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Montag, 16. Januar 2017

SF-Klassiker #11: Way Station (Clifford D. Simak, 1963)

Clifford D. Simak (1904-1988, reimt sich auf Grzimek) war einer der produktivsten SF-Autoren des 20. Jahrhunderts. Er schrieb bereits im Goldenen Zeitalter der SF, ab den 30ern, unzählige Kurzgeschichten, und veröffentlichte bis zu seinem Tode etwa 30 Romane. 1977 wurde er von der amerikanischen Autorengemeinschaft, nach Robert A. Heinlein und Jack Williamson, zu deren drittem Grand Master ernannt. Trotzdem ist sein Name heute kaum noch ein Begriff, im Gegensatz zu den in den 80ern ernannten Großmeistern. Simak war nicht so wagemutig wie sein Freund Isaac Asimov, nicht so wissenschaftsorientiert wie Arthur C. Clarke, nicht so experimentierfreudig wie Alfred Bester oder so stilsicher wie Ray Bradbury. Vielleicht hat er einfach nicht laut genug geklappert, vielleicht war er zu "Middle of the Road" mit seiner sanften Erzählweise und seinen kleinen Geschichten, die sich auf Ideen und Figuren konzentrierten, aber nicht den üblichen Actionformeln genügten. Auf die Leinwand bzw. den Bildschirm haben es lediglich zwei seiner Romane (in Russland und Ungarn) und eine Handvoll Geschichten als Vorlagen von TV-Folgen einschlägiger Anthologieserien geschafft.

Simak schrieb nie den "großen" Roman, der die Fantasie auch der Nachfolgegenerationen hätte beflügeln können (wie etwa Larry Niven mit Ringwelt, dem er ansonsten durchaus ebenbürtig war). "Way Station", von den Fans 1964 mit dem Hugo für den Besten Roman ausgezeichnet, ist jedoch eine Wiederentdeckung wert (Simak gewann zwei weitere Hugos für Kurzformen). Im Mittelpunkt steht Enoch, ehemaliger Soldat aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, der seit fast hundert Jahren unerkannt eine galaktische Station auf der Erde betreut. Nun aber spitzen sich die Ereignisse zu; der Erde droht ein Atomkrieg, der CIA beginnt Enoch zu beobachten, und in den galaktischen Zivilisationen gibt es Unruhe um eine legendäre Maschine, die den Völkern den Zugang zu einer sprituellen Kraft des Universums ermöglichen soll.

Simak verbindet geschickt eine ganze Reihe von zunächst unabhängigen Ideen, die er ohne viel äußere Spannung in einem mild-kathartischen Finale zusammenführt. Trotzdem hat es dieser schmale, keine 200 Seiten umfassende Roman in sich. Er enthält ein plausibles futuristisches Szenario mit vielen faszinierenden, oft fast nebenbei erwähnten Details. Die Geschichte beginnt mit der Schilderung eines CIA-Agenten, der sich in die Dorfgemeinschaft eingeschleust hat, die Enoch als verschrobenen Sonderling akzeptiert hat, obwohl er seit vielen Jahrzehnten wie ein 30jähriger aussieht und bis auf den Postboten auch keine Kontakte pflegt. Doch schnell wechselt die Perspektive zum eigentlichen Helden und seiner geheimnisvollen Station. Enoch ist sicher einer der einsamsten Menschen der Welt, hat allerdings auch Zugang zu einem beneidenswerten Schatz von Informationen und Artefakten. Trotz seiner Isolation informiert er sich regelmäßig durch Zeitungen und Magazine über die Entwicklung der Menschheit. Nach der Kuba-Krise rechnet er sich fast mit Sicherheit den Dritten Weltkrieg aus.

Der Autor ist allerdings niemand, der diese pessimistische Ausgangslage in einen bedrohlichen Text wandelt (anders als Kurt Vonnegut, dessen tolle apokalyptische Satire "Cat's Cradle" im gleichen Jahr für den Hugo nominert war). Bei Simak sind die meisten Aliens gutmütig, und selbst der CIA-Agent zeigt sich verständnisvoll. Die Ereignisse werden ohne Hast in einem wohltuend-optimistischen Grundton geschildert (Simak hätte bestimmt gute Star-Trek-Folgen erfunden). Dabei ist der Hauptkonflikt eher in Enochs psychologischer Situation als den äußeren Umständen zu finden. Dazu macht die Sehnsucht nach einem friedlichen Zusammenleben und kulturellem Austausch "Way Station" auch heute noch zu einem zeitgemäßen Lesevergnügen.

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