Nach Anfangsschwierigkeiten wie dem missglückten Hulk-Reboot mit Edward Norton (2008) sind Marvels Avengers-Abenteuer nun ein Garant für unbeschwerte Unterhaltung und übertreffen darin jedes andere Franchise der letzten Jahre. So ist auch der zweite Captain-America-Film nicht nur ein fulminantes Sequel des (abgesehen vom Incredible Hulk) bisher schwächsten Beitrags der Reihe, sondern treibt auch den übergeordneten Handlungsfaden mächtig voran. Und als Sahnehäubchen gibt es den Auftritt eines Veteranen des politischen Thrillers, Altstar Robert Redford, als SHIELD-"Aufsichtsrat" mit zweifelhafter Loyalität.
Während die Einführung von Captain America die schwere Aufgabe hatte, das Konzept des patriotischen Weltkriegshelden einem jungen Publikum zu vermitteln, ist Steve Rogers nun in der modernen Welt angekommen. Immer noch ein Anachronismus, ist er doch auch der "menschlichste" der Superheldenriege. Es ist also eine gute Idee, ihn nicht gegen größenwahnsinnige Mutanten oder gar Außerirdische ins Rennen zu schicken. Stattdessen findet er sich inmitten einer Verschwörung innerhalb der Organisation Shield wieder, deren Ausmaße ziemlich schnell selbst Direktor Fury (Samuel L. Jackson extra-cool) in Lebensgefahr bringen. Und mit dem titelgebender Gegenspieler, dem "Wintersoldaten", begegnet dem braven Captain ein dunkles Spiegelbild.
Im Mittelpunkt steht das Thema Vertrauen - nicht nur im großen Zusammenhang des inzwischen undurchschaubaren Molochs Shield, sondern auch im unfreiwillig zusammengewürfelten Team des Captains. Während der neu eingeführte "Falcon" (Anthony Mackie) noch etwas blass bleibt, spielt Scarlett Johansson als Agentin Natascha Romanov aka Black Widow eine vollwertige zweite Hauptrolle. Dankenswerterweise wird hier keine Romanze aufgebaut. Das wäre auch verfrüht, denn für Steve Rogers liegt die Trennung von seiner geliebten Peggy ja subjektiv nur wenige Monate zurück. Aber es gibt herrliche verbale Schlagabtäusche zwischen den beiden, und bei den Prügeleien zeigt sich nur im direkten Vergleich der Quantensprung zwischen Topagentin und Superheld. Scarlett Johansson ist nicht nur eine der attraktivsten Schauspielerinnen ihrer Generation, sondern nun auch der coolste weibliche Actionstar der letzten Jahre (nebenbei erwartet die Powerfrau bald ihr erstes Kind, weswegen sogar der Drehplan für die Avengers 2 umgestellt wurde).
Christopher Markus und Stephen McFeely, als Drehbuchteam bereits für Cap1 und Thor2 zuständig, und das Regieteam, die vom Fernsehen (Arrested Development) kommenden relativen Neulinge Anthony und Joe Russo, haben also gute Arbeit geleistet. Und Chris Evans mag immer noch der Avenger mit dem geringsten Charisma sein, füllt seine Uniform aber inzwischen sehr selbstbewußt. Ohne zuviel über die Handlung zu verraten: Dieser Film ist (auch ohne Thor) ein Donnerschlag, der das Avengers-Universum zertrümmert, mit unabsehbaren Konsequenzen für die weiteren Folgen, und das weitaus beste Sequel der Reihe. Sehr gut (8/10)!
Als nächstes stehen ja die Guardians of the Galaxy auf dem Programm, die das SF-Element betonen werden, bevor dann 2015 der zweite Ensemblefilm ansteht. Währenddessen hat auch die ansonsten eher vor sich hin dümpelnde Fernsehserie um den wieder auferstandenen Agent Coulsen einen Quantensprung gemacht, der sich von langer Hand geplant in die Ereignisse von The First Avenger Returns (so ein alternativer Titel) einpasst. Wenn die Superhelden Feierabend machen, müssen halt die "Agents of S.H.I.E.L.D." ran - es bleibt spannend!
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