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Samstag, 11. Juni 2016

Die Hugo-nominierten "Dramatischen Präsentationen"

Bei der Langform haben sich die erwarteten Publikumslieblinge durchgesetzt. Für meine Nominierung der ersten Staffel von Sense8 hatte ich ohnehin keine großen Hoffnungen. Hier meine Abstimmungsreihenfolge:
  1. Ex Machina
    Es ist so selten, dass einmal "reine" SF ohne Action verfilmt wird. Daher ist dies mein Favorit, obwohl mir die Avengers schon besser gefallen haben.
  2. Avengers: Age of Ultron
  3. Star Wars: The Force Awakens
    Die Macht der Masse könnte allerdings diesem nostalgischen Weltraumabenteuer zum Sieg verhelfen.
  4. No Award
  5. The Martian
    Wenn ich tippen müsste, dann leider auf diese Weltraumkartoffelanbaukomödie. Der Buchautor Andy Weir ist zusätzlich für den Campbell-Award als bester neuer Autor nominiert.
  6. Mad Max: Fury Road
    Dieses Action-Spektakel gewann tatsächlich bereits den Nebula.

Obwohl im Fernsehen heute mehr phantastische Serien als je zuvor zu sehen sind, vor allem aufgrund der technischen Möglichkeiten, geht diese Schwemme zunehmend auf Kosten der Qualität. Allein CW hat jetzt mit Arrow, Flash, Supergirl und Legends of Tomorrow vier zunehmend beliebige Superhelden-Reihen im Programm. Da bin ich schon froh über die mäßig vor sich hindümpelnden Agents of Shield, die immerhin nachvollziehbare Charaktere zu bieten haben. Dazu gibt es Zombie-Serien (The Walking Dead, iZombie),  Vampir-Serien (The Vampire Diaries, The Originals) und Mischungen (The Strain). Ferner kamen diese Saison etliche Rohrkrepierer des Fantasy-Genres, am schlimmsten vielleicht MTVs Die Shannara Chronicles, wo die ohnehin mittelmäßige Fantasy von Terry Brooks auf das Balzverhalten von Teenagern reduziert wurde (was allerdings einen hohen unfreiwilligen Unterhaltungswert hat).



Gleiches gilt übrigens im SF-Bereich für The 100. Auch die weiteren Versuche im Science-Fiction-Genre sind m.E. gescheitert. Punkte für den Versuch, erwachsene SF auf die Bildschirme zu bringen, gebe ich immerhin für The Expanse, die Verfilmung einer Romanreihe von James S.A. Corey (=Daniel Abraham und Ty Franck), deren erster Band 2012 für einen Hugo nominiert war. Aber weder die Vorlage noch die (bald in die zweite Staffel gehende) Fernsehserie konnten mich begeistern. Ich vermisse Lost und Galactica, und sogar die Leichtgewichte Eureka und Warehouse 13. Selbst über Orphan Black hätte ich mich gefreut, auch wenn die dritte Staffel kein Highlight wie die zweite zu bieten hatte. Leider läuft selbst Person of Interest in diesen Tagen aus - während Sleepy Hollow verlängert wurde, das nur noch ein Schatten eines Schattens seiner ersten Staffel darstellt; und das, bevor die sympathische Nicole Beharie, die Hauptdarstellerin (!), gefeuert wurde!



Ob es nun an der Puppies-Kampagne oder allgemeinem Desinteresse liegt - meine Kandidaten aus den für mich einzigen herausragenden Genre-Serien des letzten Jahres gehen gar nicht erst ins Rennen. Bei Sense8 wird es einfach noch dauern, bis Netflix genug Fans mobilisiert hat (Staffel 2 ist in Produktion, allerdings wohl ohne Tykwer, der sich um seine eigene Serie kümmert, und ohne Andy Wachowski, den wohl sein beschämendes Zwangsouting durch die Medien zu schaffen macht).



Aber kein Game of Thrones? Auch wenn die fünfte Staffel ihre Probleme hatte, insbesondere im Handlungsstrang um Dorne und in einigen überhasteten Entwicklungen, so bot Hardhome doch die beste Fernsehstunde von 2015 (in diesem Jahr konnte mich bereits die fünfte Episode, The Door, zu Tränen rühren). Und Dorne ist vielleicht einfach missverstanden worden, wie diese Neuinterpretation zeigt:



Genug gejammert, hier mein Stimmzettel für die Kurzform:
  1. No Award
  2. Grimm S04E21 Headache Ich habe immer noch Spaß an dieser Mystery-Serie, auch wenn zwischenzeitlich der Seifenoperanteil zu hoch geriet. Und die Kapriolen, um den Zuschauern Bitsie Tulloch (Juliette) doch noch schmackhaft zu machen, gehen auf keine Wesenhaut. But along comes Trubel! Übrigens bin ich es so leid, dass um des Twists wegen verstorben geglaubte Elternteile oder Familienangehörige wieder auftauchen! Diese Art Faulheit im Autorenteam sollte zensiert werden. Schuldig u.a.: Chuck, Hawaii Five-0, Arrow, und zuletzt Stitchers (auch so eine Serie mit hübsch anzusehenden wandelnden Klischees Anfang 20). Für sich betrachtet ist jedenfalls Episode 21 nichts besonderes, auch wenn ich Sergeant Wu mag.
  3. Jessica Jones S01E13 aka Smile
    Nach Daredevil konnte es ja wohl nicht düsterer werden, oder? Fehlanzeige - die an sich gar nicht so schlecht besetzte Netflix-Schwesterserie ist nachgerade deprimierend. Das ist natürlich eine persönliche Meinung, aber von Superhelden erwarte ich wenigstens ein bißchen Spaß - dann kann ich auch über alberne Grundsituationen und Handlungslöcher hinwegsehen. Als Bösewicht macht Doctor Who emeritus David Tennant trotzdem eine gute Figur.
  4. Supernatural S11E08 Just My Imagination
    Die übernatürliche Serie um die beiden Winchester-Brüder läuft jetzt bereits länger als dereinst Smallville. Beide habe ich nach drei Staffeln aufgegeben. Also wirklich, wieviele Variationen gibt es bei lediglich zwei Hauptfiguren? Bereits im dritten Jahr hatte Dean zur Rettung von Sam seine Seele verkauft, und Sam musste BUCHSTÄBLICH in die Hölle hinabsteigen und sich mit Teufeln herumschlagen, um diese überhastete Transaktion rückgängig zu machen. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, welchen Unfug sich die Autoren seitdem noch ausgedacht haben. Dabei könnte mich als Atheist das wörtlich genommene biblische Weltbild vielleicht sogar amüsieren - wenn es nicht so unglaublich dröge wäre...
  5. Doctor Who S09E11 Heaven Sent
    Es gibt sicher auch unterhaltsame Folgen dieses Dauerbrenners, aber für den Hugo wird offenbar Jahr für Jahr zielsicher die langweiligste Episode ausgesucht. Diese hat nicht mal die hübsche Begleiterin des Doktors zu bieten, und die zugrundeliegende Idee ist weder besonders clever noch irgendwie plausibel. Hatte ich erwähnt, dass ich mit Peter Capaldi gar nichts anfangen kann?
  6. My Little Pony: Friendship Is Magic S05E01+2 “The Cutie Map” Parts 1 and 2
    I KID YOU NOT! Diese höchstens für Sechsjährige geeignete Zeichentrickserie hat offenbar in den USA einen aktiven Fankreis von jungen Männern jenseits der 20, die sich "Bronies" nennen. Von der nominierten Doppelfolge konnte ich gerade zehn Minuten ertragen. Sie hat allerdings eine klare Botschaft: Kommunismus ist BÖSE! Und SCHLECHT! Und ÜBEL!

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