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Sonntag, 3. März 2013

Musical-Klassiker: Osterspaziergang (1948)

Wenn Fred Astaire einen Spielzeugladen betritt, verwandelt sich dieser zwangsläufig in einen Tanzsalon, mit einem genial in die Choreographie integrierten Kinderschlagzeug. Und wenn dieser eleganteste aller Leinwandtänzer das Spielfeld verläßt, kann man ihm kaum übelnehmen, daß er dabei einem kleinen Jungen seinen Plüschhasen abgeluchst hat. Diesen schenkt er seiner Tanzpartnerin Ann Miller, die aber bereits ihre Solokarriere plant. Um zu zeigen, daß er sie beliebig ersetzen kann, wählt er als neue Partnerin spontan die Bartänzerin Judy Garland aus. Sein bester Freund Peter Lawford versucht zu vermitteln und sitzt liebeskrank zwischen allen Stühlen.

So etwas passiert natürlich nur in der Traumfabrik, und es lohnt nicht, für den Handlungsumriß die Namen der Charaktere zu nennen. In bester Musical-Tradition gelingt es dem von Sidney Sheldon auf Heiterkeit getrimmten Szenario, die grandiosen Shownummern zu Hits von Irving Berlin nahtlos aneinanderzureihen. Immerhin beleidigt das Konstrukt den Zuschauer nicht, wenn er erst einmal den Altersunterschied zwischen Astaire und seinen halb so alten Partnerinnen akzeptiert hat. Für Ann Miller, die beste Leinwand-Steptänzerin seit Eleanor Powell, war es das MGM-Debut und ein grandioser Durchbruch, obwohl sie nur unter Schmerzen und mit einem Rückenkorsett auftreten konnte. Ihrer umwerfenden Nummer "The Girl on the Magazine Cover" merkt man das nicht an. Peter Lawford schlägt sich wacker mit seiner Interpretation von "A Fella with an Umbrella". Für die einzigen wirklichen Lacher sorgt Kellner Jules Munshin mit seinem gespielten Rezept für Salade François.

Der 48jährige Astaire befand sich eigentlich bereits im Ruhestand und sprang erst ein, als sein geschätzter junger Kollege und MGMs Top-Star Gene Kelly sich kurz vor Drehbeginn beim Volleyballspielen den Knöchel brach. Es war sicher ein Glücksfall für die Gesangsnummern, besonders wenn die traumhaften Stimmen von Astaire und Garland zusammenklangen. Berlin schrieb "It Only Happens When I Dance With You" speziell für ihn. Judy Garland sang u.a. die tiefempfundenen "I Want to Go Back to Michigan" und "Better Luck Next Time" sowie das ulkige "I Love a Piano". Sie war zwar auch eine mehr als kompetente Tänzerin, konnte hier aber eher mit ihrem komischen Talent glänzen, vor allem im wundervoll burlesken Duo "A Couple of Swells", in für den Gentleman Astaire ungewohnten Landstreicherkostümen. So reichhaltig war das Material, daß man Judys tolle Solonummer "Mr. Monotony" komplett aus dem Film schnitt - sie ist als Extra auf der Blu-ray enthalten und war bereits in den "That's Entertainment"-Filmen ans Licht gekommen.

Der Osterspaziergang ist vielleicht das letzte große klassische Musical, bevor Gene Kelly mit einer Reihe von Filmen das Genre erneuerte: Heute geh'n wir bummeln/On the Town (1949), Ein Amerikaner in Paris (1951), Du sollst mein Glücksstern sein/Singin' in the Rain (1952). Astaire schob seinen Ruhestand weiter auf und glänzte u.a. in seiner letzten Zusammenarbeit mit Ginger Rogers, Tänzer vom Broadway (1949), und dem herausragenden Klassiker Vorhang auf! (1953). Sehr gut (8/10).

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