I see trees so green, red roses too
I see them bloom for me and you.
And I think to myself what a wonderful world.
I see skies so blue and clouds so white.
The bright blessed day, the dark sacred night.
And I think to myself what a wonderful world.
Während die unvergleichliche Stimme von Louis Armstrong fast zärtlich diese Liedzeilen intoniert, sieht man zunächst eine Idylle vietnamesische Dorfbewohner bei der Feldarbeit, die dann übergangslos (und ohne Klangeffekte) durch Bomben und Maschinengewehre in ein blutiges Chaos verwandelt wird. Man schreibt das Jahr 1965, und die "Polizeiaktion" in Südvietnam entpuppt sich als grausamer Krieg, bei dem abstrakte Ideologien aufeinanderstoßen und unzählige konkrete Menschen den Preis zahlen müssen.
Moderator Adrian Cronauer (Robin Williams) betrachtet sowohl seine militärische Hörerschaft als auch die vietnamesischen "Gastgeber" als Individuen. Es ist vielleicht eine naive Sichtweise, er ist der Idealist im Mikrokosmos der Radiostation in Saigon, wo nur zensierte Nachrichten verlesen werden, Nixon als unbefleckter Held gefeiert wird und Rock'n Roll des Teufels ist. Cronauers Nemesis ist Leutnant Steven Hauk (Bruno Kirby), der am liebsten Polkas auflegt und dessen sterilen "Readers Digest"-Witze im Vergleich mit Cronauers anarchischer, politisch nicht unbedingt korrekter Komik eher Mitleids- als Lachtränen verursachen. Und was können Polkas schon gegen James Brown, die Beach Boys und (im Geiste, da für den Soundtrack zu teuer) die Beatles ausrichten...
Good Morning Vietnam war ein seltenes perfektes Vehikel für Robin Williams, das Genie des improvisierten Monologs, der mit Wortspielen und Stimmimitationen scharfsinnige Beobachtungen des Weltgeschehen zu einer einzigartigen Komikmischung verbrämen konnte. Man sieht aber auch seine verletzliche Seite, spürt am Ende seine Enttäuschung und Frustration. Ihm zur Seite steht ein junger Forest "King of Scotland" Whitaker als enthusiastischer Assistent Edward Garlick ("als erstes müssen Sie mal Ihren Namen ändern, Herr Knoblauch"). Ein großes Lob auch an Regisseur Barry Levinson, der eine gute Balance zwischen Komik und Drama findet, Robin Williams laufen läßt wenn möglich und zügelt wenn notwendig. Das Drehbuch von Mitch Markowitz basiert zwar auf einer Episode aus dem Leben des Adrian Cronauer, nimmt sich aber so viele Freiheiten wie nötig.
Im Ergebnis ist diese sanfte Allegorie immer noch einer der besten Vietnamfilme, die Hollywood produziert hat. Schon 1987 war die Mischung von Komik und Kriegsgeschehen so umstritten, daß es nur eine einzige Oscar-Nominierung gab, immerhin für den Hauptdarsteller Robin Williams (gewonnen hat Michael Douglas für Wall Street). Die aus meiner Sicht besten Filme des Jahres schnitten bei den Oscars alle nicht besonders ab. Verstehen kann ich noch, daß der überragende Himmel über Berlin sich nicht bis zur amerikanischen Akademie durchgesprochen hatte, aber auch Rob Reiners erster Geniestreich, Die Braut des Prinzen, ging leer aus! Das dritte Meisterwerk des Jahres, John Boormans nostalgische Kindheitgeschichte aus dem bombenbelagerte London, Hoffnung und Ruhm, war immerhin nominiert. Gewonnen hat schließlich Bertoluccis mittelmäßiges, aufgeblähte Historienepos Der letzte Kaiser. Nun ja, Barry Levinson wurde im Folgejahr für Rain Man ausgezeichnet, während Robin Williams auf seinen Oscar noch zehn Jahre warten mußte (beste Nebenrolle für Good Will Hunting, 1997).
Herausragend (9/10)!
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