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Sonntag, 13. März 2016

Enttäuschung: Ken Lius "The Grace of Kings"

Der in China geborene Ken Liu, Jahrgang 1976, lebt seit seinem zwölften Lebensjahr in den USA und hat in den letzten Jahren mit seinen Kurzgeschichten etliche Preise gewonnen, darunter 2012 und 2013 jeweils den Hugo. Für "The Paper Menagerie" gewann er zusätzlich einen Nebula und einen World Fantasy Award. Liu hat den letztjährigen Hugo-Gewinner für den Besten Roman ins Englische übersetzt: The Three-Body Problem von Xixin Liu.

Nachdem sein Romandebut in diesem Jahr prompt für den Nebula der amerikanischen Autorenvereinigung SFWA nominiert wurde, war ich schon sehr gespannt auf diesen ersten Band einer Fantasy-Reihe mit dem Anspruch, chinesische und amerikanische Einflüsse zu verarbeiten. Leider ist "The Grace of Kings" eine ziemliche Enttäuschung. Bei diversen Rezensionen auf amazon.com, z.B. hier, kann man nachlesen, dass es sich im wesentlichen um die Nacherzählung des Werks eines berühmten Historikers handelt. Das ist durchaus legitim, die Verarbeitung der Artus-Legende durch T.H. White in "The Once and Future King" etwa ist auch 70 Jahre nach seiner Entstehung noch ein lesenswerter Klassiker der Fantasy-Literatur. Dazu darf die Ausführung aber nicht derart schwach geraten. Der Handlungsaufbau dieses ersten Bandes der "Löwenzahn"-Reihe ist unbeholfen, der Erzählfokus wechselt unmotiviert zwischen einigen als Hauptpersonen etablierten Figuren und zahlreichen Nebencharaktere. Es gibt viel zu viel direkte Exposition, anstatt die Welt durch die Augen der Protagonisten zu zeigen. Man begegnet einer Figur, ihr Hintergrund wird in einigen Sätzen skizziert, und im Extremfall führt das zur Erwähnung einer weiteren Figur, die nun in einigen weiteren Sätzen beschrieben wird. Das macht das Lesen mühsam, und keine der Figuren konnte mein Interesse halten. Dazu kommen gestelzte Dialoge, die mir schon in The Three-Body Problem aufgefallen waren. Das ist mir in der von Joel Martinsen übertragenen Fortsetzung nicht so aufgestoßen, die insgesamt einen besseren Sprachfluss hat.

Vielleicht war meine Erwartungshaltung zu hoch, vielleicht war ich zu ungeduldig, jedenfalls habe ich nur ein Viertel des Buches (etwa 100 Seiten) geschafft, bevor ich es aufgegeben habe. Warum ausgerechnet die Autorenkollegen mit ihrer Nebula-Nominierung solche Begeisterung zeigen, ist mir unklar, vielleicht sind sie auf den für sie exotischen Weltenaufbau reingefallen. Für den diesjährigen Hugo werde ich diesen Roman jedenfalls nicht vorschlagen.

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