In "Gravity" läßt sich George Clooney lieber allein ins Weltall treiben, als Zeit mit einer Frau seines eigenen Alters zu verbringen.
Tina Fey (30 Rock) und Amy Poehler (Parks and Recreation) sind die Stars moderner Komödien, die Witze oft im Sekundentakt bringen. Das denke man sich nun in Zeitlupe politisch korrekt verharmlost, dann hat man einen ungefähren Eindruck der Anfangsmoderation, in der obiger Spruch noch das Highlight war. Im Laufe des Abends kam noch ein guter Gag hinzu - Julia Louis-Dreyfus (Seinfeld), erstmalig für einen Kinofilm (!) nominiert, saß zu Beginn des Abends in herrlicher Arroganz bei den "Kinostars". Nachdem Amy Adams in dieser Kategorie gewonnen hatte, kehrte sie reumütig zum Katzentisch der Fernsehsternchen zurück.
![]() |
| Jacqueline Bisset |
Die "Golden Globes" sind diese merkwürdige Show ohne Schau, in der unzählige Stars und Sternchen in 25 Kategorien Preise anmoderieren; die Nachfrage ist so groß, daß manchmal drei Präsentatoren gleichzeitig auf der Bühne stehen. Aufgrund der Aufteilung Drama vs. Komödie/Musical und Kino vs. TV gibt es für die aus ca. 80 internationalen Reportern bestehende Jury reichlich Gelegenheit, Alt- und Jungstars zu hofieren, "Kunst" zu würdigen und Kommerz zu belohnen. Ein gefühltes Drittel des Abends verbringt man damit, die Moderatoren und Preisträgern auf dem komplizierten Gang zur Bühne zu beobachten (die Zuschauer sitzen an kleinen Tischen, an denen reichlich Alkohol fließt). Da stöckelt so manche junge Schauspielhoffnung lahm daher, während Altstars schon mal einen Sprint einlegen. Den Vogel schießt Emma Thompson ab, die mit ihren Designerschuhen in der einen und dem Champagnerglas in der anderen Hand anmoderiert und dann keine Hand für den Umschlag mit dem Gewinner frei hat.
![]() |
| Drew Barrymore |
Den Preis für das unvorteilhafteste Kleid heimste Drew Barrymore ein; die peinlichste Rede hielt die 69jährige, offenbar angesäuselte Jacqueline Bisset, die wohl (zu Recht) nicht mit dem Gewinn gerechnet hatte und eine Minute lang kein Wort herausbrachte, bevor sie ein paar unzusammenhängende Danksagungen und Altersweisheiten von sich gab. Jon Voigt zog aus seiner Nervosität bei seinem vierten Gewinn im 74. Lebensjahr immerhin noch einen Trost für die jüngeren Kollegen ("I'm nervous too, you know!"). Die beste Rede hielt überraschend der 43jährige Matthew McConaughey, bisher eher in Surferrollen mit Blick auf seinen Waschbrettbauch aufgefallen, jetzt aber zunehmend eine dynamische Präsenz auf der Leinwand. Sein energischer Vortrag hatte Verve und Struktur, ohne überprobt zu wirken.
![]() |
| Matthew McConaughey |
Woody Allen, Cecil-B.-DeMille-Preisträger des Abends, überstrahlte in konzentrierter Abwesenheit die meisten der körperlich anwesenden Kollegen. Cate Blanchett gewann mit ihrem Globe für die Hauptrolle in Blue Jasmine ungefähr den zillionsten Preis für eine Darstellerin in seinen kaum 50 Filmen. Quasi als Bookends seines bisherigen Werks trug Emma Stone (Star seiner kommenden romantischen Komödie Magic in the Moonlight) eine kurze, prägnante Laudatio vor, während nach der obligatorischen und trotzdem unterhaltsamen Werkschau Woodys erste Muse und immer noch gute Freundin Diane Keaton die höchste Auszeichnung der HFPA für den Meister annahm und einen zur Gelegenheit gut passenden Spruch zitierte:
Ich möchte nicht in Ewigkeit weiterleben in meinen Werken, ich möchte in Ewigkeit weiterleben in meiner Wohnung.
Die eigentlichen Preise zu beurteilen fällt mir schwer, denn man hat in Deutschland (wie üblich) bis jetzt kaum Gelegenheit gehabt, die nominierten Werke in Kino oder Fernsehen zu erleben. Erfreulich der Regiepreis für Alfonso Cuarón (Gravity). Beste Komödie wurde American Hustle von "Silver-Linings"-Regisseur David O. Russell, bestes Drama Steve McQueens 12 Years a Slave, das immerhin kommende Woche in Deutschland anläuft (zur Unterscheidung zum toten Actionstar sei erläutert: dieser Steve McQueen ist schwarz, rundlich und gerade mal 42 Jahre alt). McQueens vorherige Arbeit Shame hat mir sehr gut gefallen; seine Filme sind allerdings schwere Kost. Freuen kann man sich auf den Gewinner des Drehbuchpreises, Her (Spike Jonze - Regisseur von Being John Malkovich), der hier erst im März zu sehen sein wird. Der Gewinner für die "Beste Hauptrolle/Komödie", Leonardo DiCaprio, fühlte sich in dieser Kategorie etwas fremd, dankte aber freundlich seinen Mitkomikern aus Scorseses neuer Tour de Force, The Wolf of Wall Street. Übrigens ohne Preis, aber mit viel Charme eroberte seine Leading Lady Margot Robbie zumindest mein Herz (sie war schon der beste Grund, die gescheiterte Serie PanAm anzuschauen, wo sie erfahrenen Kolleginnen wie Christina Ricci die Show stahl).
![]() |
| Margot Robbie und Jonah Hill |
Im Fernsehbereich gab es dann die erwarteten Preise für die Abschlußstaffel von Breaking Bad (bestes Drama). Hauptdarsteller Bryan Cranston bedankte sich bei allen, die dieser so lustigen und fröhlichen Show die Treue gehalten hatten; der gleiche Grund, aus dem ich die Serie nach dem Piloten nicht weiter verfolgt habe. Als Komödie gewann das völlig unbekannte Brooklyn 9-9, als Darstellerin konnte Moderatorin Amy Poehler mit ihrer Kollegin Tina Fey gleichziehen, die auch schon einen Globe zu Hause hat.
![]() |
| Bryan Cranston |
Irgendwas vergessen? Bestimmt - Schwamm drüber. Die ausgezeichneten Filme finden sich bestimmt auch unter den Oscar-Kandidaten, das Feld bei den Schauspielern scheint mir noch weit offen. Meryl Streep war zum 27. Mal nominiert, hat aber nur achtmal gewonnen. Jennifer Lawrence wird schon irgendwas absahnen, diesmal war es der Globe für die beste Nebenrolle. Die Leute mit den unaussprechlichen Namen sind auch noch nicht aus dem Rennen: Chiwetel Ejiofor, Barkhad Abdi, Lupita Nyong'o, Tam Honks, ...Disney hat dieses Jahr mit dem unglaublich erfolgreichen Die Eiskönigin/Frozen eine noch bessere Chance als letztes Jahr, endlich mal Pixar zu schlagen. Am Donnerstag wissen wir mehr, dann werden die Oscar-Nominierungen bekanntgegeben.








Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen