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Freitag, 3. Juni 2016

No Commitments: Sing Street (5/10)

Es war einmal ein kleiner Film über einen irischen Straßenmusiker und eine tschechische Pianistin, die sich in Dublin treffen, gemeinsam musizieren und sich vielleicht auch ineinander verlieben. Das funktionierte vielleicht deshalb so gut, weil Glen Hansard und Markéta Irglová Variationen ihrer selbst spielten und ihre Geschichte daher glaubhaft und berührend wirkte. Wenngleich sich das Paar, nach ein paar Alben als The Swell Season, schnell wieder getrennt hat, war es doch 2008 ein kleines Happy End, dass ihr Lied Falling Slowly den Oscar für den Besten Song gewann. Seitdem versucht Regisseur und Drehbuchautor John Carney, der übrigens mit Hansard Anfang der 90er Mitglied der Frames war, diesen Überraschungshit Once zu wiederholen (dessen Mikrobudget von 180.000 Euro vielfach wieder eingespielt wurde). Leider variiert er seitdem nur das gleiche Rezept mit stetig geringerem Erfolg.



Der in New York spielende Nachfolger Begin Again (Can a Song Save Your Life?) mit Keira Knightley und Mark Ruffalo wirkt dagegen doch arg glatt, hat allerdings immer noch hübsche handgemachte Musik zu bieten, und lebt ansonsten von der Ausstrahlung der beiden Stars. John Carney hat sich jüngst missliebig über Keira geäußert, die sich ihm zufolge wohl erdreistet hat, eine ihrer eigenen Persönlichkeit sehr unähnliche Figur zu spielen. Ich fand ihre zerbrechliche Gretta toll, und die von ihr selbst eingespielte Musik mehr als zweckdienlich. Ich hatte viel mehr Probleme mit ihrem Gegenüber, dem Gelegenheitsschauspieler Adam Levine (Leadsänger von Maroon 5 mit unglücklichem Hang zum Falsett). Jedenfalls wurden die Produktionskosten von angeblich 8 Millionen Dollar locker wieder eingespielt.



Mit Sing Street kommt jetzt eine für John Carney eigentlich sehr persönliche Geschichte aus seiner Jugendzeit. 1985 gründet der 15jährige Dubliner Cosmo eine Band und dreht Musikvideos, um ein älteres Mädchen zu beeindrucken. Es ist die Zeit der British New Wave, im Fernsehen laufen (noch recht primitive) Videoclips von Duran Duran, The Cure und Spandau Ballet. Das ist für mich schon das erste Problem: Das gleiche hätte auch in London passieren können. Irische Musik kommt nicht vor, obwohl die Band einen schwarzen Keyboarder findet. Der fällt allerdings nur durch ein paar Faxen (Whiteface) auf, dabei hätte das damals sicher jeden Iren an Thin Lizzy mit ihrem schwarzen Frontman Phil Lynott  erinnert. Überhaupt entwickeln die Bandmitglieder höchstens durch ihren Kleidungsstil Persönlichkeit. Das war beim offensichtlichen Vorbild The Commitments von 1991 deutlich anders. Und mitreißende oder berührende Titel gibt's hier auch nicht zu hören - das ist höchstens Wegwerfmusik zum Schmunzeln.



Abgesehen von der Musik gibt es noch ein wenig müdes Sozialdrama, in der Hauptsache durch den Ehekrach von Cosmos Eltern. Sie haben hier die einzigen bekannten Gesichter: Maria Doyle Kennedy ("S" aus Orphan Black und Veteranin aus den Commitments) und Aidan Gillen ("Littlefinger" aus Game of Thrones). Cosmos Bruder Brendan erinnert mich an Williams große Schwester Anita aus Almost Famous und befindet sich damit komplett im falschen Film. Schlimmer sind die Schulszenen, mit dem wandelnden Klischee eines Bullys (der am Ende dann noch als Roadie "eingefangen" wird). Das alles ist manchmal durchaus komisch, meist aber eher irritierend, und funktioniert weder als Satire noch als nostalgische Farce. Als Höhepunkt gibt es dann noch eine komplett missglückte Phantasieszene à la Zurück in die Zukunft und ein besonders fragwürdiges Ende. Das war wohl nichts. In den USA kommen offenbar weder die sehr spezielle Musik  noch die irischen Akzente gut an, es ist ein ziemlicher Flop. Annehmbar (5/10).

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