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Sonntag, 24. Februar 2013

Oscar-Favorit: Ralph reicht's (7/10)

Nachdem Shrek 2003 den ersten, neu eingeführten Oscar für den besten abendfüllenden Trickfilm gewann, bestimmte Pixar mit sechs Gewinnern diese Kategorie. Erschreckenderweise konnte Disney als traditionsreichstes amerikanisches Trickstudion diesen Preis noch nie einheimsen. Die typisch kapitalistische Reaktion war natürlich, daß Disney das Pixar-Studio übernahm und dessen Chef John Lasseter zum künstlerischen Direktor beider Abteilungen bestellte. Es mag Zufall sein, aber seitdem sind die Pixar-Beiträge deutlich schwächer geworden:  Bei Toy Story 3 stand ich da mit meiner Meinung vielleicht noch allein, bei Cars 2 und Merida ist das fast Konsens. Dagegen hatten Disneyfilme eine kleine Renaissance mit so charmanten Beiträgen wie Bolt, Küss den Frosch und Rapunzel. Dieses Jahr könnte es mit Ralph reicht's (Wreck-It Ralph) endlich einmal für den Oscar reichen.

Sicherlich inspiriert von Toy Story und der Monster-AG, aber trotzdem sehr eigenständig, wird die Welt hinter der Fassade einer Spielhalle gezeigt. Jeden Abend nach Türschluß treffen sich die Spielfiguren noch auf ein Bier, feiern Parties oder gehen wie Ralph zu einem Treffen der anonymen Schurken. Als der frustrierte Ralph nicht einmal zur 10jährigen Jubiläumsfeier seines eigenen Spiels eingeladen wird, schleicht er sich in ein fremdes Spiel ein, um eine Medaille zu gewinnen und seine Kollegen zu beeindrucken. Daraus entwickelt sich dann eine bunte Abenteuergeschichte mit sympathischen Charakteren und fantastischen Bildern, sicher mit bekannten Motiven, trotzdem sehenswert. Im Original hört man übrigens die Stimmen von John C. Reilly (Der Gott des Gemetzels), Jack McBrayer (Page Kenneth aus 30 Rock), den Komikerinnen Jane Lynch und Sarah Silverman sowie Alan Tudyk (Wash aus Firefly).

Für Kinder ist der Film mit 110 Minuten vielleicht etwas lang, die Kleinsten werden sich wohl bei manchen Szenen ziemlich gruseln; die FSK6-Zertifizierung sollte man schon bedenken. Der Spaß für Erwachsene liegt eher im Nostalgieeffekt und dem Auftritt von Pacman und anderen klassischen Spielfiguren (Ralph beschreibt zum Schluß sein eigenes Spiel als "Retro", also etwa "alt, aber cool"). Gestört hat mich mehrfach die aggressive Popmusik, besonders ein von Rihanna gesungener Schlager.

Alles in allem ein wohlverdientes Gut (7/10).

Im Vorprogramm läuft übrigens der schöne Kurzfilm Paperman, der Disney bei den Academy Awards einen doppelten Triumph verheißt. Die übrigen nominierten Langfilme:

ParaNorman (3/10)
Gute Idee, vollkommen mißlungene Ausführung.
Piraten (5/10)
Vorhersehbar und unkomisch.
Frankenweenie (6/10)
Nur für Burton-Fans.
Merida (6/10)
Technisch überragend, aber trotz erstmalig weiblicher Heldin überraschungslos und etwas zerfahren erzählt.


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