Über Fences, mit 139 Minuten längster Beitrag im diesjährigen Oscar-Rennen, habe ich am wenigsten zu sagen, mal abgesehen von Mel Gibsons pazifistischem Pazifikgemetzel Hacksaw Ridge, welches genauso lang ist, aber getrost ignoriert werden kann. Fences ist ein Theaterstück von August Wilson (1945 - 2005), welches sowohl 1987 bei seiner Uraufführung mit drei Tonys prämiert wurde (damals u.a. für James Earl Jones, die Stimme von Darth Vader) als auch beim Revival 2010. Dessen fünf Hauptdarsteller sind nun in der Verfilmung zu sehen, nach einem "Script" des Autors, der nun posthum für eine Adaption nominiert ist, die keine ist, von Denzel Washington originalgetreu abgefilmt. Bis auf wenige Ausnahmen spielt die Handlung in Haus und Garten des Müllmanns Troy - ehrlicher wäre es gewesen, ein paar Kameras im Theater zu platzieren.
Ich verstehe nichts von Theater, aber Fences ist bestimmt ein tolles Stück, in dem, wie das auf der Bühne so üblich ist, ohne Unterbrechung geredet wird. Ja, das sind brillante Dialoge und Monologe, die von faszinierenden Figuren dargebracht werden, aber für einen Film genügt mir das nicht. Im Gegenteil wirken die Charaktere durch die nun möglichen Nahaufnahmen gelegentlich wie Karikaturen - gerade Troy, nicht gerade einer sympathischen Figur, rückt die Kamera oft unangenehm nah auf den Pelz.
Denzel Washington als Troy und Viola Davis als seine leidgeplagte Frau Rose gewannen für ihre Darstellungen bereits den Tony, zusätzliche Oscars wären damit Overkill. Es ist auch richtig, dass Denzel nicht für die Regie nominiert ist, aber die Nominierung von Viola Davis in einer Nebenrolle ist eine weitere von vielen Merkwürdigkeiten der diesjährigen Preissaison. Ich bin mir sicher, dass sie sich auch unter den Hauptdarstellerinnen behauptet hätte. Jedenfalls wird ihr ab Montag nur noch ein Grammy zum EGOT fehlen.
So sollte man Fences als Konservierung einer historischen Broadway-Aufführung verstehen, und die Leistungen von Denzel Washington, Viola Davis, Mykelti Williamson (als Troys verstörter Bruder Gabriel), Stephen Henderson (als Troys bester Freund Bono) und Russell Hornsby (in Grimm als Nicks Partner oft unterfordert) als Troys ältester Sohn Lyons sind nun für alle Zeiten auf Zelluloid gebannt. Ein Resultat, das ich respektieren, aber nicht lieben kann. Gut (7/10).
Zwei Tage vor den Oscars gibt es immer noch keinen klaren Favoriten für den Besten Film des Jahres 2016. Begeistert hat mich keiner der Beiträge - hier das müde Bewerberfeld:
Moonlight (läuft hier erst übernächste Woche an)
Hidden Figures (7/10)
Fences (7/10)
La La Land (6/10)
Hell or High Water (6/10)
Lion (6/10)
Arrival (5/10)
Manchester by the Sea (3/10)
Hacksaw Ridge (?)
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Samstag, 25. Februar 2017
Samstag, 18. Februar 2017
Australischer Kitsch: Lion (6/10)
Und wieder ein Film "basierend auf tatsächlichen Vorkommnissen". In diesem Fall hätte der bislang wenig profilierte Drehbuchautor Luke Davies besser stärker von der Vorlage, den Erinnerungen von Saroo Brierley, abweichen sollen. So zerfällt Lion in zwei sehr unterschiedliche Teile, die kein überzeugendes Ganzes ergeben.
Saroo wächst in den 80ern in ärmlichen Verhältnissen irgendwo in Indien auf, geliebt von seiner in einem Steinbruch schuftenden Mutter und seinem älteren Bruder Guddu, der die kleine Familie mit Gelegenheitsjobs unterstützt. Eines Tages nimmt Guddu nach langer Quengelei seinen fünfjährigen Bruder mit zu einem solchen Einsatz, zwei Bahnstationen vom Heimatort entfernt. Dort geht Saroo verloren und landet schließlich nach langer Fahrt in einem ausrangierten Zug im 1.600 Kilometer entfernten Kalkutta, wo man sogar Bengali statt Hindi spricht. Er schlägt sich einige Monate auf der Straße durch, bis er in einem Waisenhaus landet und es recht schnell zur Adoption durch ein australisches Ehepaar kommt (offenbar als eine Art "Mail Order Child").
