Zu Wes Anderson habe ich ein etwas zwiespältiges Verhältnis. Nach einem Fehlstart mit dem Kultklassiker Rushmore, der mir trotz Bill Murray gar nichts gesagt hat, war ich von den Royal Tenenbaums begeistert. Für Die Tiefseetaucher hatte ich noch viel Bewunderung übrig, aber mit Darjeeling Limited schien mir das Rezept für skurille Ensemble-Filme aufgebraucht. Den Trickfilm Der fantastische Mr. Fox fand ich erzähltechnisch recht müde. Doch mit erfolgreichen Moonrise Kingdom hat Anderson jetzt gezeigt, daß er seinen phantastischen Ideen doch noch Leben einhauchen kann.
Trotz aller Stilisierung hat mich auch beim Wiedersehen nicht nur die Liebesgeschichte der beiden 12jährigen Sam und Suzy, sondern auch das Porträt so mancher Nebenfigur bewegt. Besonders Edward Norton als Pfadfinderleiter, Frances McDormand und Bill Murray als die Eltern von Suzy und Bruce Willis als abgehalfterter Polizist (im Gegensatz zu Kevin Smith kann Anderson mit dieser eigenwilligen Action-Diva wohl umgehen) haben mich überzeugt. Es ist schon ein Vorteil, wenn man seine vielen Nebenfiguren mit Stars besetzen kann, die diesen mit wenigen darstellerischen Pinselstrichen Charakter geben können.
Vielleicht geht beim zweiten Sehen das Konzept noch besser auf, in dem die Kinder den Erwachsenen einen Spiegel vorhalten. Es gibt eine solche liebevolle Detaildichte, die sich erst in der Wiederholung erschließen kann. Das beginnt schon mit dem musikalischen Scherz, den Film mit Brittens "Young Person's Guide to the Orchestra" beginnen zu lassen, das jungen Menschen etwas herablassend die Orchesterinstrumente erklärt. Im Abspann dann kommentiert der junge Hauptdarsteller dann die Filmmusik von Alexandre Desplat in ähnlicher Weise. Wundervoll auch die (erfundenen) Kinderbücher Suzys, ihr Hang zu melancholischen französischen Chansons ("Le temps de l'amour" gesungen von Françoise Hardy) und Sams kunstvolle Zeichnungen. Außerdem spielt die Handlung in meinem Geburtsjahr!
Daher korrigiere ich meine Bewertung gern zu einem Sehr gut (8/10).
Das Bild der Blu-ray wirkt manchmal etwas weich, fast unscharf, das scheint aber der Quelle geschuldet zu sein, denn Anderson hat wohl um des nostalgischen Effekts willen in 16mm gedreht. Ansonsten gibt es technisch nichts zu bemängeln, und es werden etliche informative Extras angeboten, hervorzuheben die allerdings nicht untertitelten Interviews, u.a. mit Wes Anderson und einem in Cannes aufgenommenen entspannten Bill Murray (jeweils ca. 10 Minuten). Dafür gibt es ein kurzes deutschsprachiges Making of, in dem auch Co-Autor Roman Coppola kurz zu Wort kommt.
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