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Samstag, 7. Januar 2017

Hübsche Romanze im All: Passengers (7/10)

Jim und Aurora sind in einem Fernraumschiff auf dem Weg zu einem Kolonialplaneten. Die 120 Jahre dauernde Reise verbringen Besatzung und die 5.000 Passagiere im Kälteschlaf - eigentlich. Doch zunächst Jim und dann Aurora wachen 90 Jahre zu früh auf, ohne die Möglichkeit, sich erneut in Tiefschlaf zu versetzen. Ein Mann und eine Frau allein in einem riesigen Schiff  (mit dem robotischen Bartender Arthur - brillant: Michael Sheen aus Frost/Nixon). Was könnte da wohl passieren?



Passengers beruht auf einem Originaldrehbuch des New Yorkers Jon Spaihts, der u.a. am misslungenen Alien-Prequel Prometheus und an Dr. Strange mitgeschrieben hat. Weder bei Kritik noch bei den Zuschauern kommt dieser zweite englischsprachige Film des Norwegers Morten Tyldum (immerhin Oscar-nominiert für die Turing-Biographie The Imitation Game) besonders gut an. Er wird Mühe haben, das Budget von 120 Millionen Dollar wieder einzuspielen. Dabei bietet er solide Unterhaltung, solange man sich darauf einlässt.



Science-Fiction-Fans finden den Film nicht komplex genug. Das gewaltige Raumschiff ist tricktechnisch durchaus überzeugend realisiert, alle Voraussetzungen sind technologisch plausibel. Aber es fehlt auch mir der großartige Twist, der dieser Reise eine weitere Bedeutungsebene geben könnte. So habe ich einige Zeit darauf gewartet, dass vielleicht das komplette Trillionen schwere Kolonialisierungsgeschäft nur ein Scam und das Schiff ins Nirgendwo unterwegs ist. Dem scheint aber nicht so zu sein. Als SF-Grundlage genügt im Endeffekt allerdings das Dilemma des nicht wieder aufzunehmenden Kälteschlafs. Und als Zugabe hat noch die SF-Ikone Laurence "Morpheus" Fishburn einen Kurzauftritt.



Action-Fans finden den Film eher langweilig. Tatsächlich gelingt es dem Team nicht, das Weltall so unmittelbar fühlbar wie bei Gravity oder so lebensbedrohlich wie bei Der Marsianer zu vermitteln. Die unvermeidbaren Explosionen gibt es erst im letzten Drittel der Geschichte, und auch dann liegt der Fokus auf der Psychologie der Figuren. Ich persönlich habe mich aber zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Spannung kann schließlich auch ohne Hektik entstehen. Und mir gefällt auch der leichte Ton, in dem all dies dargeboten wird. Ob man allerdings dafür soviel Geld ausgeben musste, sei dahingestellt (mal abgesehen von den Gehältern für JLaw und CPratt, die jeden Dollar verdient haben).



Vielen Romantik-Fans steht ein entscheidendes moralisches Dilemma im Weg, welches ihnen den Spaß verdirbt. Jim trifft aus Verzweiflung eine zweifelsohne verwerfliche Entscheidung (die allerdings eher einer Entführung als einem Mord entspricht, but still, damn!). Leider ist es typisch für das moderne Klima politischer Korrektheit, dass die Zuschauer diese pauschal verurteilen und sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr differenziert mit dem Thema auseinandersetzen. Aber muss man es am Ende nicht dem Opfer Aurora überlassen, ob es Jim verzeihen kann?



Mich persönlich hat die Romanze berührt, und diese funktioniert wie immer nur, wenn man die Hauptfiguren mag. Aber wer könnte Chris "Starlord" Pratt und Jennifer "Katniss" Lawrence widerstehen? Insbesondere die erst 26jährige Oscar-Preisträgerin zieht hier alle Register ihres Könnens. Und sie wird von Jahr zu Jahr hübscher - vielleicht, weil sie langsam ihren Babyspeck im Gesicht verliert? Ich muss zugeben, dass mir ihr Anblick im futuristischen Badeanzug schon den Atem verschlug. Und im Gegensatz zu den Panem-Filmen profitiert sie hier von einem ebenbürtigen Partner, auch wenn dieser gut 10 Jahre älter ist. Ich hätte den beiden jedenfalls gern noch länger zugeschaut, ob beim Tanzen, Küssen oder Prügeln. Gut (7/10).

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