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Samstag, 25. Februar 2017

Konserviertes Theater: Fences (7/10)

Über Fences, mit 139 Minuten längster Beitrag im diesjährigen Oscar-Rennen, habe ich am wenigsten zu sagen, mal abgesehen von Mel Gibsons pazifistischem Pazifikgemetzel Hacksaw Ridge, welches genauso lang ist, aber getrost ignoriert werden kann. Fences ist ein Theaterstück von August Wilson (1945 - 2005), welches sowohl 1987 bei seiner Uraufführung mit drei Tonys prämiert wurde (damals u.a. für James Earl Jones, die Stimme von Darth Vader) als auch beim Revival 2010. Dessen fünf Hauptdarsteller sind nun in der Verfilmung zu sehen, nach einem "Script" des Autors, der nun posthum für eine Adaption nominiert ist, die keine ist, von Denzel Washington originalgetreu abgefilmt. Bis auf wenige Ausnahmen spielt die Handlung in Haus und Garten des Müllmanns Troy - ehrlicher wäre es gewesen, ein paar Kameras im Theater zu platzieren.



Ich verstehe nichts von Theater, aber Fences ist bestimmt ein tolles Stück, in dem, wie das auf der Bühne so üblich ist, ohne Unterbrechung geredet wird. Ja, das sind brillante Dialoge und Monologe, die von faszinierenden Figuren dargebracht werden, aber für einen Film genügt mir das nicht. Im Gegenteil wirken die Charaktere durch die nun möglichen Nahaufnahmen gelegentlich wie Karikaturen - gerade Troy, nicht gerade einer sympathischen Figur, rückt die Kamera oft unangenehm nah auf den Pelz.



Denzel Washington als Troy und Viola Davis als seine leidgeplagte Frau Rose gewannen für ihre Darstellungen bereits den Tony, zusätzliche Oscars wären damit Overkill. Es ist auch richtig, dass Denzel nicht für die Regie nominiert ist, aber die Nominierung von Viola Davis in einer Nebenrolle ist eine weitere von vielen Merkwürdigkeiten der diesjährigen Preissaison. Ich bin mir sicher, dass sie sich auch unter den Hauptdarstellerinnen behauptet hätte. Jedenfalls wird ihr ab Montag nur noch ein Grammy zum EGOT fehlen.



So sollte man Fences als Konservierung einer historischen Broadway-Aufführung verstehen, und die Leistungen von Denzel Washington, Viola Davis, Mykelti Williamson (als Troys verstörter Bruder Gabriel), Stephen Henderson (als Troys bester Freund Bono) und Russell Hornsby (in Grimm als Nicks Partner oft unterfordert) als Troys ältester Sohn Lyons sind nun für alle Zeiten auf Zelluloid gebannt. Ein Resultat, das ich respektieren, aber nicht lieben kann. Gut (7/10).



Zwei Tage vor den Oscars gibt es immer noch keinen klaren Favoriten für den Besten Film des Jahres 2016. Begeistert hat mich keiner der Beiträge - hier das müde Bewerberfeld:

Moonlight (läuft hier erst übernächste Woche an)
Hidden Figures (7/10)
Fences (7/10)
La La Land (6/10)
Hell or High Water (6/10)
Lion (6/10)
Arrival (5/10)
Manchester by the Sea (3/10)
Hacksaw Ridge (?)

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