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Sonntag, 26. Januar 2014

Realistisches Sklavendrama: 12 Years a Slave (8/10)

Dies ist so ein Film, nach dem man sich schämt, ein Mitglied der menschlichen Rasse zu sein. Nachdem letztes Jahr bereits Tarantino (opernhaft überhöht) und Spielberg (als leicht trockenes Politikdrama) die historische Bürde der Sklaverei angingen, steuert der 44jährige Steve McQueen mit 12 Years a Slave nun den vielleicht realistischsten Beitrag zu diesem Thema bei. Basierend auf den 1853 veröffentlichten Erinnerungen von Solomon Northup, der durch üble Profiteure aus seiner bürgerlichen Existenz herausgerissen und in die Sklaverei verkauft wurde, erzählt der Film genau diese zwölf Jahre, nur durch wenige Rückblenden zum glücklichen Familienleben davor unterbrochen.

Eine realistische Darstellung ist natürlich nur bis zu einem gewissen Grad möglich. Wieviele Demütigungen und Auspeitschungen kann der Zuschauer ertragen, bis er abstumpft? Effektiver ist die unterschwellige Bedrohung, die durch Willkürakte der weißen Aufseher geschürt wird. Besonders in Erinnerung bleibt eine nicht enden wollende Szene, in der Solomon zur Strafe am Hals aufgehängt wird, so daß er gerade noch mit den Zehenspitzen am Boden balancieren und sich so vor dem Ersticken bewahren kann. Fast schlimmer als seine Qual ist es zu beobachten, wie im Hintergrund das Plantagenleben seinen gewohnten Gang geht, bis ihm schließlich eine Mitsklavin hastig einen Schluck Wasser zu trinken gibt.

Chiwetel Ejiofor (der Operative aus Serenity) in der Hauptrolle ist eindrucksvoll, vermag aber keinen durchgängigen roten Faden durch die Handlung zu vermitteln. Es mag die Schuld des Drehbuchs des vorwiegend fürs Fernsehen tätigen John Ridley sein, daß der Film in seine einzelnen Episoden zerfällt, ohne den Verlauf der Jahre so recht sichtbar zu machen. Die Rückblenden sind zudem etwas unbeholfen integriert. Loben muß ich einmal die Musik von Hans Zimmer, der oft in vorhersehbarem Bombast schwelgt, hier aber einen sehr atmosphärischen Beitrag liefert.

Bei den weißen Sklaventreibern sind verschiedene Schattierungen vertreten, vom moderaten Ford (Allzweckwaffe Benedict Cumberbatch), der immerhin Skrupel hat und Solomon eher wie einen Preishengst behandelt, zu den Sadisten Tibeats (Paul Dano, seit Little Miss Sunshine erwachsen geworden) und insbesondere Edwin Epps (McQueens bevorzugter Darsteller Michael "Magneto" Fassbender mit seiner überfälligen ersten Oscar-Nominierung), dessen Wutausbrüche in ihrem Schrecken nur noch von der Kaltblütigkeit seiner Frau (Sarah Paulson) übertroffen werden. Die Oscar-Nominierung für die junge Lupita Nyong'o als Patsey scheint mir mehr der Quote geschuldet, ohne ihre mutige und kompetente Leistung mindern zu wollen.

Den Amerikanern tut es sicher gut, regelmäßig an ihre Schandtaten erinnert zu werden. 12 Years a Slave ist ein würdiger Beitrag in der Tradition von Spielbergs Amistad und Jonathan Demmes Morrison-Verfilmung Menschenkind/Beloved, kann aber nicht das letzte Wort zu diesem Thema sein und vermag dieses auch nicht recht in einen zeitlosen Zusammenhang zu übersetzen. Trotzdem Sehr gut (8/10).

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