Jesse Eisenberg (The Social Network), Veteran Woody Harrelson (der herrlich unkonventionelle Reporterkollege von Justin Timberlake aus Freunde mit gewissen Vorzügen), Dave Franco (jüngerer Bruder von Medienstar James) und Isla Fisher (die Gespielin von Vince Vaughn in Die Hochzeits-Crasher) spielen die "Vier apokalyptischen Reiter", Magier und Trickbetrüger, die in einer monumentalen Vegas-Show erstmals gemeinsam auftreten und gleich live per Teleportation eine Pariser Bank ausrauben - oder scheint es nur so? Ihre Gegenspieler sind Mark Ruffalo (einer der coolsten Schauspieler seiner Generation) und Mélanie Laurent (die bezaubernde Kinobesitzerin Shosanna aus Tarantinos Inglorious Basterds) als FBI- bzw. Interpol-Agenten. Dann gibt es da noch Michael Caine als zwielichtigen Multimillionär und Morgan Freeman als desillusionierter Fernsehstar, der von der Enthüllung von Tricks seiner Magier-Kollegen lebt.
Im Original heißt der Spaß Now You See Me (Now You Don't), und in der Tat geht es um doppelte Böden, Spiegeltricks und kunstvolle Ablenkung vom Wesentlichen. Nebenbei gibt es noch Verfolgungsjagden, Prügeleien und etwas charmantes Knistern in der amerikanisch-französischen Aufklärungsarbeit. Auf diese Achterbahnfahrt muß man sich einlassen, dann ist sie ein Riesenjux. Tiefgründiges darf man allerdings nicht erwarten - mit Christopher Nolans virtuosem Kunstwerk The Prestige haben Die Unfassbaren nur das Milieu gemeinsam. Das Drehbuch der Amerikaner Ed Solomon (Men in Black), Boaz Yakin (Prince of Persia) und Neuling Edward Ricourt bietet aber genug Schauwerte und Abwechslung für einen vergnüglichen Kinoabend.
Von den vier Magiern kommen Eisenberg mit seinem gut geölten Mundwerk und Harrelson als sarkastischer Hypnotiseur noch am besten weg - sie brillierten bereits gemeinsam in der wunderbaren Splatterkomödie Zombieland. Die alternden Oscarpreisträger Freeman und Caine sind in letzter Zeit eher durch Schlummern am Set in die Schlagzeilen gekommen und geben ihren Nebenrollen gerade genug Gravitas. Islas Fisher genügt leider nur der Frauenquote (sie kann mehr!), und Franco gibt (am wenigsten gelungen) den jungen Actionheld. Überhaupt scheinen die Actionszenen im Mittelteil recht überflüssig und nerven mit ihren schnellen Schnitten und übertriebener Akrobatik. Hier zeigen sich die Wurzeln des Regisseur Louis Leterrier in mäßigen französischen Actionfilmen, u.a. hat der Schüler Luc Bessons den zweiten Transporter-Film gedreht. Ironischerweise zeichnete er auch für das spektakulär gescheiterte Hulk-Reboot mit Edward Norton von 2008 verantwortlich; fünf Jahre später liefert er nun diese erfolgreiche Komödie mit dem aktuellen und überzeugendsten Hulk Mark Ruffalo ab.
Gelungene, kurzweilige Unterhaltung - Gut (7/10).
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Mittwoch, 17. Juli 2013
Sonntag, 14. Juli 2013
Am Numerus Clausus gescheitert: Die Monster-Uni (5/10)
Der Monster-Nerd Mike (Billy Crystal) und das Kuschelmonster Sully (John Goodman) sind an der Uni zunächst Rivalen und müssen sich dann zusammenraufen, um mit einem Team von Außenseitern einen Erschreckwettbewerb zu gewinnen. Zur Begrüßung erklärt Rektorin Hardscrabble (Helen Mirren): "Ich bin hier, um gute Studenten zu großartigen zu machen, nicht mittelmäßige zu weniger mittelmäßigen." Es folgen die üblichen Verwicklungen, mit einem Übermaß an Detailverliebtheit, einer Unzahl stereotyper Figuren und den zu erwartenden College-Klischees.
