Nachdem ich mich mit Mira Grants Zombie- und Blogger-verseuchten Newsflesh-Trilogie gar nicht anfreunden konnte, hatte ich diesen ersten Band einer neuen Trilogie lange vor mir hergeschoben. Zu Unrecht, wie sich herausstellte: Es geht zwar auch hier nebenbei um Zombies ("Schlafwandler" genannt), aber es fehlen die atemlose Action genauso wie die überdrehten Figuren und der bemühte Blogger-Stil. Stattdessen erzählt Parasite unaufgeregt und doch spannend eine völlig neue Geschichte, die auf einer brillanten SF-Idee basiert. Nach einem medizinischen Durchbruch der nahen Zukunft haben sich viele Millionen Menschen einen genetisch manipulierten Bandwurm implantieren lassen, der sie symbiotisch vor den meisten Stoffwechsel- und Kreislaufkrankheiten schützt. Doch nun scheinen erste Nebenwirkungen aufzutreten, die von der das Patent haltenden BioTech-Firma aber zunächst vertuscht werden können...
Erzählt wird das in Ich-Form von der jungen Sally, die nach einem Unfall und dem überraschenden Aufwachen aus dem Koma ihr Gedächtnis verloren hatte und nun ihren Erinnerungen entsprechend eigentlich erst sechs Jahre alt ist (im Gegensatz zu ihrem etwa 25jährigen Körper). Sie hat mühsam fast alle kognitiven Fähigkeiten wiedererlernen müssen, und vor diesem Hintergrund ist es verständlich, wenn sie auf einige Leser ein wenig eindimensional wirkt. Für mich ist sie eine gelungene, überhaupt nicht langweilige Identifikationsfigur. Ihre Genesungsgeschichte birgt ein (leicht zu erratendes) Geheimnis, und gegen Ende dieses Einführungsbandes gewinnen sie und ihre Bezugspersonen genug Komplexität, um mich auf die Fortsetzung neugierig zu machen.
Mira Grant ist ein Pseudonym für die Kalifornierin Seanan McGuire (geboren 1978), die bisher offenbar durchaus erfolgreiche Urban Fantasy schrieb und nun unter neuem Namen eine ambitioniertere Richtung einschlägt, was ihr nun die vierte Hugo-Nominierung in Folge für den besten Roman einbrachte (nach den drei Newsflesh-Bänden). Wenn ihr ein überzeugender Abschluß dieser Trilogie gelingt, winkt ihr vielleicht der Preis im übernächsten Jahr.
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