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Samstag, 11. Juni 2016

Gar nicht so lieb: Nice Guys (7/10)

So nett sind Jackson (Russell Crowe) und Holland (Ryan Gosling) am Anfang gar nicht. Jackson ist ein Auftragsschläger, der immerhin auch mal Stalker junger Frauen vergrault, Holland ein schmieriger Privatdetektiv, der auch schon mal im Auftrag einer Witwe deren verschollenen Mann sucht, dessen Urne er längst auf dem Kaminsims gesichtet hat. Die beiden sind mindestens so verschieden wie Riggs und Murtaugh. Beim Kennenlernen verpaßt Jackson Holland erst mal eine Drehfraktur des Ellbogens, damit dieser die Suche nach Amelia aufgibt. Kurze Zeit später kassiert Jackson wegen der gleichen Amelia ebenfalls Prügel, mit Folgen. Im Land der Auftragskiller sind die Kleinganoven dann plötzlich die netten Kerle. Amelia ist übrigens eher ein schwer durchschaubarer McGuffin, immerhin ein recht attraktiver, wenn wir sie endlich mal (kurz) zu Gesicht bekommen.



Shane Black, der Erfinder der stahlharten Profis, war in den 80ern ein angesagter Drehbuchautor, aber in den 90ern floppten mehrere seiner teuren Drehbücher in den Händen mehr oder weniger inkompetenter Regisseure und Produktionsfirmen. Sein Comeback hatte er erst 2005 mit der herrlichen, respektlosen Krimikomödie Kiss Kiss Bang Bang, die er erstmalig (und mit großem künstlerischen, wenngleich nicht kommerziellem Erfolg) selbst inszenierte. Seinem Hauptdarsteller Robert Downey Jr. stellte er damit die Weichen für seine Paraderolle als Iron Man, und der bedankte sich später mit dem Regieauftrag für die zweite Fortsetzung des Marvel-Hits. Inzwischen hatte Black gelernt, Kompromisse zugunsten des irrationalen Studiosystems zu akzeptieren, und so schrieb er zähneknirschend die den Mandarin kontrollierende Oberschurkin zu einem Mann um, da laut Marvel "weibliche Actionfiguren bei der Jugend nicht ankommen". Wieviele Figuren von Guy Pierce als Dr. Killian dann verkauft wurden, ist nicht herauszufinden. Mich würde da eine andere Inkarnation des smarten Australiers reizen: Priscilla, Queen of the Desert...

Attraktiver McGuffin: Margaret Qualley


Zurück zu den Nice Guys! Es ist erst die dritten Regiearbeit des 54jährigen Actionspezialisten, für die er gemeinsam mit seinem Kumpel Anthony Bagarzozzi das Drehbuch verfaßte. Obgleich eine ähnliche Mischung von Action, Thriller und Komödie, hat sie mich nicht genauso umgehauen wie vor zehn Jahren Kiss Kiss Bang Bang. Ich fand es etwas schwer, mich an den ständigen Wechsel zwischen Detektivarbeit (mit Anklängen an Rockford - Anruf genügt), Slapstick-Action und tragischen Untertönen zu gewöhnen, die wohl an Polanskis ultimativ-zynischen 70er-Jahre-Noir Chinatown erinnern sollten. Kim Basinger ist allerdings weder so perfide noch so eindrucksvoll wie John Huston, punktet dafür auch mit gut 60 Jahren noch mit umwerfender Schönheit.



Die Geschichte spielt übrigens wie die genannten Vorbilder in den 70ern, untermalt von einem handverlesenen Soundtrack mit u.a. Kiss, Earth Wind & Fire und (seltsam passend) Americas Horse With No Name, und liebevoll ausgestattet mit den zugehörigen wilden Frisuren und bunten Outfits. Es geht nicht um Wasserrechte, sondern um Umweltverschmutzung, und der Schlüssel zur Verschwörung ist ausgerechnet ein Pornofilm: How do you like my car, big boy? Es ist jetzt schwer zu erklären, wie da Hollands 13jährige Tochter reinpaßt, aber die von der australischen Entdeckung (und wahrscheinlich etwas älteren) Angourie Rice gespielte Holly ist die pfiffigste Figur des Films und gleichzeitig eine Art moralischer Kompaß für die beiden Helden, und den können sie auch gut gebrauchen.



Übrigens bin ich nicht durchgängig ein Fan von Crowe und Gosling, aber hier passen sie ganz gut. Beide sind mimische Minimalisten, aber als Archetypen sind sie glaubwürdig und durchaus sympathisch. An Coolness werden sie allerdings nicht nur von Holly, sondern auch von Matt Bomers kaltblütigem Attentäter John Boy übertroffen - kein Wunder bei diesem Namen!



Ich bin gespannt, wieviel Spaß der Film beim Wiedersehen machen wird. Allein schon wegen des schmierigen Milieus, der moralischen Grauzone und der Fluchfrequenz haben es die Nice Guys gerade in den USA schwer, ihr Geld wieder einzuspielen - die FSK16-Einstufung bei uns ist vollkommen gerechtfertigt, aber Kultpotential ist vorhanden. Erstmal bleibe ich bei einem Gut (7/10).

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