Der überlange Film zerfällt in einzelne mehr oder weniger gelungene Episoden, zu keiner Zeit stellt sich Spannung ein, geschweige denn ein Mitfiebern mit den Charakteren. Das Tempo schwankt zwischen überhastet und zäh. Welche Zielgruppe soll hier eigentlich angesprochen werden? An Kindern und Jugendlichen gehen die Studentenwitze doch vorbei, und junge Erwachsene kennen sie alle schon. Harmlosigkeit ist hier Programm.
Pixar, o Pixar, was ist bloß aus Euch geworden? Nach der per Autopilot erstellten Fortsetzung von Cars folgte mit Brave/Merida das erste enttäuschende Original in der Geschichte des Studios, und nun dieses überflüssige Prequel zur Monster-AG. Von Pixar erwarten wir, daß sie aus guten Stoffen großartige Filmerlebnisse zaubern. Die kommerzielle Ausschlachtung des Mittelmaßes können sie ruhig dem Mutterkonzern Disney überlassen (tatsächlich gibt es demnächst ausgerechnet zu Cars das Spinoff "Planes", von einer anderen Disney-Tochter produziert).
Am besten hat mir übrigens der Vorfilm "Der blaue Regenschirm" gefallen, auch wenn er nicht an frühere Glanzstücke des Studios heranreicht.
Erträglich (5/10).
Der überlange Film zerfällt in einzelne mehr oder weniger gelungene Episoden, zu keiner Zeit stellt sich Spannung ein, geschweige denn ein Mitfiebern mit den Charakteren. Das Tempo schwankt zwischen überhastet und zäh. Welche Zielgruppe soll hier eigentlich angesprochen werden? An Kindern und Jugendlichen gehen die Studentenwitze doch vorbei, und junge Erwachsene kennen sie alle schon. Harmlosigkeit ist hier Programm.
Pixar, o Pixar, was ist bloß aus Euch geworden? Nach der per Autopilot erstellten Fortsetzung von Cars folgte mit Brave/Merida das erste enttäuschende Original in der Geschichte des Studios, und nun dieses überflüssige Prequel zur Monster-AG. Von Pixar erwarten wir, daß sie aus guten Stoffen großartige Filmerlebnisse zaubern. Die kommerzielle Ausschlachtung des Mittelmaßes können sie ruhig dem Mutterkonzern Disney überlassen (tatsächlich gibt es demnächst ausgerechnet zu Cars das Spinoff "Planes", von einer anderen Disney-Tochter produziert).
Am besten hat mir übrigens der Vorfilm "Der blaue Regenschirm" gefallen, auch wenn er nicht an frühere Glanzstücke des Studios heranreicht.
Erträglich (5/10).
Samstag, 6. Juli 2013
Der Mann, der mir einen Abend stahl: Man of Steel (4/10)
Superman ist ja an sich ein recht langweiliger Superheld. Er ist praktisch unbesiegbar, immer freundlich und hat einen gigantischen Rettungskomplex. Interessant wird er nur durch das Mysterium seiner Herkunft und Identität und seine herzigen Versuche, sich in die menschliche Gesellschaft zu integrieren. Die berühmten Filme von 1978 und 1980 mit Christopher Reeve machten zwar Werbung mit den für damalige Verhältnisse erstaunlichen Tricks ("You will believe a man can fly"), lebten aber eher vom umwerfenden Charme des Hauptdarstellers und einer Inszenierung, die sich nie zu ernst nahm. Leider führte das in den Fortsetzungen in den 80ern dann zu peinlichem Slapstick und schließlich unfreiwilliger Komik schlimmster Form. Die Neuauflage von 2006 war konzeptionell ähnlich mittelmäßig, konnte zwar mit besseren Tricks aufwarten, jedoch mit Brendan Routh keinen würdigen Nachfolger präsentieren.
Jetzt mußte der Mann aus Stahl also die gleiche Reboot-Prozedur über sich ergehen lassen wie sein DC-Kumpel Batman (die Avengers und Spiderman hingegen entstammen dem Marvel-Universum). Das bedeutet dann: Die Aura des Geheimnisvollen wird durch Küchenpsychologie ersetzt, der Sense of Wonder durch bombastische Schlachten, die vielleicht naiven, aber immerhin nachvollziehbaren Kämpfe durch Orgien wilder Schnitte und krachender Explosionen. Und es gibt jetzt wahllos eingestreute Rückblenden, die dem unbedarften Zuschauer Tiefsinn suggerieren sollen. Wichtig bei der Besetzung der Hauptfigur ist die Fähigkeit, eindrucksvoll Trauer zeigen zu können, und natürlich die unvermeidliche Kerbe am Kinn. Den Namen Henry Cavill muß man sich nicht unbedingt merken.
