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Sonntag, 27. September 2015

Gut gemacht: True Detective (Staffel 1)

Der Kritikerliebling True Detective gehört zumindest in der ersten Staffel zu den Serien, bei denen die Fans ihrem Namen gerecht werden und diese fantatisch verteidigen. Zu den 1-Stern-Kritiken auf Amazon beispielsweise finden sich haufenweise unverschämte Kommentare, in denen den dummen, ignoranten oder fehlgeleiteten Rezensenten erklärt wird, warum sie sich irren. Es ist überhaupt schwer, eine begründete negative Kritik zu finden. Die Lobhudelei ist wie eine Lawine, von der selbst vorsichtige Einwände überrollt werden. Dabei haben selbst anspruchsvolle Zuschauer das Recht, eine Serie nicht zu mögen und dies auch auszusprechen. Fernsehserien unterliegen ja viel stärker als Kinofilme dem subjektiven Eindruck, und bei den Kritiken gibt es zudem ein unumgängliches Paradox: Entweder man beschränkt sich auf die Besprechung des Piloten oder der ersten paar Folgen, oder man muß sich durch die komplette Staffel quälen, um eine abgerundete Meinung darlegen zu können.

Bei True Detective hält sich der Aufwand immerhin in Grenzen, da es sich um acht einstündige Episoden handelt, die ähnlich wie bei Sense8 ein erzählerisches Ganzes ergeben und anders als dort sogar in sich abgeschlossen sind - die zweite Staffel soll eine völlig neue Geschichte mit frischen Figuren und Darstellern erzählen (und kam nicht mehr so gut an). Hier also meine bescheidene Meinung dazu: Ich fand das nicht so doll. Woody Harrelson und der frischgebackene Oscar-Gewinner Matthew McConaughey sind zwar stets sehenswert. Auch Ausstattung, Kameraführung und sonstige schauspielerische Leistungen sind erste Sahne. Ich bin auch nicht (wie manche andere) eingeschlafen vor Langeweile, aber inhaltlich gibt es eine Menge Probleme:
  •  Die komplizierte Erzählstruktur erfüllt im Nachhinein keinen Zweck außer der Erzeugung von künstlicher Spannung. Die beiden interviewenden Polizisten in der "Gegenwart" bleiben Staffage, sie haben schlußendlich mit der Aufklärung nichts zu tun.
  • Es wird eine Verschwörungstheorie postuliert und verfolgt. Am Ende mag es eine solche Verschwörung gegeben haben, in der Auflösung wird aber lediglich ein dritter Täter dingfest gemacht. Das ist für mich Verrat am Zuschauer.
  • Die hochgelobten Charakterisierungen bleiben für mich fragmentarisch, vor allem die des Familienvaters Marty. Die Darstellung der Beziehung zu seinen Töchtern fand ich nicht mehr elliptisch, sondern nur noch kryptisch.
  • Rusts "philosophische" Monologe wirbeln nur altbekannte Klischees auf. Alles wiederholt sich? Wir sind doch nicht im Wheel of Time!
Hier kommt mein Haupteinwand: Wem soll das denn Spaß machen? Wie kann man Freude an den schönen Bildern von Louisiana haben, wenn doch die Geschichte über Kindesentführungen, Folterungen, Morde und gescheiterte Existenzen derart deprimierend geraten ist? Schöpfer Nic Pizzolatto (er schrieb alle acht Folgen) möchte in der Tradition von Twin Peaks stehen, hat aber offenbar nur die düstere Seite dieser bahnbrechenden Show in Erinnerung, nicht aber den Kaffee, den Kirschkuchen und die Donuts, die kleinen Triumphe und die großen Erfolge, das erotische Knistern und den Herzschmerz, die Doppelbödigkeit und die Bodenständigkeit, die Sympathen und die Ekel, den Riesen und den tanzenden Zwerg...

Für mich ist True Detective damit leider nur ein schwarzes Loch am Firmament (wer die Staffel bis zum Ende verfolgt hat, wird den Bezug verstehen).

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