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Samstag, 24. September 2016

Nicht von schlechten Eltern: Bad Moms (7/10)

Bad Moms ist so ein Film, den Frauen lieben und Männer hassen. Das kann man sowohl an den IMDB-Bewertungen erkennen (w: 7,2 - m: 6,3) als auch am Kritikerspiegel. Noch schlimmer sieht's bei den sogenannten "Top 1000 voters" aus: ein Schnitt von 4,9 bei allerdings nur 69 abgegebenen Stimmen. Meinungen im Internet werden halt dominiert von jungen weissen Männern. Diese konnten allerdings nicht verhindern, dass die bescheidene 20-Millionen-Produktion mit einem Einspielergebnis von über 120 Millionen Dollar allein in den USA einer der profitabelsten Sommerhits wurde (in der Gewinnrechnung nur übertroffen von billigen Horrorfilmen).


Natürlich ist Schlechte Mütter ein "Chickflick", allerdings keineswegs eine romantische Komödie. Darauf weist schon der Titel hin, den man wohl besser mit "Mütter dürfen auch mal Fehler machen" übersetzen könnte. Das erklärt aber nicht die teilweise bösartigen Kritiken (zugegeben auch einige von erbosten Müttern). Kann es sein, dass diese derbe Komödie einen Nerv getroffen hat? Fühlen sich insbesondere Männer unbehaglich, weil sich hinter den Lachern und der Hochglanzausstattung unbequeme Wahrheiten verstecken? Und das ausgerechnet von einem männlichen Regie- und Autorenteam (Jon Lucas und Scott Moore), welches für das erste Hangover-Script verantwortlich zeichnet! Da ich im Gegensatz zu den beiden kein Vater bin, kann ich an einer tiefergehenden Diskussion der thematisierten Misstände nicht weiter teilnehmen.



Klar ist Bad Moms ein kommerzielles Produkt, das erfolgreich auf eine Zielgruppe ausgerichtet ist. Es mag ein weitverbreitetes soziales Dilemma (nicht nur) der amerikanischen Gesellschaft thematisieren, spielt aber in der Welt der Reichen und Schönen, die ihre Kinder auf eine elitäre Privatschule schicken. Im Vergleich zu Paul Feigs Brautalarm (mit Kristen Wiig und Melissa McCarthy) oder Judd Apatows Trainwreck (mit Amy Schumer) ist der Brachialhumor fast zahm, erschließt aber weitere Tabuzonen. Für mich hatten die komischen Übertreibungen genau das richtige Maß. Es gibt schließlich keinen Grund, warum volltrunkene Väter im Stripklub komisch, beschwipste Mütter, die ihre Kinder für einen Abend von Freunden betreuen lassen, dagegen tragisch sein sollten.



Eine Komödie mit Herz muss von ihren Darstellern getragen werden. Mila Kunis als Amy ist der unbestrittene Star des Films - unverschämt hübsch, emotional, hinreissend - die 32jährige ist in modernen Komödien einfach am besten aufgehoben (Jupiter Ascending sei ihr nunmehr verziehen). Dies bleibt wohl ihr vorerst einziger Auftritt nach der Babypause, denn sie ist erneut schwanger. Ich persönlich wäre glücklich, wenn sie fortan alle drei Jahre solche Qualitätsarbeit abliefern würde. Ihr zur Seite stehen zwei kongeniale, diametral unterschiedliche Kolleginnen. Kristen Bell scheint seit ihrer Zeit als pfiffige Jungdetektivin Veronica Mars eher auf brave Rollen festgelegt zu sein und spielt hier überzeugend die verschüchterte Mutter von vier Kindern. Die Komödiantin Kathryn Hahn sorgt mit ihrer burschikosen Art für die größten Lacher, zeigt in ihrer Beziehung zu ihrem "Monster" von Sohn aber auch Herz.



Perfekt besetzt auch Christina Applegate (vor langer Zeit war sie Kelly Bundy aus Eine schrecklich nette Familie) als intrigante Präsidentin der PTA (eine Art Elternpflegschaft auf Speed) und Jada Pinkett-Smith als ihr Sidekick. Die Gattin von Will Smith ist fast der einzige Farbklecks im Ensemble, bis auf eine wohl indischstämmige Mutter, die Amy vorwirft, "fremdländisch" auszusehen, den schwarzen Schuldirektor (Wendell Pierce), Wanda Sykes in einem klug-zurückhaltenden Cameo als Therapeutin und, last but not least, den smarten Jay Hernandez als Single Dad, verständlicherweise der Schwarm aller Mütter.



Was den Ghostbusters trotz eines Megabudgets in diesem Jahr an den Kinokassen nicht gelungen ist, schafften die Bad Moms fast unbemerkt - ein erfolgreiches, tolles Stück Unterhaltung mit Frauen im Mittelpunkt, sehenswert eigentlich auch für aufgeschlossene Männer. Fast fühle ich mich genötigt, zum Ausgleich ein wenig aufzuwerten. Dazu endet die Geschichte dann aber doch zu glatt (und tränenreich). Fast für einen Bonuspunkt gut war auch die liebenswerte Überraschung im Abspann, als die fünf Hauptdarstellerinnen jeweils ein kurzes Gespräch mit ihren (realen) Müttern führen - passenderweise über nicht so perfekte Erziehungsmomente. Alles in allem ein hochverdientes Gut (7/10).

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