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Donnerstag, 14. Februar 2013

Klassiker auf Blu-ray #2: Der Zirkus (Charles Chaplin 1928)

Nach seinem Langfilm-Debut Der Vagabund und as Kind (1921) und seinem ersten Meisterwerk Der Goldrausch (1925) war Der Zirkus (1928) Chaplins dritte und letzte "echte" Stummfilmkomödie. Die Nachfolger Lichter der Großstadt und vor allem das großartige Moderne Zeiten enthielten schon Toneffekte und eine feste Musikuntermalung. "Der Zirkus" bekam eine solche erst 1969, für die Wiederaufführung komponierte der 80jährige Meister den Soundtrack und sang selbst das Titellied ("Swing Little Girl"). Selbst wer die oft sentimentale Grundstimmung in seinen Werken nicht mag, müßte bei dieser reinen Komödie, die 70 Minuten lang fast ohne Unterlaß witzig und packend ist, eigentlich auf seine Kosten kommen. Trotzdem scheint dies ein wenig bekanntes Werk zu sein.

Die Grundsituation ist so einfach wie komödiantisch ergiebig. Der Tramp wird auf dem Jahrmarkt mit einem Taschendieb verwechselt. Auf der Flucht vor den Polizisten stolpert er in die Zirkusarena und wird zur unfreiwilligen Sensation, verliebt sich in die Tochter des Direktors und zeigt am Ende sein großes Herz, indem er sie mit dem soliden Trapezkünstler verkuppelt. Diese einfache Handlung ist voller witziger Kleinode, enthält aber auch erstaunliche Produktionsnummern. Gern erinnert man sich an das Spiegelkabinett, den Löwenkäfig und die abschließende atemberaubende Hochseilnummer, eine Idee, aus der Chaplin wohl den kompletten Film entwickelt hat und die möglicherweise eine Hommage an Harold Lloyds wagemutigen Stunts darstellt (siehe vor allem Ausgerechnet Wolkenkratzer). Aber da sind auch die kleinen Szenen, unvergeßliche Vignetten, manchmal fast zufällig hingeworfen: Der Tramp versucht durch ein Loch im Zelt in die Manege zu schauen, als bei einer Prügelei ein Requisiteur neben ihm ohnmächtig zu Boden geht. Beiläufig zieht der Tramp den Bewußtlosen mit seinem Stock zu sich her und stellt sich auf ihn, um seinen Ausguck zu erreichen. Oder, auf der Flucht, der Versuch, erst allein, dann mit dem Taschendieb im Duett, sich als automatische Jahrmarktsfigur zu tarnen. Oder, die Zubereitung des Frühstücks, beginnend mit der Verfolgung der eierlegenden Henne. Oder die Wilhelm-Tell-Probe, in der er den wurmstichigen Apfel durch eine Banane ersetzt. Oder der mißglückte Versuch, dem Pferd eine Pille in den Rachen zu pusten.

Zwei Jahre lang arbeitete Chaplin an seinem Werk, nicht nur aufgrund seines Perfektionismus, sondern auch wegen Rechtsstreitigkeiten, technischen Problemen und Zerstörungen und Diebstählen am Set. Geblieben ist ein weiteres Werk für die Ewigkeit. Wie immer sind die weiteren Mitwirkenden mehr Komparsen. Das Mädchen wird gespielt von der 20jährigen Debütantin Merna Kennedy, die sich später eher durch ihre Ehe und anschließende Scheidung vom Choreographen und Musical-Genie Busby Berkeley hervortat und mit 36 Jahren bereits an einem Herzinfarkt starb. Von Chaplins Stammmannschaft erkennt man vielleicht noch Henry Bergman als traurigen, sympathischen Clown.

Herausragend (9/10).

Die im UK von Park Circus/MK2 veröffentlichte Blu-ray/DVD-Combo ist technisch sicher noch nicht das letzte Wort zu diesem Film, bietet aber ein sauberes Bild und guten Ton, wahlweise in dts-MasterAudio und zweikanaligem PCM Mono. Leider gibt es keine deutschen Untertitel, aber die wenigen Zwischentitel sollten auch mit geringen Englischkenntnissen zu bewältigen sein. Auf der DVD gibt es die bereits bekannte Dokumentation aus der Reihe "Chaplin Today", hier mit Emir Kusturica.

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