Die über 50 Minuten gezeigte Odyssee des Jungen ist packend erzählt. Dass die Vorgänge gelegentlich unklar oder verklärt erscheinen, ist verständlich, da sie auf den bruchstückhaften Erinnerungen des erwachsenen Saroo beruhen. Trotzdem bekommt man einen guten Eindruck von einem Indien jenseits touristischer Exotik und elitärer Bollywood-Prominenz. Der Laiendarsteller Sunny Pawar mit seinen großen Augen und einer pfiffigen Ausdrucksfähigkeit zeigt in der Hauptrolle eine magische Präsenz, was man in seinem Alter allerdings eher dem Casting und geschickter Regie anrechnen sollte. Unterstützt werden die teilweise an den Originalschauplätzen gedrehten Bilder durch verträumte Piano-bestimmte Musik von Volker Bertelmann (aus Kreuztal!) und Dustin O'Halloran, die dafür mit ihrer ersten Oscar-Nominierung belohnt wurden.
Gleich der Übergang zum erwachsenen Saroo erscheint mir recht holprig. Ich habe große Sympathie für den durch Slumdog Millionaire berühmt gewordenen Londoner Dev Patel, perfekt besetzt als Manager des Best Exotic Marigold Hotel. Hier kann ich allerdings keine Kontinuität zu Sunny Pawels Darstellung erkennen. Insbesondere Patels Vollbart wirkt fehl am Platz. An meinem Unbehagen ist Patel aber nur zum Teil schuld. Die Erzählung wirkt seltsam fragmentiert und spart die möglicherweise interessanteren Teile aus. Saroos australische Identität wirkt aufgesetzt, woran auch die Surfszene zu Beginn nichts ändern kann. Die Beziehung zu seiner Adoptivmutter und seinem ebenfalls aus Indien importierten Adoptivbruder bleibt seltsam unklar (sein Adoptivvater kommt kaum vor).
Saroo beginnt offenbar mit Mitte 20, sich an seine Kindheit in Indien zu erinnern, ausgelöst durch die Begegnung mit anderen Indien-stämmigen Kollegen. Er versucht mittels dem gerade verfügbar gewordenen Google Earth © seinen Heimatort zu finden, hat aber, wie sich am Schluss herausstellt, einige Fakten falsch in Erinnerung, darunter den Namen seines Dorfes. Daraus resultiert eine fünf Jahre dauernde Depression mit frustrierenden, manisch anmutenden Recherchen, über die er seinen Beruf und (zeitweise) seine Freundin verliert (Rooney Mara bringt immerhin ein wenig frischen Wind in diese unerfreuliche Phase). Natürlich gäbe es diesen Film nicht, wenn Saroo am Ende nicht erfolgreich gewesen wäre, und genau zum Finale schlägt die Stimmung vollkommen in Kitsch um, wozu dann leider auch der Soundtrack beiträgt. Übrigens spricht Saroo sogar seinen Namen falsch aus, er heisst eigentlich Sheru, also "Löwe" (falls jemand sich über den Titel wundert - das Buch heisst einfach "Der lange Weg nach Hause").
Es erschließt sich mir nicht, warum jetzt ausgerechnet Dev Patel bei den aktuellen Preisverleihungen Favorit ist (er gewann gerade einen BAFTA). Geradezu albern ist es, dass seine Darstellung als Nebenrolle (wörtlich eigentlich: "unterstützende Rolle") gewertet wird. Lion hat zwei Hauptdarsteller, nämlich Dev und Sunny. Ähnlich falsch verfuhren die BAFTAS, indem sie Hugh Grant für Florence Foster Jenkins in die gleiche Kategorie steckten. Nach dieser Logik hätte Judi Dench für ihre fünf Minuten als Queen Elizabeth in Shakespeare in Love höchstens einen Preis für die beste Statistin verdient gehabt.
