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Sonntag, 19. Januar 2014

Überschätzter Kritikerliebling: Nebraska (5/10)

Alexander Payne, Jahrgang 1961, hat früh in seiner Karriere drei tolle Romanadaptionen (mit seinem Kollegen Jim Taylor) geschrieben und  inszeniert:
  • Election (1999, 8/10, mit Reese Witherspoon)
  • About Schmidt (2002, 8/10, mit Jack Nicholson) 
  • Sideways (2004, 9/10, mit Paul Giamatti, Thomas Hayden Church und Virginia Madsen). 
Scheinbar geht ihm jetzt aber langsam das passende Material aus. The Descendants von 2011 mit George Clooney war eine recht konventionelle Familiengeschichte. Das Originaldrehbuch des spätberufenen Neulings Bob Nelson zu Nebraska paßt leider nur geographisch zu ihm. Die Reise von Vater und Sohn durch den drögen Mittelwesten der USA bietet weder Überraschungen noch charakterliche Tiefen. Die meisten Figuren sind humorlos unsympathische Zerrbilder. Die grobkörnigen Schwarzweißbilder empfand ich weniger als kunstvoll denn als anstrengend und trüb.

Der 77jährige Hauptdarsteller Bruce Dern (Vater von David-Lynch-Muse Laura Dern) hat eine wechselhafte Karriere hinter sich, mit Nebenrollen für Kazan und Pollack in den 60ern und in der Gatsby-Verfilmung von 1974 sowie als  Höhepunkt die Oscar-Nominierung für Sie kehren heim (1979). Seltene Hauptrollen bekam er im genreprägenden Lautlos im Weltall (1972) und Hitchcocks Schwanengesang Familiengrab (1976). Nach einem Cameo in Tarantinos Django Unchained ergatterte er nun eine weitere Oscar-Nominierung (Favoriten sind aber McConaughey und DiCaprio). Bruce Dern hat eine immense Präsenz und berührt als wortkarger, altersverwirrter Woody Grant durchaus, aber für eine Glanzleistung ist das Drehbuch zu dürftig.

Bruce und Laura Dern



Der Jubel über Nebraska ist für mich ein typisches Beispiel für die Entfremdung besonders amerikanischer Kritiker vom gesunden Menschenverstand. Beim AFI unter den zehn herausragenden Filmen des Jahres, bei den Oscars einer von acht nominierten besten Filmen, ist dies für mich die erste Enttäuschung des Jahres. Annehmbar (5/10).

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