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Freitag, 4. Oktober 2013

Brüllend komisches Weltenende: The World's End (8/10)

Dieses Weltenende ist an Deutschland leider ziemlich unbesehen vorübergegangen. Dabei versteckt sich hierin die beste reinrassige Komödie seit langem, solange man sich nicht vom SF-Anteil vergraulen läßt. Eigentlich ist dies eine Kleinstadtposse, und "The World's End" ist die zwölfte und letzte Station dieser Kneipentour. Fünf ehemaligen Schulfreunde, jetzt Anfang 40, begeben sich auf diesen Nostalgietrip, und trotz unterschiedlicher Erwartungen hat niemand damit gerechnet, daß die braven Bürger ihres Heimatortes fast alle durch gleichgeschaltete Roboter ersetzt wurden (Die Frauen von Stepford lassen grüßen).

Welch ein Glück, daß es in Großbritannien ein kleines Team gibt, das die Tradition von Monty Python würdig mit modernen Mitteln fortsetzt. Nach der kurzlebigen, total abgefahrenen Fernsehserie Spaced (1999 - 2001) wurde mit The World's End nun bereits der dritte Kinofilm des schrägen Trios auf die Welt losgelassen,namentlich: Edgar Wright (Regie, Drehbuch), Simon Pegg (Drehbuch, Hauptrolle), Nick Frost (Hauptrolle). Nachträglich als Cornetto-Trilogie konzipiert (mehrschichtige Eiskrem in drei Geschmacksrichtungen), nahm Shaun of the Dead (2004) auf köstliche Weise das Zombie-Genre aufs Korn (nb: eigentlich höchstens ein Unter-Genre), ließ Hot Fuzz (2007) ein explosiv gegensätzliches Polizistenduo auf eine englische Kleinstadt los, und nun wird das Ende der Welt inszeniert - witzig auch ohne Bier, zu überleben nur mit einem Dutzend Pints.

Die treuen Untertanen ihrer Majestät zerlegen hier übrigens bereits den zweiten James Bond (-Darsteller). Nachdem Schurke Timothy Dalton am Ende von Hot Fuzz unappetitlich aufgespießt wurde, muß nun Pierce Brosnan Prügel kassieren, und eines seiner Mädels ist auch dabei: Rosamund Pike aus Stirb an einem anderen Tag (2002).  Sie kann sich in der einzigen größeren Frauenrolle gegenüber der Männerrunde wohl behaupten, die neben Pegg und Frost Martin "Bilbo" "Watson" Freeman, Paddy Considine und Eddie Marsan (den Taxilehrer aus Happy Go Lucky) umfaßt.

Simon Pegg ist inzwischen berühmt geworden als Agent Benji aus "Mission Impossible" und als Scotty des neuen Star-Trek-Universums. Sein Schulfreund Nick Frost hatte u.a. Auftritte in Radio Rock Revolution und Tim und Struppi, mit Pegg schrieb und drehte er die nicht ganz gelungene Alienkomödie Paul. Regisseur Edgar Wright, Jahrgang 1974, hat zwischendurch noch die herausragende Comicverfilmung Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (2011) verantwortet und am Drehbuch von Spielbergs gelungener Tim-und-Struppi-Verfilmung mitgearbeitet. Ich kenne niemanden, der visuelle Witze (man achte auf das Bierzapfen) besser inszenieren oder komische Darstellungen mit ähnlicher Präzision und perfektem Timing formen könnte. Man darf sehr gespannt sein auf sein nächstes Projekt, mit etwas anderen Vorzeichen: Er wird Marvels "Ant Man" dem Leinwanduniversum der Avengers hinzufügen.

Sehr gut (8/10)

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