Davon ab sehe ich die größere Schwäche von Lion bei Regie und Schnitt. Der australische Werbefilmer Garth Davis vermag gerade dem zweiten Teil einfach keinen Fluss zu geben. Besonders verwirrend fand ich die Rückblende, als Saroo von einem Motorrad angefahren wird. Der absolute Tiefpunkt allerdings ist vor allem dem Drehbuch anzulasten: Saroos Adoptivmutter erzählt ihm, wie sie als Zwölfjährige eine Vision eines indischen Jungen hatte. Diese Szene allein sollte eigentlich zur Disqualifizierung bei den Oscars führen. Dass Nicole Kidman diesen Monolog ohne Kichern zu Ende gebracht hat, ist allerdings höchste Schauspielkunst - damit und mit ihrem Mut zur hässlichen Frisur hat sie ihre eigene Oscar-Nominierung verdient (warum ist es in solchen Biopics oft so, dass die Hauptfiguren gegenüber den Vorbildern aufgehübscht werden, die Nebendarsteller aber unansehnliche Imitationen anstreben?) Von den sechs Oscar-Nominierungen (auch als Bester Film) gehen für mich höchstens die für Musik und Kamera in Ordnung. In der Summe Ordentlich (6/10).
Saroo wächst in den 80ern in ärmlichen Verhältnissen irgendwo in Indien auf, geliebt von seiner in einem Steinbruch schuftenden Mutter und seinem älteren Bruder Guddu, der die kleine Familie mit Gelegenheitsjobs unterstützt. Eines Tages nimmt Guddu nach langer Quengelei seinen fünfjährigen Bruder mit zu einem solchen Einsatz, zwei Bahnstationen vom Heimatort entfernt. Dort geht Saroo verloren und landet schließlich nach langer Fahrt in einem ausrangierten Zug im 1.600 Kilometer entfernten Kalkutta, wo man sogar Bengali statt Hindi spricht. Er schlägt sich einige Monate auf der Straße durch, bis er in einem Waisenhaus landet und es recht schnell zur Adoption durch ein australisches Ehepaar kommt (offenbar als eine Art "Mail Order Child").
Die über 50 Minuten gezeigte Odyssee des Jungen ist packend erzählt. Dass die Vorgänge gelegentlich unklar oder verklärt erscheinen, ist verständlich, da sie auf den bruchstückhaften Erinnerungen des erwachsenen Saroo beruhen. Trotzdem bekommt man einen guten Eindruck von einem Indien jenseits touristischer Exotik und elitärer Bollywood-Prominenz. Der Laiendarsteller Sunny Pawar mit seinen großen Augen und einer pfiffigen Ausdrucksfähigkeit zeigt in der Hauptrolle eine magische Präsenz, was man in seinem Alter allerdings eher dem Casting und geschickter Regie anrechnen sollte. Unterstützt werden die teilweise an den Originalschauplätzen gedrehten Bilder durch verträumte Piano-bestimmte Musik von Volker Bertelmann (aus Kreuztal!) und Dustin O'Halloran, die dafür mit ihrer ersten Oscar-Nominierung belohnt wurden.
Gleich der Übergang zum erwachsenen Saroo erscheint mir recht holprig. Ich habe große Sympathie für den durch Slumdog Millionaire berühmt gewordenen Londoner Dev Patel, perfekt besetzt als Manager des Best Exotic Marigold Hotel. Hier kann ich allerdings keine Kontinuität zu Sunny Pawels Darstellung erkennen. Insbesondere Patels Vollbart wirkt fehl am Platz. An meinem Unbehagen ist Patel aber nur zum Teil schuld. Die Erzählung wirkt seltsam fragmentiert und spart die möglicherweise interessanteren Teile aus. Saroos australische Identität wirkt aufgesetzt, woran auch die Surfszene zu Beginn nichts ändern kann. Die Beziehung zu seiner Adoptivmutter und seinem ebenfalls aus Indien importierten Adoptivbruder bleibt seltsam unklar (sein Adoptivvater kommt kaum vor).
Saroo beginnt offenbar mit Mitte 20, sich an seine Kindheit in Indien zu erinnern, ausgelöst durch die Begegnung mit anderen Indien-stämmigen Kollegen. Er versucht mittels dem gerade verfügbar gewordenen Google Earth © seinen Heimatort zu finden, hat aber, wie sich am Schluss herausstellt, einige Fakten falsch in Erinnerung, darunter den Namen seines Dorfes. Daraus resultiert eine fünf Jahre dauernde Depression mit frustrierenden, manisch anmutenden Recherchen, über die er seinen Beruf und (zeitweise) seine Freundin verliert (Rooney Mara bringt immerhin ein wenig frischen Wind in diese unerfreuliche Phase). Natürlich gäbe es diesen Film nicht, wenn Saroo am Ende nicht erfolgreich gewesen wäre, und genau zum Finale schlägt die Stimmung vollkommen in Kitsch um, wozu dann leider auch der Soundtrack beiträgt. Übrigens spricht Saroo sogar seinen Namen falsch aus, er heisst eigentlich Sheru, also "Löwe" (falls jemand sich über den Titel wundert - das Buch heisst einfach "Der lange Weg nach Hause").
Es erschließt sich mir nicht, warum jetzt ausgerechnet Dev Patel bei den aktuellen Preisverleihungen Favorit ist (er gewann gerade einen BAFTA). Geradezu albern ist es, dass seine Darstellung als Nebenrolle (wörtlich eigentlich: "unterstützende Rolle") gewertet wird. Lion hat zwei Hauptdarsteller, nämlich Dev und Sunny. Ähnlich falsch verfuhren die BAFTAS, indem sie Hugh Grant für Florence Foster Jenkins in die gleiche Kategorie steckten. Nach dieser Logik hätte Judi Dench für ihre fünf Minuten als Queen Elizabeth in Shakespeare in Love höchstens einen Preis für die beste Statistin verdient gehabt.
Davon ab sehe ich die größere Schwäche von Lion bei Regie und Schnitt. Der australische Werbefilmer Garth Davis vermag gerade dem zweiten Teil einfach keinen Fluss zu geben. Besonders verwirrend fand ich die Rückblende, als Saroo von einem Motorrad angefahren wird. Der absolute Tiefpunkt allerdings ist vor allem dem Drehbuch anzulasten: Saroos Adoptivmutter erzählt ihm, wie sie als Zwölfjährige eine Vision eines indischen Jungen hatte. Diese Szene allein sollte eigentlich zur Disqualifizierung bei den Oscars führen. Dass Nicole Kidman diesen Monolog ohne Kichern zu Ende gebracht hat, ist allerdings höchste Schauspielkunst - damit und mit ihrem Mut zur hässlichen Frisur hat sie ihre eigene Oscar-Nominierung verdient (warum ist es in solchen Biopics oft so, dass die Hauptfiguren gegenüber den Vorbildern aufgehübscht werden, die Nebendarsteller aber unansehnliche Imitationen anstreben?) Von den sechs Oscar-Nominierungen (auch als Bester Film) gehen für mich höchstens die für Musik und Kamera in Ordnung. In der Summe Ordentlich (6/10).
Samstag, 11. Februar 2017
Als die Rechner noch farbig waren: Hidden Figures (7/10)
Die in diesem Jahr von der amerikanischen Akademie nominierten Besten Filme sind derart vielfältig, dass im Endeffekt für niemanden etwas dabei ist. Hidden Figures ist zwar überaus sentimental, immerhin aber unterhaltsam und neben dem netten schwedischen Beitrag Ein Mann namens Ove der erklärte Wohlfühlfilm unter den Kandidaten. In den USA ist er wohl auch deswegen ein Überraschungshit an den Kinokassen.
Der Titel ist ein kleines Wortspiel und kann sowohl mit "Versteckte Gestalten" als auch mit "Versteckte Zahlenkolonnen" übersetzt werden und beruht, wie gleich zu Beginn per Einblendung versichert wird, auf Tatsachen - für mich keine Empfehlung für einen guten Film. Zu übersehen waren die "farbigen Computer" wohl kaum, die 1961 als Rechenmaschinen herhalten mussten, bis ein IBM-Ungetüm diese Arbeit übernahm. Aber im Zweifel bekamen sie beim Auftauchen erst einmal einen vollen Papierkorb überreicht, denn was sonst sollte sie bei den NASA-Spezialisten schon zu suchen haben? Was zählte in den 60ern schon ein Universitätsabschluss in Mathematik, wenn man dunkelhäutig oder gar eine Frau war?
