Novellen
Bei den Novellen sind in diesem Jahr drei Neulinge und drei Wiederholungstäter im Rennen (nämlich die Gewinner der letzten drei Jahre).6. Gods, Monsters and the Lucky Peach (Kelly Robson)
Eine Satire, bei der die Autorin den Witz vergessen hat. Zeitreisen als Kommerz, mit dem Handbuch für Projektmanagement statt der Bibel im Gepäck (es lebe Microsoft Project!)
5. Binti: The Night Masquerade (Nnedi Okorafor)
Der Abschluss der Trilogie, eigentlich zweiter Teil eines Romans, ist immer noch hübsch, kann aber kaum für sich allein stehen, wie ich schon im Vorjahr ausgeführt habe.
4. The Black God's Drums (Djèlí Clark)
Djèlí Clark ist zwar keine Frau, dafür aber schwarz und schwul. Die Stärke der Novelle liegen in der ethnischen Verwurzelung in einem alternativen New Orleans des 19. Jahrhunderts. Französischkenntnisse bei der Lektüre hilfreich.
3. The Tea Master and the Detective (Aliette de Bodard)
Bodard ist dieses Jahr mit ihrem Universe of Xuya, einer Reihe locker verbundener Novellen und Kurzgeschichten, auch Finalist für die Beste Serie. Vietnamesen im Weltall! Mal was anderes, aber auch anstrengend, vor allem der erste Band, "On a Red Station, Drifting". Die aktuelle Novelle "The Tea Master and the Detective" dagegen ist eine amüsante Variation des Doyleschen Rezepts, mit einer geheimnisvollen Gelehrten als Holmes und einer Raumschiff-KI als kriegsversehrtem Watson (ja, das Raumschiff brüht Tee). Gewann bereits den Nebula.
2. Artificial Condition (Martha Wells)
Die Fortsetzung der Murderbot-Memoiren ist nicht ganz so packend wie der Hugo-Gewinner vom Vorjahr, und natürlich ist der Überraschungseffekt flöten gegangen, sie macht aber immer noch Spaß. Martha Wells' "The Death of the Necromancer" habe ich allerdings nach der Hälfte wieder aufgegeben.
1. Beneath the Sugar Sky (Seanan McGuire)
Es sind einfach wunderbare, märchenhafte Geschichten, die Seanan McGuire in ihrer Reihe um die "Wayward Children" schreibt. "Unter dem Zuckerhimmel" ist eine magische Reise durch gleich mehrere Fabelwelten.
Noveletten
Hier wie bei den Kurzgeschichten fällt es mir wie immer schwer, eine Reihenfolge zu bestimmen. Die Beiträge sind übrigens auch in der Länge sehr unterschiedlich (+- 10.000 Wörter).1. “If at First You Don’t Succeed, Try, Try Again” (Zen Cho)
Über Hartnäckigkeit, die Werdung eines Drachen und eine Art lesbische Liebe
2. When We Were Starless (Simone Heller)
Aliens treffen auf das Planetarium einer untergegangenen Zivilisation; das Führungshologramm erscheint ihnen als Geist und soll exorziert werden. Englischsprachige Geschichte einer Münchner Schriftstellerin!
3. “Nine Last Days on Planet Earth” (Daryl Gregory)
Es regnet außerirdische Pflanzen, aber das Leben geht weiter.
4. “The Last Banquet of Temporal Confections” (Tina Connolly)
Zutaten, die lebensechte Erinnerungen heraufbeschwören - 5D-Kino inklusive den Empfindungen der Opfer
No Award
5. "The Only Harmless Great Thing" (Brooke Bolander)
Elephantische Dystopie. Bolander ist einfach nicht mein Fall. Hat aber den Nebula gewonnen und gilt wohl als Favorit.
6. “The Thing About Ghost Stories” (Naomi Kritzer)
Meta-Geistergeschichte mit echter Geistergeschichte - leider weder gruselig noch sonstwie unterhaltsam
Kurzgeschichten
“The Secret Lives of the Nine Negro Teeth of George Washington” (P. Djèlí Clark)Facetten von Rassismus anhand der allegorischen neun Beutezähne des ersten amerikanischen Präsidenten. Gewann bereits den Nebula.
“The Court Magician” (Sarah Pinsker)
Pinsker hat zumindest nette Ideen. Hier geht es um einen Magier, der für jeden Zauberspruch ein Körperteil verlieren muss.
No Award
“The Tale of the Three Beautiful Raptor Sisters, and the Prince Who Was Made of Meat” (Brooke Bolander)
Für Bolander ganz amüsant, aber mir immer noch zu aggressiv feministisch.
“The Rose MacGregor Drinking and Admiration Society” (T. Kingfisher)
Rose MacGregor hat offenbar eindrucksvolle Brüste.
“A Witch’s Guide to Escape: A Practical Compendium of Portal Fantasies” (Alix E. Harrow)
Bibliothekare sind entweder Hexen oder?
6. “STET” (Sarah Gailey)
Hä?
Beste Serie
Wo ich schon mal dabei bin, hier ein paar Worte zur Besten Serie (eine Kategorie, von der ich immer noch nicht überzeugt bin). Diesmal habe ich mir ein ganz gutes Bild machen können.1. The Laundry Files (Charles Stross)
Auch wenn ich die letzten Bände nicht mehr gelesen habe, war diese Reihe am Anfang doch ziemlich toll, wovon ich mich durch die Lektüre einer frühen Kurzgeschichte aus der Voters Package nochmals überzeugen konnte. Siehe auch meine Kritik zur Gewinner-Novelle Equoid von 2014.
2. The October Daye Series (Seanan McGuire)
Ich lese gerade Band fünf (von inzwischen 15, glaube ich), und mehr als gediegene Unterhaltung kommt immer noch nicht dabei rum. Aber na ja...
No Award
3. The Universe of Xuya (Aliette de Bodard)
Die Reihe erfüllt gerade so die geforderte Wortezahl. Das ist mir zu dünn.
4. Wayfarers (Becky Chambers)
Bestes Beispiel, warum ich die Kategorie nicht mag. Das ist einfach kein Hugo-Material. Siehe meine Gedanken zu den Roman-Finalisten.
5. The Centenal Cycle (Malka Older)
60 Jahre in der Zukunft gibt es eine Weltregierung, die in Bezirken à 100.000 Einwohnern gewählt wird. Mehr ein weltfernes politisches Manifest denn eine SF-Geschichte der Ethik-Expertin, bin ich da nicht reingekommen.
6. Machineries of Empire (Yoon Ha Lee)
Die bisherigen drei Romane sind alle unter die Finalisten gekommen. Warum? Ist mir schleierhaft.