Die Nominierungen:
- Among Others, Jo Walton (Tor)
- Embassytown, China Miéville (Macmillan / Del Rey)
- Leviathan Wakes, James S. A. Corey (Orbit)
- Deadline, Mira Grant (Orbit)
- A Dance With Dragons, George R. R. Martin (Bantam Spectra)
Meine Meinung
Mein Favorit war "A Dance With Dragons", der fünfte Band der auf sieben Bände ausgelegten Fantasy-Serie "A Song of Ice and Fire". Aber ein Gewinn schien unwahrscheinlich, auch weil der Band als etwas schwächer als die Vorgänger bewertet wurde. Martin war bereits 1978 in dieser Kategorie nominiert, für "Dying of the Light" (steht auf meiner Leseliste), sowie 2001 und 2006 für die Bände 3 und 4 desselben Zyklus. Immerhin gewann die 10teilige erste Staffel der HBO-Fernsehserie "Game of Thrones", die den ersten Roman des Zyklus abdeckt, den Hugo für die "beste dramatische Präsentation (Langform)".
"Leviathan Wakes" ist eine Mischung aus "harter SF" und klassischer Space Opera und spielt in unserem Sonnensystem zu einer Zeit, in der dieses durch bemannte Raumfahrt und Kolonien auf Mars, Monden und Asteroiden erschlossen ist. Leider sind die Hauptfiguren klischeebeladen und die politischen Verwicklungen nicht immer nachvollziehbar. Als erster Teil einer Serie angelegt, die ich wohl nicht weiter verfolgen werde.
China Miéville habe ich nach seinem Gewinn mit "The City and the City" von 2010 aufgegeben. Mir scheint, daß seine Ambitionen sein Talent deutlich überstrapazieren, er ist anstrengend zu lesen, ohne daß das Endresultat diese Anstrengung rechtfertigt.
"Deadline" ist die Fortsetzung des Zombie-Romans "Feed", das im Vorjahr nominiert war. Im Mittelpunkt der geplanten Trilogie steht ein Team von jungen Bloggern, die in einer post-apokalyptischen Welt mit vielen "Zombie-verseuchten" Zonen über den Wahlkampf des US-Präsidenten berichten. Das zunächst interessante Konzept fand ich bereits im ersten Band überstrapaziert, und ich konnte mich bisher nicht dazu aufraffen, hier weiterzulesen.
Der Gewinner
"Among Others" von Jo Walton
Dies ist bereits der neunte Roman der 46jährigen Autorin, ihr erster Hugo-nominierter und der erste, den ich gelesen habe. Bereits bei der Klassifizierung tue ich mich schwer. Eigentlich ist dies ein Mainstream-Roman mit fantastischen Elementen. Es spielt in Wales und handelt von einem 15jährigen Mädchen, das gerade seine Zwillingsschwester verloren hat und versucht, sich in einem neuen Internat zurechtzufinden. Bisher lebte sie bei ihrer (verhaßten) Mutter, nun versucht sie, eine Beziehung zum ihr kaum bekannten geschiedenen Vater aufzubauen. Zwei Dinge helfen ihr, mit ihrer Situation zurechtzukommen: Ihre "magischen Fähigkeiten" - sie kommuniziert z.B. mit feenartigen Wesen - und ihre Liebe zu Science-Fiction-Romanen, über die sie sowohl einen Dialog mit ihrem Vater aufbauen kann als auch in einem Buchclub neue Freunde kennenlernt. Das Fantasy-Element kann man durchaus wegdiskutieren, da die Geschichte in Tagebuchform erzählt wird und dies einfach nur ein Filter sein könnte, durch den sie ihre für sie manchmal unerträgliche Lebenswelt sieht. Die vielen Erwähnungen und Diskussionen von SF-Romanen und -Autoren machen das Buch aber für SF-Fans hochinteressant, und meine Vermutung ist, daß dies hauptsächlich zu diesem Preis geführt hat. Ein Indiz dafür ist auch, daß sie für den Campbell-Award (der von Autoren vergeben wird) nicht einmal nominiert wurde. Trotzdem ist dies ein schönes Buch, das ich gern gelesen habe.
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