So wird jetzt die allseits bekannte Superman-Saga auf den Kopf gestellt. Lois Lane (Amy Adams) erkennt gleich zu Beginn seine Identität. Die ganze Menschheit erfährt, daß er ein Alien von Krypton namens Kal-El ist, und jubelt ihm beim Kampf gegen die kryptonischen Verbrecher zu, Kryptonische Soldaten tragen eine unzerstörbare metallische Rüstung, ihr Kopf muß aber nicht extra geschützt werden. Die Zweikämpfe bestehen im wesentlichen daraus, daß einer der Opponenten Anlauf nimmt und wie eine Rakete in den anderen kracht. Nachdem dieses Doppelgeschoß ein paar Wolkenkratzer zerstört hat, bleibt an den Duellisten trotzdem kein Kratzer zurück. Nebenbei geht allerdings halb Metropolis zu Bruch, mit Millionen Opfern, die Superman aber offenbar alle egal sind. Zwischendurch rettet er mal willkürlich einen einzelnen Soldaten, während rings um ihn Hunderte andere zu Tode kommen. Als der General allerdings am Ende eine einzelne Familie bedroht, entdeckt Superman plötzlich seine Heldenseite wieder und bricht Zod fast mühelos das Genick. Parallel sehen wir, daß ansonsten offenbar nur die drei Kollegen vom Daily Planet das Chaos überlebt haben, ganz ohne Zutun des anderweitig beschäftigten Helden.
Die bisherigen Filme von Regisseur Zack Snyder zeichnen sich bereits durch Stumpfsinn, übertriebene Brutalität und peinliches Overacting aus. So hat er das Kunststück vollbracht, die vielschichtige, hochinteressante Comicvorlage "Watchmen" trotz eines eindrucksvollen Ensembles zu einem mittelmäßigen, überlangen Brei zu verarbeiten, Aufgrund des Erfolgs des Mann aus Stahl in den USA (die deutschen Kinobesucher waren deutlich zurückhaltender) droht nun eine Fortsetzung, die ihn immerhin über Jahre davon abhalten wird, anderen Unsinn zu verzapfen.
Das IMAX-Erlebnis im Berliner Sony-Center fand ich auch technisch recht enttäuschend. Die 3D-Effekte waren unauffällig, die Leinwand erschien nicht wesentlich größer als in anderen Sälen, und der Sound ließ jede Subtilität vermissen. Da man zudem eine spezielle 3D-Brille benötigt, war das ganze mit 18€ (im Online-Kauf) auch noch stark überteuert. Einige nette Szenen um die Nebendarsteller Kevin Costner, Diane Lane, Amy Adams, Harry Lennix (Dollhouse) und Richard Schiff (The West Wing) machten das ganze gerade noch erträglich (4/10).
Jetzt mußte der Mann aus Stahl also die gleiche Reboot-Prozedur über sich ergehen lassen wie sein DC-Kumpel Batman (die Avengers und Spiderman hingegen entstammen dem Marvel-Universum). Das bedeutet dann: Die Aura des Geheimnisvollen wird durch Küchenpsychologie ersetzt, der Sense of Wonder durch bombastische Schlachten, die vielleicht naiven, aber immerhin nachvollziehbaren Kämpfe durch Orgien wilder Schnitte und krachender Explosionen. Und es gibt jetzt wahllos eingestreute Rückblenden, die dem unbedarften Zuschauer Tiefsinn suggerieren sollen. Wichtig bei der Besetzung der Hauptfigur ist die Fähigkeit, eindrucksvoll Trauer zeigen zu können, und natürlich die unvermeidliche Kerbe am Kinn. Den Namen Henry Cavill muß man sich nicht unbedingt merken.
