Suche im Blog

Sonntag, 19. Juni 2016

Die Hugo-nominierten Novellen

Zwar standen auch die meisten nominierten Novellen in der Puppy-Vorschlagsliste, aber natürlich hat niemand die Autoren vorher gefragt. Ich versuche also, meine Abstimmungsreihenfolge rein von der Qualität leiten zu lassen.

  1. Binti (Nnedi Okorafor)
    Binti, die junge Ich-Erzählerin dieser ungewöhnlichen Novelle, gehört einem traditionell geprägten namibischen Stamm an, löst sich aber von ihren Wurzeln, als sie aufgrund ihrer brillanten mathematischen Fähigkeiten ein Stipendium für die galaktische Universität bekommt. Als ihr Raumschiff auf dem Weg dorthin von Aliens angegriffen wird, scheint sie als einzige vermitteln zu können...
    Okorafor, die Tochter nigerianischer US-Einwanderer, gewann hierfür bereits den Nebula. Die Geschichte selbst ist etwas einfach gestrickt, aber der kulturelle Hintergrund macht daraus ein interessantes, durchaus preiswürdiges Erlebnis.
  2. Penric's Demon (Lois McMaster Bujold)
    Bujold ist nie weniger als eine meisterhafte Erzählerin, was sie auch in dieser wohlkonstruierten, wenngleich etwas konfliktarmen Geschichte beweist. Sie ist in der gleichen Welt angesiedelt wie ihr erster von zwei Fantasyzyklen, die sie neben ihrer Vorkosigan-Saga veröffentlicht hat (und für deren zweiten Band sie 2004 einen ihrer vier Hugos für den Besten Roman einheimsen konnte). Ein Gewinn für diese (für ihre Verhältnisse) leichte Fingerübung wäre wohl etwas übertrieben.
  3. No Award
  4. Perfect State (Brandon Sanderson)
    Sanderson ist der Star der jüngeren Fantasy-Szene, und im Gegensatz zu Altmeister George R.R. Martin ist er ein Vielschreiber. Dabei wächst die Qualität seiner Werke mit ihrer Länge - so warte ich schon sehnsüchtig auf den dritten Band seines Opus Magnum, der Stormlight-Saga. Aber selbst auf Novellenlänge war er schon besser - Perfect State ist eine Mischung aus SF und Fantasy, die eine nette Idee recht oberflächlich (aber immer noch unterhaltsam) verarbeitet.
  5. Slow Bullets (Alastair Reynolds)
    Reynolds ist ein profilierter britischer Autor von Hard SF und Space Opera. Die vorliegende Erzählung aus Sicht einer Soldatin in einer fernen Zukunft bietet wenig Überraschungen. Die Figuren sind oberflächlich bis unglaubwürdig gezeichnet. Insbesondere vermisse ich bei der Hauptfigur eine weibliche Perspektive.
  6. The Builders (Daniel Polanski)
    Diese wenig fabelhafte Fabel ist ein derbes militärisches Garn, bei dem Menschen durch Kleintiere ersetzt wurden. Das erzeugt leider mehr Klischees, als es bei menschlichen Protagonisten möglich gewesen wäre. Vor allem Ratten wären sicher entsetzt davon, als welch üble Burschen sie vom Autor charakterisiert werden. Hauptfiguren sind u.a. eine Maus, eine Klapperschlange, ein Salamander, eine Eule und ein Stinktier. Herrscher des mexikanisch anmutenden (und von Rango zumindest inspirierten) Reichs sind zwei fette Kröten...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen