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Samstag, 6. April 2019

Kein Remake von Oli7er! - Shazam! (6/10)

So sehr ich auch Comicverfilmungen mag - es gibt viele Comicserien, die ich nie gelesen habe, und noch mehr Comichelden, von denen ich nie etwas gehört habe. Zu letzteren gehört definitiv Shazam - der 14jährige Lausbube Billy, der sich mittels des Zauberworts in den trotz Cape unzerstörbaren Muskelprotz Captain Marvel verwandeln kann. Aber Verzeihung, diesen Namen hat Marvel seinem Rivalen DC verbieten lassen. Auch wenn Billys Kumpel Freddie im Minutentakt neue Vorschläge macht ("Captain Sparklefingers"), bleibt es bei: Shazam.



Hat man das oberflächliche Waisendrama der ersten halben Stunde überstanden (das im obigen Trailer ganz gut zusammengefasst ist), beginnt die Geschichte doch Spaß zu machen. Wie im 50 Jahre alten Oscar-Gewinner Oliver! (Dickens' Oliver Twist als Musical) bewegt sich die Mischung aus Drama und Tanz (bzw. Superhelden-Action) hart an der Grenze zur Albernheit. Aber das DC-Universum kann die Komikspritze ganz gut vertragen. Ein spritziger Aquaman allein kann die bleierne Bedeutungsschwere der bisherigen Batman- und Superman-Geschichten nicht ausgleichen (vom Dark Knight ganz zu schweigen).

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Als Shazam ist Zachary Levi ganz in seinem Element. Den unbeholfenen Charme des Teenagers im Erwachsenenkörper hat er im Grunde schon als Chuck perfektioniert. Den Körper hat er allerdings inzwischen mit reichlich Muskeln angereichert (auch wenn der Spandex-Anzug keinen freien Blick erlaubt). Diese neue Statur war bereits in seiner Gastrolle in The Marvelous Mrs. Maisel ein großes Geheimnis: Woher hatte ein vielgefragter Chirurg in den 50ern Zeit für Bodybuilding?

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Ziemlich humorlos agiert dagegen Kingsmans Merlin Mark Strong als Billys Widersacher. Die Zweikämpfe der beiden fliegenden Blitze erinnern zudem an Superman vs. Zod. Die eigentlichen Bösewichte sind ohnehin die sieben Todsünden, hier materialisiert als wolkig-amorphe Kreaturen ohne Kontur. Es wäre doch eigentlich naheliegend gewesen, ihre Symbolik mit den Schwächen der Waisenkinder zu verknüpfen und den Sieg im bombastischen Finale damit auch zum Sieg über ihre Laster zu gestalten. Stattdessen bekommen wir die übliche Prügelei, allerdings mit einem netten Twist, den zumindest ich nicht erwartet hätte, und überdeutlicher Betonung der Familienwerte. Finchers Se7en war hier offenbar kein Vorbild.

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Ansonsten bleiben die Darsteller recht blass, in schematisch angelegten Figuren. Die Pflegeeltern (Cooper Andrews aus The Walking Dead und die Spanierin Marta Milans) sind überperfekt, die Kinder meist erträglich. Asher Angel als Billy und Jack Dylan Grazer als Freddie sind ok, wobei Freddie so manche Szene stiehlt. Ansonsten gibt es das übergewichtige Kind, das hyperaktive Kind, das forsche Kind und eine 17jährige Harvard-Aspirantin, die mal wieder dem Hollywood-Klischee von Nerdigkeit entspricht, indem die 21jährige Darstellerin Grace Fulton keine klassische Schönheit ist, sondern eine interessante Schönheit.

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Meine Meinung weicht mal wieder vom Kritikerspiegel ab, der Shazam! auf einen Podest hebt, auf dem dieser nette, aber deutlich zu lange Film nichts zu suchen hat. Ich ermutige durchaus zum Kinobesuch, werde ihn mir im Heimkino auch nochmals anschauen, aber zum Oscar-Gewinn wird es trotz des Rufzeichens nicht ausreichen, und DC tritt meines Erachtens eher auf der Stelle. Ordentlich (6/10).

Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.

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