Dezember 2015

Zwischenruf an Emma Stone

Liebe Emma,

fast drei Jahre ist es her, daß ich mich gemeldet habe. Jetzt habe ich das Gefühl, Du könntest ein paar tröstende Worte gebrauchen. Sei gewiß, daß wir (ältere Männer) Dich immer noch schätzen und bewundern. In den USA stehst Du immer noch auf Platz Zwei der beliebtesten Jungschauspielerinnen, natürlich nach Jennifer Lawrence, aber vor Kristen Stewart, die sich erst langsam von ihren zwielichtigen Teenager-Rollen emanzipiert. Auch wenn die Spiderman-Millionen sicher noch nicht aufgebraucht sind, gründet sich Dein Ruhm momentan allerdings eher auf Talk-Shows und andere Fernsehauftritte. Schade übrigens, daß es mit der Star-Wars-Audition nicht geklappt hat.

Was das Kino betrifft, gab es nach der Euphorie über die Oscar-Nominierung (im "Besten" Film des Jahres) eine Durststrecke. In der Nachfolge von Scarlett Johansson konntest Du Woody Allen leider nicht zu filmischen Glanzleistungen inspirieren. Nach dem zweiten Flop verstehe ich, daß Du die dritte Hauptrolle in Folge dankend an Kristen Stewart abgegeben hast. Bei Woody weiß man halt nie.  Das mußte bereits vor gut 20 Jahren Jodie Foster feststellen, als er die zweifache Oscar-Gewinnerin mit Schatten und Nebel in einem seiner sperrigsten Filme besetzte.

Aber genug um den heißen Brei herumgetanzt: Was war los mit Aloha? Wie bist Du an ein Projekt geraten, das sich mit Clint Eastwoods dumpf-patriotischem, ziellosem American Sniper die zweifelhafte Ehre des Schlechtesten Films des Jahres teilt (und den bedauernswerten Bradley Cooper in der Hauptrolle)? Für den man neue Kategorien erfinden müßte, um sein Scheitern zu beschreiben? Als Du plötzlich als zackiger Captain der US Air Force auftauchtest, dachte ich noch, ich sei in eine M*A*S*H-artige Parodie geraten. Aber dann ging's erst richtig los mit Satelliten, Hackern, chinesischen Spionen, Atombomben in Privatbesitz, stummen Männergesprächen mit Untertiteln, Eingeborenen-Mystik, 10-Sekunden-Flashbacks, Hofstaat im Schlamm (war das wirklich der "echte" König des Inselreichs?), Verhandlungen um Handy-Empfang, Ex-Geliebte, unehelicher Tochter, zerhackstückelten Tänzen... Seit Jahren hat mich kein Film so ratlos zurückgelassen (selbst Roy Anderssons Songs From The Second Floor konnte ich noch mehr Sinn abtrotzen).

Und was ist mit Cameron Crowe? Ist er krank, bloß dem Alkohol und anderen Drogen verfallen, oder wurde er von Aliens entführt und durch eine Pflanze ersetzt? Wie inkompetent muß man sein, um Dich mit Bill Murray und Alec Baldwin agieren lassen, ohne den geringsten Unterhaltungswert herauszuschlagen? Wie schafft man es, Hawaii so lieblos zu fotografieren, daß jede Five-0-Folge mehr Lokalkolorit vermittelt? Ja, es ist 15 Jahre her, daß das ehemalige Wunderkind der Rockszene der 70er mit Almost Famous ein kraftvolles Denkmal setzte, und danach schien seine Kreativität langsam zu versiegen. Und sicher darf jeder Regisseur mal danebenliegen. Aber dieses Desaster muß doch vorhersehbar gewesen sein! Dabei muß man gar nicht darauf eingehen, daß Deine blonde Figur eine chinesisch-hawaiianische Mutter haben soll, was eine völlig am Thema vorbeigehende Diskussion um politische Korrektheit ausgelöst hatte. Die später geschasste Studiochefin Amy Pascal soll allerdings früh die Qualität des Drehbuchs bemängelt haben (um es freundlich auszudrücken), aber das konnte dieses Trainwreck offenbar nicht mehr stoppen (nicht zu verwechseln mit Amy Schumers amüsanter Komödie mit dem Titel Trainwreck).

Nun ja, Kopf hoch, Du hast ja bereits wieder einige Eisen im Feuer, darunter ein Projekt mit dem für Whiplash Oscar-nominierten Autorenfilmer Damien Chazelle. Bis dahin muß ich mich halt mit merkwürdigen Musikvideos und ähnlichen YouTube-Clips begnügen.

Mit den besten Wünschen für das neue Jahr

Paul Kahl

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