Regisseur Theodore Melfi, der vor zwei Jahren in St. Vincent sogar Bill Murray zu einem knuffigen Alltagshelden transformieren durfte, hat sich beim Drehbuch immerhin weibliche Hilfe bei der TV-Autorin Allison Schroeder geholt. Sein Hauptverdienst ist, dass er seine Stars frei aufspielen ließ. Und die nutzen die Gelegenheit. Octavia Spencer (nach ihrem Oscar für The Help in diesem Jahr erneut nominiert) ist eine Naturgewalt. Wie sie ihrer Chefin (Kirsten Dunst, ansonsten blass) einen Schokoladenkuchen backt, Verzeihung, sich als Teamleiterin aufdrängt, ist eine Wucht. Zweite im Bunde ist die hauptberufliche Musikerin Janelle Monáe, für die Rolle der Ingenieur-Aspirantin mit eisernem Willen eigentlich ein bisschen zu hübsch, aber das vergisst man im Laufe der Geschichte irgendwann.
Schlagendes Herz des Trios ist allerdings Taraji P. Henson (Detective Carter aus Person of Interest). Ihre Figur ist am präzisesten ausgeführt, wenngleich das Familienleben der verwitweten dreifachen Mutter doch arg idyllisch wirkt. Am Arbeitsplatz zeigt sich jedoch deutlich ihre Zerrissenheit, es brodelt hinter der Fassade ob all der Demütigungen, wenn die geniale Mathematikerin wieder und wieder maximal als Rechenkünstlerin anerkannt wird. In einem etwas billigen dramaturgischen Kniff ist es ausgerechnet der Amerikanische Held ™ John Glenn (Glen Powell), erst im Dezember 96jährig verstorben, der unabhängig von Hautfarbe und Geschlecht ihren Wert erkennt. Die bereits 2009 für eine Nebenrolle in Der seltsame Fall des Benjamin Button für einen Oscar nominierte Taraji P. Henson wurde für ihre Hauptrolle in der Fernsehserie Empire jüngst mit einem Golden Globe ausgezeichnet; jetzt wird man die 46jährige hoffentlich wieder öfter im Kino sehen. Für eine Oscar-Nominierung hat es in diesem Jahr nicht gereicht, auch wenn Meryl Streep zu ihren Gunsten sicher gern auf ihre historische 20. Nominierung verzichtet hätte.
Hidden Figures zeichnet leider nur ein sehr grobes, verklärtes Zeitbild. Es ist lange nicht so raffiniert wie etwa The Imitation Game, und es verharmlost den bedrohlichen Schatten, der lange über der Bürgerrechtsbewegung schwebte und etwa in The Help deutlich besser eingefangen wurde. Hidden Figures gibt einem das Gefühl, dass schwarze Amerikaner in den 60ern nur höflich bitten mussten, um die Rassenschranken purzeln zu lassen. Selbst Polizisten und Richter konnten dem Charme dunkelhäutiger Mathematikerinnen offenbar nicht widerstehen. Auch Kevin Costners NASA-Chef, eigentlich als Drache angekündigt, verwandelt sich allzu schnell zum Förderer seiner schwarzen Mitarbeiterin. Trotzdem ist es Costners beste Rolle seit langem. Das kann man für Jim "Sheldon" Parsons nicht sagen, der als Chefingenieur recht blass bleibt. Auch Mahershala Ali, für Moonlight (wo er übrigens neben Janelle Monáe auftritt) eine weitere farbige Hoffnung der kommenden Oscar-Verleihung, ist hier nur Eye Candy: "That Colonel Jim is a tall glass of water!"
Es gibt schon so viele belanglose Filme um weiße Männer, dass die Zeit für belanglose Filme um schwarze Frauen gekommen ist. Von mir aus kann das Pendel jetzt erstmal in diese Richtung umschlagen, allein schon um im Kino neue Gesichter zu entdecken. Differenzierter sind wahrscheinlich die in Deutschland erst in den nächsten Wochen anlaufenden Mitkandidaten Fences und Moonlight, aber auch Hidden Figures hat mir Freude gemacht. Einer der Produzenten ist übrigens nicht zufällig der Gute-Laune-König Pharrell Williams (Happy). Gut (7/10).
Der Titel ist ein kleines Wortspiel und kann sowohl mit "Versteckte Gestalten" als auch mit "Versteckte Zahlenkolonnen" übersetzt werden und beruht, wie gleich zu Beginn per Einblendung versichert wird, auf Tatsachen - für mich keine Empfehlung für einen guten Film. Zu übersehen waren die "farbigen Computer" wohl kaum, die 1961 als Rechenmaschinen herhalten mussten, bis ein IBM-Ungetüm diese Arbeit übernahm. Aber im Zweifel bekamen sie beim Auftauchen erst einmal einen vollen Papierkorb überreicht, denn was sonst sollte sie bei den NASA-Spezialisten schon zu suchen haben? Was zählte in den 60ern schon ein Universitätsabschluss in Mathematik, wenn man dunkelhäutig oder gar eine Frau war?
