Langsam fühle ich mich wie der Grinch, der das Kinovergnügen stiehlt. Dabei hatte ich mich als Fan klassischer Film-Musicals von Top Hat über Singin' in the Rain bis zur West Side Story wirklich auf den Golden-Globe-Gewinner gefreut. Von der Kritik gern vergessen wird, dass es auch in diesem Jahrhundert schon tolle und erfolgreiche Musicals gab, selbst wenn man Baz Luhrmann (Moulin Rouge) mal aussen vor lässt (let's!): Chicago (Oscar-Gewinner für den Besten Film 2003), The Producers (2005), Mamma Mia! (2008), und mein Favorit, Hairspray (2007). Damien Chazelles letzten, auch schon umjubelten Film Whiplash mochte ich zwar nicht, dafür Emma Stone umso mehr.
Diese ist auch schon das Beste an La La Land. Verständlich übrigens, dass sie Kristen Stewart die Hauptrolle in Café Society überließ, denn die Handlung beider Filme ist praktisch identisch, nur dass La La Land ohne die Komplikation der Onkel-Neffe-Rivalität auskommt und mehr oder weniger in der Gegenwart spielt. Jesse Eisenberg wäre allerdings ein besserer Partner gewesen, denn Ryan Gosling sieht zwar hübsch aus und hat mit Emma in Crazy, Stupid, Love auch wunderbar harmoniert, hier jedoch fällt sein Mangel an Ausdrucksfähigkeit extrem auf. Dabei haben mich nicht mal das laienhafte Tanzen oder der nur zweckdienliche Gesang gestört. Aber wie die Musik, die mit höchstens zwei netten Liedern aufwartet und ansonsten tatsächlich wenig mit Jazz zu tun hat, ist alles übrige einfach nur lauwarm. Am meisten Energie hat noch der Elektropop von John Legends Band, und dessen Plotpoint soll doch eigentlich sein, dass er ein Ausverkauf ist (?). Die Geschichte selbst ist im Endeffekt tragisch und ganz und gar nicht uplifting (aber vielleicht bin ich momentan einfach zu schwer zu begeistern). Bezeichnend auch, dass nicht eine einzige Nebenfigur im Gedächtnis bleibt (ausser vielleicht J.K. Simmons im Cameo als fieser Barbesitzer). Schade (6/10).
Ausführlicher haben übrigens die Fünf Filmfreunde den Film auseinandergenommen: Kritik
Zugabe: Kurzrezension zur DVD-Ausgabe von Top Hat (1935):
"Top Hat" wird als bester Film des Traumpaares Fred Astaire - Ginger Rogers gehandelt, und in der Tat kann man sich kaum eine Verbesserung vorstellen. Hier gibt es die glaubhafte Romanze, Geist versprühende Dialoge, atemberaubende Tanzszenen, aberwitzige Pointen und über allem die Evergreens von Irving Berlin. Von der brillanten Eingansszene im Club (wehe, es raschelt jemand mit der Zeitung) bis zur Enthüllung des Butlers (grandios: Eric Blore), die zum Happy End führt, ist der Zuschauer an den Bildschirm gefesselt, lacht, weint, leidet, freut sich - wessen Herz könnte unberührt bleiben, wenn Fred Astaire "Cheek to Cheek" singt? Wer könnte seine Augen abwenden, wenn er seien Solo-Nummer mit tödlichem Spazierstock vorführt? Wer möchte nicht für alle Ewigkeit mit Ginger Rogers im Regen tanzen? Tatsächlich ein Top-Musical, in seinen Tanzszenen vielleicht nie wieder erreicht, aber auch in jeder anderen Disziplin herausragend (10/10).
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