"You've been talking of a trip to Frisco; that being the case, take this and go and have your fun."oder durchsetzt von Dämlichkeiten, am meisten in Zitaten des verrückten "Helden" Dean:
"Hee! Whee! Hoo!" - "Dig them, Sal, talking about us and digging. Oh my goodness, what a world!"Manche nennen das atemlos, ich eher hilflos. Literarische Werte kann ich nicht entdecken; Figuren werden eingeführt und verschwinden wieder, anfänglich interessante Szenen entpuppen sich als Kartenhäuser, die schnell einstürzen durch Überstrapazierung sprachlicher Manierismen. Vielleicht liest sich das im Drogenrausch super, in nüchternem Zustand fand ich es fast unerträglich.
Kerouacs 1957 veröffentlichter Roman "On the Road" ("Unterwegs") gilt allerdings als amerikanischer Klassiker, als wichtigstes Werk der Beat-Generation und Einfluß der Hippie-Kultur der 60er. Der schottische Liedermacher Donovan beruft sich auch heute noch stolz auf dieses Buch (siehe die sehenswerte Dokumentation von 2008). Es gibt übrigens zwei Versionen, die viel später veröffentlichte Urfassung, die die Autobiographie so weit treibt, daß die realen Namen genutzt werden, und die gestraffte Fassung, die fiktive Namen nutzt (Sal Paradise für Jack Kerouac etc.) Die Hauptfiguren verstehen sich als Protestler gegen die bürgerlichen Zwänge der Nachkriegsjahre, schlagen sich als Mittzwanziger mit Gelegenheitsjobs und Diebereien durch. Frauen sind nur Sexobjekte, Auf ihre Kinder sind sie zwar stolz, sie zu ernähren kommt den Vätern aber nicht in den Sinn. Sie sind Pseudointellektuelle vom Typ "Viel gelesen, nichts verstanden", die heute noch die Welt mit Platos Höhlengleichnis zu erklären versuchen.
Nun ist es oft gelungen, aus einem schlechten Buch einen guten Film zu machen. Regisseur Walter Salles (Oscar-nominiert für das nette Central Station) hat es nur geschafft, bei der Verfilmung komplett neue Fehler zu machen. Technisch tadellos inszeniert, kann er weder den Ton des Buchs nachahmen noch die Charaktere zum Leben erwecken. Er hat sich offenbar nicht entscheiden können, ob er die Geschehnisse romantisierten oder die trostlose Realität zeigen will. Stattdessen werden Episoden der Vorlage leblos aneinandergereiht. Es ist schon merkwürdig, wenn der Film mir eindrucksvolle Fetzen des Buchs in Erinnerung bringt, die im Film aber wirkungslos verpuffen. Drei Beispiele: Die fast einfühlsame Episode, in der sich Sal in die mexikanische Baumwollpflückerin Terry verliebt (verschenktes Cameo der wunderbaren Brasilianerin Alice Braga) und nicht erkennen will, wie ungeeignet er für die körperliche Arbeit ist; die Überführung der Luxuslimousine, die auf der Fahrt praktisch rouiniert wird; die geheimnisvolle junge Frau im mexikanischen Bordell, an die sich Sal nicht herantraut. Und so schlecht die Dialoge aus dem Roman oft sind, die dazuerfundenen stehen ihnen in nichts nach ("Helena of Troy with a brain"?)
Als weiteres Problem stellt sich die Besetzung heraus, in der die berühmten Schauspielerinnen Kirsten Dunst (Spider Man) als verhärmte Camille und besonders Kristen Stewart (Twilight) als sexuell aufgeladene Marylou die relativen Neulinge Sam Riley und Garrett Hedlund weit in den Schatten stellen. Tom Sturridge (Radio Rock Revolution) als Carlo Marx/Allen Ginsberg bleibt immerhin als Stereotyp in Erinnerung. Gefallen haben mir dagegen Viggo Mortensen als Old Bull Lee/William S. Burroughs und Amy Adams als seine verhuschte Lebensgefährtin, die allerdings nur kurz auftreten. Leider bleiben also die Szenen mit der sehr freizügigen 22jährigen Kristen Stewart im Gedächtnis, etwa die bekleidungsfreie Autofahrt, bei der sie in Stereo an Fahrer und Beifahrer Hand anlegt. Ob sie da in 20 Jahren noch stolz drauf sein wird?
Nun ja, ich mußte mir das ja nicht antun, und es handelt sich hier auch nur um die Meinung eines abgehobenen Mathematikers. Ich erwarte böse Kommentare von Fans. Aber ich wüßte nicht, wie ich hier objektiv urteilen sollte. Meine Filmwertung: Erträglich (4/10).
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