Regisseur Theodore Melfi, der vor zwei Jahren in St. Vincent sogar Bill Murray zu einem knuffigen Alltagshelden transformieren durfte, hat sich beim Drehbuch immerhin weibliche Hilfe bei der TV-Autorin Allison Schroeder geholt. Sein Hauptverdienst ist, dass er seine Stars frei aufspielen ließ. Und die nutzen die Gelegenheit. Octavia Spencer (nach ihrem Oscar für The Help in diesem Jahr erneut nominiert) ist eine Naturgewalt. Wie sie ihrer Chefin (Kirsten Dunst, ansonsten blass) einen Schokoladenkuchen backt, Verzeihung, sich als Teamleiterin aufdrängt, ist eine Wucht. Zweite im Bunde ist die hauptberufliche Musikerin Janelle Monáe, für die Rolle der Ingenieur-Aspirantin mit eisernem Willen eigentlich ein bisschen zu hübsch, aber das vergisst man im Laufe der Geschichte irgendwann.
Schlagendes Herz des Trios ist allerdings Taraji P. Henson (Detective Carter aus Person of Interest). Ihre Figur ist am präzisesten ausgeführt, wenngleich das Familienleben der verwitweten dreifachen Mutter doch arg idyllisch wirkt. Am Arbeitsplatz zeigt sich jedoch deutlich ihre Zerrissenheit, es brodelt hinter der Fassade ob all der Demütigungen, wenn die geniale Mathematikerin wieder und wieder maximal als Rechenkünstlerin anerkannt wird. In einem etwas billigen dramaturgischen Kniff ist es ausgerechnet der Amerikanische Held ™ John Glenn (Glen Powell), erst im Dezember 96jährig verstorben, der unabhängig von Hautfarbe und Geschlecht ihren Wert erkennt. Die bereits 2009 für eine Nebenrolle in Der seltsame Fall des Benjamin Button für einen Oscar nominierte Taraji P. Henson wurde für ihre Hauptrolle in der Fernsehserie Empire jüngst mit einem Golden Globe ausgezeichnet; jetzt wird man die 46jährige hoffentlich wieder öfter im Kino sehen. Für eine Oscar-Nominierung hat es in diesem Jahr nicht gereicht, auch wenn Meryl Streep zu ihren Gunsten sicher gern auf ihre historische 20. Nominierung verzichtet hätte.
Hidden Figures zeichnet leider nur ein sehr grobes, verklärtes Zeitbild. Es ist lange nicht so raffiniert wie etwa The Imitation Game, und es verharmlost den bedrohlichen Schatten, der lange über der Bürgerrechtsbewegung schwebte und etwa in The Help deutlich besser eingefangen wurde. Hidden Figures gibt einem das Gefühl, dass schwarze Amerikaner in den 60ern nur höflich bitten mussten, um die Rassenschranken purzeln zu lassen. Selbst Polizisten und Richter konnten dem Charme dunkelhäutiger Mathematikerinnen offenbar nicht widerstehen. Auch Kevin Costners NASA-Chef, eigentlich als Drache angekündigt, verwandelt sich allzu schnell zum Förderer seiner schwarzen Mitarbeiterin. Trotzdem ist es Costners beste Rolle seit langem. Das kann man für Jim "Sheldon" Parsons nicht sagen, der als Chefingenieur recht blass bleibt. Auch Mahershala Ali, für Moonlight (wo er übrigens neben Janelle Monáe auftritt) eine weitere farbige Hoffnung der kommenden Oscar-Verleihung, ist hier nur Eye Candy: "That Colonel Jim is a tall glass of water!"
Es gibt schon so viele belanglose Filme um weiße Männer, dass die Zeit für belanglose Filme um schwarze Frauen gekommen ist. Von mir aus kann das Pendel jetzt erstmal in diese Richtung umschlagen, allein schon um im Kino neue Gesichter zu entdecken. Differenzierter sind wahrscheinlich die in Deutschland erst in den nächsten Wochen anlaufenden Mitkandidaten Fences und Moonlight, aber auch Hidden Figures hat mir Freude gemacht. Einer der Produzenten ist übrigens nicht zufällig der Gute-Laune-König Pharrell Williams (Happy). Gut (7/10).
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