So wird jetzt die allseits bekannte Superman-Saga auf den Kopf gestellt. Lois Lane (Amy Adams) erkennt gleich zu Beginn seine Identität. Die ganze Menschheit erfährt, daß er ein Alien von Krypton namens Kal-El ist, und jubelt ihm beim Kampf gegen die kryptonischen Verbrecher zu, Kryptonische Soldaten tragen eine unzerstörbare metallische Rüstung, ihr Kopf muß aber nicht extra geschützt werden. Die Zweikämpfe bestehen im wesentlichen daraus, daß einer der Opponenten Anlauf nimmt und wie eine Rakete in den anderen kracht. Nachdem dieses Doppelgeschoß ein paar Wolkenkratzer zerstört hat, bleibt an den Duellisten trotzdem kein Kratzer zurück. Nebenbei geht allerdings halb Metropolis zu Bruch, mit Millionen Opfern, die Superman aber offenbar alle egal sind. Zwischendurch rettet er mal willkürlich einen einzelnen Soldaten, während rings um ihn Hunderte andere zu Tode kommen. Als der General allerdings am Ende eine einzelne Familie bedroht, entdeckt Superman plötzlich seine Heldenseite wieder und bricht Zod fast mühelos das Genick. Parallel sehen wir, daß ansonsten offenbar nur die drei Kollegen vom Daily Planet das Chaos überlebt haben, ganz ohne Zutun des anderweitig beschäftigten Helden.
Die bisherigen Filme von Regisseur Zack Snyder zeichnen sich bereits durch Stumpfsinn, übertriebene Brutalität und peinliches Overacting aus. So hat er das Kunststück vollbracht, die vielschichtige, hochinteressante Comicvorlage "Watchmen" trotz eines eindrucksvollen Ensembles zu einem mittelmäßigen, überlangen Brei zu verarbeiten, Aufgrund des Erfolgs des Mann aus Stahl in den USA (die deutschen Kinobesucher waren deutlich zurückhaltender) droht nun eine Fortsetzung, die ihn immerhin über Jahre davon abhalten wird, anderen Unsinn zu verzapfen.
Das IMAX-Erlebnis im Berliner Sony-Center fand ich auch technisch recht enttäuschend. Die 3D-Effekte waren unauffällig, die Leinwand erschien nicht wesentlich größer als in anderen Sälen, und der Sound ließ jede Subtilität vermissen. Da man zudem eine spezielle 3D-Brille benötigt, war das ganze mit 18€ (im Online-Kauf) auch noch stark überteuert. Einige nette Szenen um die Nebendarsteller Kevin Costner, Diane Lane, Amy Adams, Harry Lennix (Dollhouse) und Richard Schiff (The West Wing) machten das ganze gerade noch erträglich (4/10).
SF-Klassiker #2: What Mad Universe/Das andere Universum von Fredric Brown (1948)
Der Chefredakteur Keith Winton eines SF-Magazins wird eines Tages durch einen Unfall in ein offenbar alternatives Universum versetzt. Eigentlich ähnelt es seiner vertrauten Welt bis in viele Details - nun gut, bis auf eine globale Einheitswährung, die allgegenwärtigen, mit kaum mehr als Bikinis bekleidete Weltraumschönheiten, die violett bepelzten, zweieinhalb Meter großen Lunaner auf den Straßen und andere geringe Abweichungen. Es stellt sich heraus, daß bereits Anfang des Jahrhunderts die Raumfahrt erfunden wurde - auf der Basis falsch verdrahteter Nähmaschinen. Auf der Suche nach seinem Pendant in diesem verrückten Universum gerät Winton in New York in den Blackout aller Blackouts...
What Mad Universe kann man sowohl als spannendes Abenteuer wie auch als zum Schmunzeln anregende Satire auf die oft klischeehaften SF-Geschichten der 30er und 40er betrachten. Die Prämisse wird nicht überstrapaziert,das ganze ist in ca. 150 Seiten abgehandelt. Davon könnten heutige Autoren noch lernen. Überhaupt wirkt der Klassiker auch im 21. Jahrhundert frisch und kurzweilig. Browns Schreibstil ist flüssig und präzise, die strikte Beschränkung auf Winstons Perspektive sorgt für schnelle Identifikation mit der gut ausgearbeiteten Hauptfigur. Die Erklärung paralleler Universen war sicher auch im Entstehungsjahr recht naiv; darum geht es dem Autor aber nicht.
Fredric Brown (1906-1972) hinterließ nur fünf SF-Romane, veröffentlichte aber zwischen 1938 und 1965 unzählige Kurzgeschichten und dazu auch viele erfolgreiche Krimis. Obwohl er keine wesentlichen SF-Preise gewann, war und ist er im Genre hoch angesehen. Er war auf dem Worldcon 1996 in den Kategorien Kurzgeschichte und Novelette für den Retro-Hugo 1946 nominiert (jährliche Hugos gab es erst ab 1955).
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